Pop-Briefing: Zurück zum Abenteuer

Diese Woche in der Pop-Kolumne: verbrannte Musik, Ausflüge in die Psychedelik, Archivarisches von den Beastie Boys – und #zürilove.

Abenteuerlich unterwegs: Die Gruppe Vanishing Twin. Foto: PD

Abenteuerlich unterwegs: Die Gruppe Vanishing Twin. Foto: PD

Das muss man hören


Springsteen! Madonna! Prince! Die popmusikalischen Blockbuster dieser Tage sind die Blockbuster aus der Vergangenheit. Im Schatten dieser Immer-noch-Superstars erscheinen aber immer auch verschiedenste Produktionen, die Gefahr laufen, gänzlich vergessen zu gehen.

Da ist beispielsweise das Album «With Kindness» der englischen Songwriterin Rose Keeler-Schaffeler, die sich Keel Her nennt. Auf diesem Album versammelt die 25-Jährige analoge Songs, die sie auf Tonband aufgenommen hat und denen man den Heimstudiocharakter prima anhört. Es sind Songs, die Folk, Psychedelia und Dream-Pop streifen und problembehaftete Jahre zu einer wunderbaren Musik verarbeiten.

Psychedelisches, Analoges und auch Träumendes findet sich auch bei der Band Vanishing Twin. Der Charakter dieser Gruppe lässt sich immer noch am besten am Titel ihres letzten Albums «Choose Your Own Adventure» ablesen, einem so neugierigen wie verspielten wie abenteuerlichen Stück Musik. Das ist auch auf dem neuen Album «The Age of Immunology» nicht viel anders. Was nun noch fehlt, ist ein hiesiges Konzertdatum.

Immer wieder zu Gast hierzulande ist die holländische Mauskovic Dance Band. Wenn es eine Sommerplatte gibt, dann ist dies ihr lang erwartetes Debüt, das in die tanzende Space-Disco zieht. Man stellt sich bei Songs wie «Drinks by the Sea» aber auch genau das vor: wie man da in der Strandbar sitzt und sich noch ein goldig schimmerndes Getränk bestellt. Schöne Aussichten sind das.

Wer härtere Gitarren sucht: Am Freitag erscheint das Debüt der Band Black Midi. Es ist ziemlich super.

Darüber wird gesprochen


Vor elf Jahren brannte es in den Universal Studios in Hollywood. Doch nicht nur Filmreliquien und -kulissen fielen den Flammen zum Opfer, sondern, so weiss man es seit dem Artikel «The Day the Music Burned», auch zahlreiche musikalische Schätze. Denn das Label Universal lagerte in einer Halle auf dem Gelände auch Mastertapes und also die Originalaufnahmen von Musikerinnen und Musikern wie Aretha Franklin, John Coltrane, Nirvana, Chuck Berry, Eminem, Hole und eine erschütternde Anzahl mehr.

Universal dementierte zwar die riesige Dimension des Schadens, doch die grundsätzliche Frage, wie Musik von den Labels überhaupt gelagert wird, ist damit nicht beantwortet. Kommen die Konzerne ihren konservatorischen Pflichten überhaupt nach? Und werden die Musiker nun Klage gegen Universal einreichen? Man wird es sehen.

Das Schweizer Fenster


Wie klingt eigentlich die Stadt Zürich? Eine Playlist, die der Popkredit der Stadt stetig aktualisiert, gibt eine Ahnung davon, welch produktive Stimmung unter den Musikerinnen und Musikern in Zürich herrscht. Man sollte der #zürilove-Playlist folgen, unbedingt. Derzeit wird sie übrigens angeführt von Stereo Luchs und einem seiner neuen «Off Season»-Tracks.

Was blüht


Apropos Zürich: Heute Abend wird das Letzigrund von Phil Collins beehrt. Für manche verkörpert das Genesis-Mitglied noch immer das Böse im Pop schlechthin, weil es viel schmieriger und cleaner und berechnender nicht geht. Andere finden ihn gar nicht mehr schlimm, zumal viele seiner Sounds, wie etwa der Drum-Effekt von «In the Air Tonight», längst durch die Indiejugend rehabilitiert wurden. Ein Beispiel auch: Wenn ich Bon Iver höre – etwa seinen Song «8 (Circle)» –, dann denke ich nicht selten an Phil Collins. Und «Dance into the Light» ist nach einem wunderbaren Discoabend eben auch einer jener Songs, denen ich mich nur schwerlich entziehen kann.

Das Fundstück


Vor fünfzehn Jahren erschien «To the 5 Boroughs» der Beastie Boys. Nun haben Mike Diamond und Adam Horovitz ihre grosse Ode an New York City ergänzt – und 12 Tracks und Remixes veröffentlicht. Man hört so auch die Stimme des verstorbenen und schmerzlich vermissten Adam Yauch wieder und überraschenderweise ebenfalls die Spuren des Blur-Gitarristen Graham Coxon, der einen Remix beigesteuert hat.

In Sachen Beastie Boys sei an dieser Stelle auch die Hörbuchversion des «Beastie Boys Book» empfohlen. Bessere Unterhaltung gibts selten – auch dank einem fantastischen All-Star-Cast – und dies während 13 Stunden.

Die Wochen-Tonspur


Zehn neue Tracks finden Sie in der aufdatierten Playlist, die nicht immer schön anzuhören ist – auch wegen der sehr harschen Girl Band –, aber so soll es sein.

Leichter durchhörbar ist die Sommer-Playlist, die zur Sommerhit-Geschichte in der letzten «SonntagsZeitung» passt:

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