Trauffer, jetzt habe ich ein Problem

Die Kinder unserer Autorin lieben die Musik von Trauffer. Er ist für sie ein Held. Bisher hat die Autorin das akzeptiert. Doch seit letzter Woche ist alles anders.

Marina Bolzli@Zimlisberg

Meine Kinder lieben «Müeh mit de Chüeh» von Trauffer. Der Sohn, dreijährig, bringt noch wenig ganze Sätze heraus, aber «Müeh-chüeh», das kann er schon lange. Trauffer ist für ihn ein Held. ­Veranstalten wir ein Familienwunschkonzert, fordert er Trauffer. Wir schauen dem selbst ernannten Alpentainer im Video dabei zu, wie er als Schauspieler im Volkstheater die «schöni Isabelle» trotz der Kühe für sich erobert.

Ich verstehe die Faszination ­meiner Kinder für Trauffer, auch wenn ich sie nicht teile. Trauffers Musik ist eingängig und lüpfig, die Texte lustig und zumeist harmlos. Die Videos, professionell produziert, spielen mit ländlichen Klischees. Es kommen süsse Tiere, hübsche Mädchen, Trachten und Berge vor. Damit habe ich kein Problem. Wir leben auf dem Land, als Kind machte ich selber Trachtentänze, und mit Musigwälle 531 bin ich auf­gewachsen.

Doch jetzt habe ich ein Problem. Es ist das neuste Lied von Trauffer, «Geissepeter». Es lässt mir die Haare zu Berge stehen. Im Lied – und im dazugehörigen Video – stellt Heidi dem Geissenpeter nach, «sie schüttlet ihri Zöpfli und lüpft ihres Röckli . . . u macht ds Chnöpfli vo dr Bluse uf». Geissenpeter aber lassen die Annäherungsversuche kalt, die geschenkte Torte wirft er «z Tobu ab i Chrache» und auch das Zvieri, das sie ihm bringt, will er nicht.

Im Video spielt Trauffer den Geissenpeter. Drehbuch und Idee stammen von ihm, Regie hat er auch geführt. So wie in jedem seiner Videos. Er ist immer Held und Regisseur in einem. Und die Frauen liegen ihm zu Füssen. So muss es auch seine Idee gewesen sein, dass der Viehwagen in ­eindeutigem Takt zu wackeln beginnt. Für eine schnelle Nummer ist Heidi gut genug.

Man kann das lustig finden. Als Frau und Mutter tue ich das nicht. Und auch andere haben ihr Missfallen geäussert. So etwa Gisela Feuz im Kulturblog der Zeitung «Bund». Und Teleclub-Moderatorin Gülsha Adilji. Sie fand vor Wochenfrist klare Worte: «Was du da machst, ist sexistische Kackscheisse», sagte sie in ihrer Sendung «Zoom Kaboom» an Trauffer gerichtet. Klar, das war eine Provokation. Die Reaktion liess nicht auf sich warten: «Unsere Musik zaubert den Leuten ein Lächeln ins Gesicht und dient lediglich der Unterhaltung», sagte Trauffer gegenüber dem Ostschweizer Newsportal FM 1 Today. Wem die Musik nicht passe, der solle sie sich nicht anhören.

So einfach ist das nicht. Trauffers Musik läuft am Radio und im Supermarkt. Mein Sohn tanzt mit. Doch von Dreijährigen an­gehimmelt zu werden, bedeutet auch Verantwortung. Es muss ja nicht gleich eine Gleichstellungskampagne sein. Aber Trauffer könnte sich der Diskussion wenigstens stellen, anstatt sie wegzulachen.

Seit dieser Woche gibt es in unserer Familie ein Trauffer-Verbot. Ich will nicht, dass meinen Kindern «ein Lächeln ins Gesicht gezaubert» wird, wenn Geissenpeter sich chauvinistisch aufführt. Ich will nicht, dass meine Kinder von einem stumpfsinnigen Heidi «unterhalten» werden, das über sexuelle oder kulinarische Reize einen Mann zu verführen versucht. Das Verbot hat zu Tränen geführt. Aber da müssen wir jetzt durch.

Der Song des Anstosses: Trauffers neue Single «Geissepeter». Quelle: Youtube

Berner Oberländer

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