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Umarmt euch!

Florence + The Machine spielten im Zürcher Hallenstadion ein Konzert, das die grossen Emotionen betonte – bis zur Erschöpfung.

Florence Welch auf der aktuellen Tour. Foto: Getty Images
Florence Welch auf der aktuellen Tour. Foto: Getty Images

Es zählt mittlerweile zu den Ritualen bei Arena-Konzerten, dass der Star des Abends in einem besonders feierlichen Moment das Publikum bittet, doch bitte mal das Smartphone wegzulegen, damit man diesen Abend gemeinsam teilen kann. Und zwar nicht auf Instagram oder einem anderen Social-Media-Netzwerk, sondern im Hier und Jetzt. Florence Welch hat im Zürcher Hallenstadion am Montagabend dieses Ritual nach 45-Konzertminuten in ihre Show eingebaut – gemeinerweise in ihrem bislang grössten Hit «Dog Days Are Over», mit dem sie vor zehn Jahren populär wurde. «You are free!», ruft die 32-Jährige dann, ehe die Halle an diesem Abend ihre ausgelassensten Augenblicke erlebt.

Es geht ihr und in ihrer Musik, die sie als Florence + The Machine singt, ja auch um das Hochhalten des Echten, das selbst die Elemente ihrer Holzbühne ausstrahlen. Auf dieser steht neben der barfüssigen Welch ihre achtköpfige Band, die neben dem herkömmlichen Rockinstrumentarium Geige und Harfe und Piano bedient. Was dann so aussieht, als stammen die Musiker aus einem vorvergangenen, klassischen Popzeitalter.

Welch lädt bereits beim dritten Song dazu ein, mit ihr zu tanzen und zu wirbeln. Denn dies sei eine sehr aktive Show, «also steht auf!» Wie sie das sagt, in ihrem cremefarbenen Kleid, wirkt Florence Welch nicht wie jene Sängerin, die mit ihrer Stimme selbst die bombastischsten Arrangements ihrer Band bestimmt, sondern eher wie eine scheue Folkmusikerin aus einer Kellerkneipe.

Aber etwas Designerhaftes dringt in ihrer Musik, in der sie die märchenhafte Folktradition mit Überwältigungspop kurzschliesst, doch immer wieder durch. Vielleicht auch, weil bei aller Makellosigkeit und scheinbaren Bescheidenheit vieles erschöpfend ist an dieser Show, die von den Songs ihres aktuellen Albums «High As Hope» bestimmt ist. Die Message, sie ist an diesem Abend schnell klar. Etwa dann, wenn Florence Welch in ihrem Heimatlied «South London Forever» ihre Herkunft betont, und aber gleich anfügt, dass sie nicht nur Londoner, sondern auch Europäer sind, und Europäer bleiben werden. Sie widmet «Patricia» ihrer Heldin Patti Smith, und redet gegen die toxische Männlichkeit an, die in diesem Raum kaum zu finden sei. Denn wer Florence + The Machine supporte, der glaube und unterstütze Frauen. Und sie fordert das Publikum auf, sich die Hände zu geben, sich zu umarmen. Bei allem schönen Zusammensein und allen Umarmungen, die Florence Welch beim Lauf durch die Halle mit ihren Fans austauscht: Leuchtende Smartphones haben in ihrer Show schon auch Platz, denn so ein Lichtermeer sieht eben schon sehr gut aus.

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