Sanft, aber bestimmt

Soundcheck

Femininer Pop ganz ohne Gitarren und Berner Grüblereien: Sister Moon taufte letzten Freitag im Bären Münchenbuchsee ihr Debütalbum «Liberation».

Ungeniert eingängig und melodiös: Sister Moon. Foto: zvg / Marianne Wenger

Ungeniert eingängig und melodiös: Sister Moon. Foto: zvg / Marianne Wenger

Draussen herbstelt es, dochim gut gefüllten Saal des Bären Münchenbuchsee machen sich Frühlingsgefühle bemerkbar. Nicht nur wegen des Songs «Just Like Spring», den die Band auf der Bühne gerade ankündigt. Auch sonst sieht man im eher mittelalterlichen Publikum viele entspannte, strahlende Gesichter. Mit Sister Moon stellt sich ja auch ein noch junges, frisches Sextett vor, das positiven, femininen Pop ganz ohne Berner Grüblereien im Repertoire hat. Pop, der ungeniert eingängig ist, etwas altmodisch auch mit seinen melodiösen Refrains.

«Liberation» heisst das Debütalbum, das an diesem Abend getauft wird. Es bringt dezente Songs mit jazziger Schlagseite, relaxed in der Tradition der Westcoast-Songwriterkunst, mit einem Schuss Soul und etwas Reggae angereichert. Live werden die jazzigen Akzente durch Gastsaxofonistin Katrin Marti verstärkt, zwischendurch gibt es einen Abstecher in die Disco. Dass die Musikerinnen von Sister Moon erst vor einem Jahr zum ersten Mal gemeinsam auftraten, hört man nicht. Im Gegenteil: Es ist das Kollektiv, das hier überzeugt, auch wenn sechs eigenständige Persönlichkeiten auf der Bühne stehen.

«Liberation», so heisst das Debütalbum. Und so heisst auch die erste Singleauskopplung. Quelle: Youtube/Sister Moon

Eigentlich war Sister Moon einst das Soloprojekt der Keyboarderin und Songwriterin Judith Coleman, doch nun zieht sie im Hintergrund als «musikalische Direktorin» die Fäden. Schlagzeugerin Corinne Windler hält die Band mit ihren präzisen Laidback-Beats zusammen. Wenn sie spielt, wird das Schlagzeug zum Melodieinstrument. Auf Stromgitarren verzichten Sister Moon gänzlich – wenn man vom E-Bass von Jost Aregger, dem einzigen Mann in der Band, einmal absieht – und unterstreichen damit ihre weibliche Seite:Mit den Keyboards von Judith Coleman und Regula Arm entstehen ganz andere Klangbilder als in einer typischen Giele-Gitarrenband.

«Es entstehen ganz andere Klangbilder als in einer Giele-Gitarrenband.»

Die beiden Sängerinnen Yasmina Bouazdia und Myria Poffet strahlen Lockerheit und Selbstbewusstsein aus. Manchmal umschlingen sich ihre Stimmen eng, doch wenn Bouadzia mit ihrem eher rauen R’n’B-Timbre punktet, gibt sich Poffet ihren Songs vertrauensvoll hin und soult und scattet bei einem Abstecher ans Piano, als gäbe es nichts Einfacheres. Das Cover des «Liberation»-Albums ist im Violett des letztenFrauenstreiks gehalten. Passt. Sister Moon, das ist musikalische Frauenpower. Sanft, aber bestimmt.

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