Noch einmal lässt Saint Bob die Glocken läuten

Für die Band-Aid-Bewegung haben verschiedene Musiker den Ohrwurm «Do They Know It's Christmas» neu eingespielt. Bob Geldofs Aktion sorgt für Kritik von mehreren Seiten.

Der Clip zum Weihnachtssong «Do They Know It's Christmas?» (2014).

Peter Nonnenmacher@tagesanzeiger

1984, als er Band Aid aus der Taufe hob, hatte sich Bob Geldof als konträrer Wohltäter einen Namen gemacht. Er war nach seiner erloschenen Boomtown-Rats-Karriere als «Heiliger Bob» in die Popgeschichte eingegangen. Jetzt, dreissig Jahre später, hofft der 63-jährige Ire, im Kampf gegen Ebola noch einmal die Resonanz zu erzielen, die er bei seiner Kampagne zur Linderung der Hungersnot in Äthiopien mit Band Aid und den anschliessenden Live-Aid-Konzerten seinerzeit verbuchen konnte.

Seit Montagmorgen ist jedenfalls die neueste Version des alten Ohrwurms «Do They Know It's Christmas?» für 1.25 Euro herunterzuladen – und in drei Wochen kommt eine entsprechende CD für 5 Euro auf den (Weihnachts-)Markt. Wenige Stunden nach dem Startschuss war Geldof schon hochzufrieden.

Eine Million Pfund in fünf Minuten

Was er auf iTunes gesehen habe, sei «echt wahnsinnig», freute sich der Kampagnenstar und frühere Sänger: «Binnen vier oder fünf Minuten hatten wir schon eine Million Pfund zusammen.» Auch die Vorbestellung der Single laufe auf Hochtouren. Das Interesse sei «völlig irre».

1984, bei der ursprünglichen Band-Aid-Aktion, hatten Geldof und sein Mitproduzent Midge Ure 3,7 Millionen Platten verkauft und acht Millionen Pfund eingenommen. Boy George, Sting, George Michael und Duran Duran waren damals noch mit von der Partie.

Diesmal, im Zeitalter von Instagram und Twitter, lud Geldof ausser einer Handvoll Veteranen und jüngeren Sängern wie Ed Sheeran oder Sam Smith auch Nichtmusiker – «Internetpersönlichkeiten» – wie Zoe und Joe Sugg zur Aufnahme ein. Hauptsache, die Sache finde die nötige Verbreitung, meinte er.

Adele liess sich entschuldigen

Bono war einer derer, die schon 1984 dabei waren. Er flog am Wochenende im Privatjet in London ein, verspätete sich jedoch wegen Nebels. Coldplays Chris Martin stiess dazu, aber Adele liess sich entschuldigen. Für die Aufnahme hatte Geldof dasselbe Studio in Westlondon angemietet, in dem schon die «klassische» Fassung hergestellt worden war.

Den Text jener Fassung hatte er etwas umgeschrieben. Nun, da es um Ebola geht, ist davon die Rede, dass man «den Arm um die Welt legen» und die Hoffnungslosen in Westafrika «berühren» müsse, bei denen «in jeder Träne der Tod» lauere. Wenn man einander daheim zu Weihnachten zutrinke, solle man zugleich «die Welt fühlen» und «für die anderen beten». Denn für die armen Teufel in Westafrika seien «die Weihnachtsglocken, die da läuten, die dröhnenden Schläge des Untergangs».

Kritik wird laut

Kaum verwunderlich, hat auch diese neue Aktion Saint Bob Kritik eingetragen. Über eine «ewig herablassende Haltung gegenüber Afrika» ärgerte sich die Kolumnistin Bim Adewunmi. Die Grassroots-Organisatorin Solome Lemma warf Geldof und Bono vor, sich selbst in Szene zu setzen, statt afrikanische Musiker zu unterstützen, die schon seit Monaten gegen die Seuche und ihre Ursachen ansängen.

Blur-Sänger Damon Albarn wies darauf hin, dass man offensichtlich anderswo «Probleme mit unserer Vorstellung von Wohlfahrt» habe. Albarn war einer der Begründer des African Express gewesen, bei dem vor zwei Jahren achtzig afrikanische Musiker mit vielen Zwischenstationen nach Grossbritannien fuhren, um mit ihrer Musik afrikanische Anliegen nach Europa zu tragen.

Spenden aus Selbstbetrug?

Ein anderer African-Express-Initiator war der britische Journalist Ian Birrell, der Band Aid vorwirft, «eine Ära des Prominentenaktivismus» losgetreten zu haben, die nur zum Ziel habe, «dass wir uns gut fühlen». Man betrüge sich selbst, wenn man sich einrede, dass «Stars, Slogans und Stunts» komplexe politische Probleme lösen könnten – «dass Konzerte der Armut ein Ende bereiten oder ein Twitter-Hashtag von Jihadisten entführte Schulmädchen zurückbringt».

Bob Geldof will von solchen Einwänden nichts hören. Es spiele «letztlich keine Rolle», ob einem der Band-Aid-Song gefalle und ob die Aufnahme gut oder schlecht sei, meint Saint Bob kopfschüttelnd. Wichtig sei am Ende doch nur eines: «Dass man das Ding kauft. Dass man den Spendenknopf drückt.»

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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