Pop-Briefing: Das zarte Wort «Atombombe»

Zwei Traumtracks, eine Bestenliste, Neues von Jeans for Jesus und Nick Cave: Das bringt die Popkolumne zur Woche.

Verabschieden die Baby-Boomer: Jeans for Jesus. Foto: Matthias Günter

Verabschieden die Baby-Boomer: Jeans for Jesus. Foto: Matthias Günter

Das muss man hören


Zwei neue Songs laufen bei mir derzeit im Wiederholungsmodus. Da wäre erstens «Eye in the Wall» von Perfume Genius. Für diesen Track geht Mike Hadreas, der hinter dem Parfüm-Genie-Alias steckt, in den Club. Und sobald dieser lostanzt bei der 1:07-Zeitmarke, erscheint sehr vieles frei. Jedenfalls hat das dann nichts mehr mit den frühen Schmerzensballaden zu tun, mit denen Hadreas einst bekannt geworden ist.

Der zweite Track, der meine Tonspur bestimmt, stammt von Mtendere Mandowa , der seine Musik als Teebs veröffentlicht. In «Studie» hört man dank dem ozeanischen Unterwasserbeat, dass der Produzent aus dem Brainfeeder-Umfeld von Flying Lotus stammt, dort, wo auch das kommende Album erscheinen wird. Und man hört aber auch die Stimme des Animal-Collective-Mitglieds Noah Lennox, der als Panda Bear mit «Buoys» im Frühjahr eine weithin unterschätzte Surfer-Platte für die endlosen Sommerabende veröffentlicht hat. In «Studie» kommt nun wundersamerweise alles zusammen. Ein Traum von einem Track.

Darüber wird gesprochen


Die Zehnerjahre neigen sich zu Ende, und das ist Grund genug, die 100 besten Alben des noch einigermassen jungen Jahrhunderts zu küren. Beispielsweise für den «Guardian». Ganz oben in der Liste steht in dieser Wahl «Back to Black» von Amy Winehouse, und man darf sich dann auch fragen, ob dieses Album mit der retroseligen Produktion das laufende 21. Jahrhundert, in dem in so kurzer Zeit so vieles durcheinandergeraten ist, wirklich auf den Punkt bringt. Aber ja: Listen sind zum Streiten da, von dem her passt das schon.

Das Schweizer Fenster


«Merci für das»! Jeans for Jesus verabschieden die Baby-Boomer – diese Generation Superstar – in ihrem neuen Song «babyboomsuperstar». Wie die Band ihre Samples verbaut und wie elegant und zart sie das Wort «Atombombe» unterbringt, das ist schon sehr schön anzuhören. Zumal im Wohlklang unüberhörbar ist: Hier stimmt etwas nicht.

Was blüht


Ein neues Album von Nick Cave. Dieses wird schon in der kommenden Woche erscheinen, wie Cave auf seinem Frageportal The Red Hand Files auf eine entsprechende Fanfrage geantwortet hat. Das Doppelalbum heisst «Ghosteen». Bis es neue Musik gibt, hier noch ein frommer Klassiker aus dem Cave-Katalog:

Das Fundstück


Apropos fromm: Das ist auch der Sampler «The Time for Peace Is Now», der auf David Byrnes Label Luaka Bop erschienen ist. Aber auf dem Album ist Gospelmusik zu hören, die dann eben nicht nur an die Gottesfürchtigen gerichtet ist, sondern auch weltliche Popfans ansprechen dürfte. Ob dies ein Zeichen der Zeit ist? Nun, ich weiss es nicht, aber wunderbar zu hören ist dieses Album dennoch.

Die Wochen-Tonspur


Klaviermusik von Sufjan Stevens, Noise von Clipping, Protest-Jazz von Sarathy Korwar und natürlich auch wunderbaren Pop: Alles da in den zehn neu hinzugefügten Tracks in der stetig anwachsenden Playlist.

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