Pop-Briefing: Swish swish!

Bon Iver pfeift auf Veröffentlichungsdaten, Miley Cyrus ist wieder frei, der Sommerhit der Schweizer und ein trauriger Abschied: Das ist die frische Popkolumne zur Woche.

Macht er sichs zu bequem? Justin Vernon. Foto: PD

Macht er sichs zu bequem? Justin Vernon. Foto: PD

Das muss man hören


Veröffentlichungsdaten sind seit längerem nicht mehr die zuverlässigste Währung im Popgeschäft. Das hat am Freitag wieder einmal Justin Vernon bewiesen, als er sein neues Bon-Iver-Album bereits mit der Öffentlichkeit geteilt hat – und nicht wie angekündigt Ende August. Und als man sich dann reingeskippt hat in «i,i», da meinte man, dass beim Hochladen der Dateien etwas schiefgegangen ist. Denn klingt das nicht ungemein nach James Blake? Nun, natürlich schon, denn Vernon und Blake sind ja seit längerem befreundet. Und wer weiter hört, entdeckt eine weniger zerrüttete Form von Vernons zahlenmystischem Vorgängeralbum «22, A Million», hört mehr Gospel und aber auch mehr bereits bestens eingeführte Formeln.

Einige sagen, dass auf dem neuen Album alles zusammenkommt, was Bon Iver bislang gemacht hat. Man darf dann aber doch anfügen, dass ein richtig toller Song eben doch fehlt. Vielleicht ist es ja «Naeem»? Wahrscheinlicher ist aber auch, dass ihn der einzelne Song gar nicht mehr interessiert.

Darüber wird gesprochen


Endlich! Miley Cyrus und ihr Ehemann Liam Hemsworth haben sich getrennt. Spielt das eine Rolle? Ja, doch. Denn Frau Cyrus wurde langweilig, als sie die Beziehung zum Schauspieler auf ihrem superdurchschnittlichen «Younger Now» ausführlich besungen hat. Die Zeichen stehen nun wieder auf Freiheit, und das hörte man ja schon an ihrer letzten Single «Mother’s Daughter» bestens. In dem Sinne, «swish swish, motherfucker!»

Das Schweizer Fenster


Der Sommer 2019 befindet sich in seinen letzten Wochen, und deshalb kann man ja auch rasch nachschauen, welche Melodie bei den hiesigen Musikhörerinnen und -hörern besonders beliebt war. Es ist nicht – wie von mir prognostiziert – Luca Hännis «She Got Me», sondern «Señorita» von Shawn Mendes und Camila Cabello. Seit sechs Wochen hängt das Lied nun schon an der Spitze der Hitparade – da können auch Lil Nas X und seine «Old Town Road» nichts dagegen ausrichten. Wobei: An Lil Nas X werde ich mich, anders als an die «Señorita», erinnern, wenn dereinst das Jahr 2019 im Pop-Rückblick erscheinen wird.

Was blüht


Das Schweizer Gastspiel von A$AP Rocky am Samstag in Orpund bei Biel. Je nachdem, wie das Urteil gegen den Rapper in Schweden ausfallen wird, ist es ja die letzte hiesige Show für längere Zeit. Wobei: Trump und Kanye werden via Twitter dann schon eingreifen.

Das Fundstück


Er wurde von sehr vielen Musikfans geliebt, doch es half nichts: Am vergangenen Mittwoch ist David Berman gestorben. Und auch wenn seine Songs mit der Band Silver Jews nicht unbedingt geheim waren, muss man doch nochmals an sie erinnern. An die Eröffnungszeile von «Random Rules» («In 1984 I was hospitalized for approaching perfection»), an grosse Titel wie «Sometimes a Pony Gets Depressed» oder an seine letzten Songs, die Berman unter dem Projektnamen Purple Mountains aufgenommen hat. Vielleicht schneits ja nun in Manhattan.

Die Wochen-Tonspur


Auch mit David Berman – sowie weiteren neun Tracks, die mehr oder weniger neu sind und zur Zeit passen.

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