«Seine Musik ist grösser»

Nun zeigt auch das Schweizer Fernsehen «Leaving Neverland».Wie reagiert Michael-Jackson-Fan Ueli Meier darauf?

Michael Jackson bei einem Auftritt 1988. SRF 2 zeigt «Leaving Neverland» am 6. April. Foto: Getty

Michael Jackson bei einem Auftritt 1988. SRF 2 zeigt «Leaving Neverland» am 6. April. Foto: Getty

Das Denkmal Michael Jackson wankt – seit in der US-Doku «Leaving Neverland» neue Pädophilie-Vorwürfe gegen den King of Pop geäussert wurden. Doch wie reagieren die Fans? Ein Telefongespräch mit dem 34-jährigen Ueli Meier, der die Schweizer Fansite Jackson.ch betreibt.

Ueli Meier, was halten Sie von«Leaving Neverland»?
Die Diskussion nervt. Mir geht es eigentlich um die Kunst von Michael Jackson – und nicht um die Diskussion um ihn als Menschen, die wir nun einmal mehr führen müssen. Zumal ich den Film als verleumderisch empfinde.

Wieso?
Die beiden mutmasslichen Opfer – Wade Robson und James Safechuck –, die in «Leaving Neverland» auftreten, sind alles andere als glaubwürdig. Diverse Personen aus Jacksons damaligen Umfeld widersprechen ihren Darstellungen. Noch im Jahr 2011 hatte sich Robson erfolglos um eine Rolle als Choreograf für eine MJ-Show von Cirque du Soleil beworben. Erst als die beiden in Geldsorgen steckten, erinnerten sie sich an die angeblichen Übergriffe und verklagten den Nachlass auf Hunderte Millionen. Die Klagen wurden Ende 2017 ein zweites Mal abgewiesen. Ihre gemeinsamen Anwälte kündigten Berufung an.


Offizieller Trailer zum Film «Leaving Neverland» von HBO. Video: Youtube/HBO


Robson war aber auch Entlastungszeuge im Prozess 2005 gegen Michael Jackson, in dem der King of Pop freigesprochen wurde.
Ich fühle mich überhaupt in diese Zeit des damaligen Prozesses zurückgeworfen. Auch damals waren die Vorverurteilungen von Jackson durch die Boulevardmedien bereits gemacht – doch über seinen Freispruch in allen Anklagepunkten wurde nur im Kleinen berichtet.

Was macht Sie denn so gewiss, dass Jackson unschuldig ist?
Sicher bin ich nicht. Fakt ist aber, dass ihm weder die Polizei noch das FBI je etwas nachweisen konnten. Seit 1993 wurde gegen ihn ermittelt. Wenn die Behauptungen in «Leaving Neverland» stimmen, müsste es viele weitere Opfer geben, die geschwiegen haben. Sie hätten ihn doch damals endlich ins Gefängnis stecken können.

«Es steckt ja so viel in dieser Musik – der Soul und das ­soziale Engagement.»

Haben Sie sich aber schon mal gefragt, ob die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Jackson doch wahr sein könnten?
Ich habe mich mit dieser Frage vor allem während des Prozesses 2005 auseinandergesetzt. Doch selbst wenn er damals verurteilt worden wäre, würde ich seine Musik noch immer lieben. Man muss die Musik vom Menschen trennen können.

Gelingt Ihnen diese strikte Trennung denn?
Ja. Seine Musik ist für mich viel grösser als der Mensch Michael Jackson, der sicherlich seine Schattenseiten hatte. Seine Songs sind der Soundtrack meines Lebens und haben mich mit vielen Leuten verbunden, die ich ohne Jackson nie kennengelernt hätte.

Seit wann besteht Ihre Faszination für Jackson?
Das begann 1995 mit seiner Performance des «Earth Song» in «Wetten dass . . . ?». Seine Bewegungen und sein Gesang haben mich in den Bann gezogen. Es steckt ja so viel in dieser Musik – der Soul und die Message, das soziale Engagement.

Aber können Sie verstehen, dass es einigen Leuten unwohl werden kann, wenn sie heute einen Jackson-Song im Radio hören?
Ja, denn die Vorverurteilung von Michael Jackson durch «Leaving Neverland» und die Berichterstattung in den Medien war für die Laien, die nicht über alle Fakten verfügen, wohl zu stark. Aber sie müssen seine Musik ja auch nicht hören, das ist ihr Pech.

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