Vielseitiger Vivaldi

Die französische Barockgeigerin Amandine Beyer leitet diese Woche zwei Konzerte der Camerata Bern mit Vokal- und Instrumentalwerken von Antonio Vivaldi.

Amandine Beyer: Die französische Stargeigerin spielt in Bern.

Amandine Beyer: Die französische Stargeigerin spielt in Bern.

(Bild: zvg)

«Wie die Zeit vergeht» sei ein wunderschönes Buch von Stockhausen, sagt Amandine Beyer. Karlheinz Stockhausen? Tatsächlich hat die Barockviolinistin ausgerechnet über das Enfant terrible der musikalischen Moderne promoviert. Noch heute ist der 43-Jährigen die neue Musik wichtig. Demnächst wird sie ein Album mit Werken des belgischen Komponisten Jeroen D’hoe einspielen. «Es ist wichtig, dass man sich mit verschiedenen Musikstilen ausdrücken lernt», sagt die Französin.

Raffinierte Musik

Weltweite Beachtung geniesst Amandine Beyer aber in erster Linie als Barockgeigerin und ­Leiterin von Barockensembles. Als sie vor 22 Jahren zu studieren begann, ging für sei ein Traum in Erfüllung. «All die Impulse, die ich erhalten habe, die Neuent­deckungen und der ganze Enthusiasmus, der mit dem Spiel von Barockmusik verbunden ist, das war für mich wie ein Erdbeben.»

Das damals entfachte Feuer hält bis heute an. Neben ihrer Tätigkeit als Lehrerin gibt Beyer weltweit Konzerte. Sie hat auch mehrere Alben eingespielt und dafür internationale Preise erhalten. Zuletzt einen Diapason d’or für «BWV... or not?», eine CD mit barocken Raritäten, die sie zusammen mit ihrem eigenen Barockensemble Gli Incogniti eingespielt hat.

Der Name des Ensembles geht auf einen Literaturzirkel im barocken Venedig zurück. Die Teilnehmenden trugen Masken, wenn sie sich trafen. So konnte jeder und jede unabhängig von Stand und Herkunft teilnehmen. «Ein freies und offenes Konzept», sagt sie, «ähnlich wie Barockmusik, die raffiniert gemacht ist, aber viele Interpretationsfreiheiten zulässt und für alle zugänglich ist.»

Spielfreude in Bern

Die Offenheit, die sie an der Barockmusik so schätzt, findet sie auch bei der Camerata Bern. Seit 2013 kennen sich Beyer und das Berner Traditionsensemble, also seit die Camerata Bern Barockmusik auf historischen Instrumenten spielt. Was sie an der Zusammenarbeit besonders schätze? «Jedes Mal spüre ich bei ihnen grosse Lust, Neues auszuprobieren.»

Auch im jüngsten Projekt mit Vokal- und Instrumental­musik von Antonio Vivaldi geht es darum, herauszufinden, «was der Komponist wirklich sagen wollte». Das Programm beleuchtet passend zum Tag von Mariä Empfängnis am 8. Dezember ver­schiedene Facetten der Mutter ­Jesu.

Die Instrumentalwerke stehen für die frohgemute Seite der biblischen Gestalt. Die Vokal­werke sind eindringlicher. «Die Gesangsstimme wird manchmal wie ein weiteres Instrument geführt», sagt Beyer. «Das macht die Sakralmusik Vivaldis so einzigartig.»

Konzert:«Salve!», Mi, 6. 12., und Do, 7. 12., 19.30 Uhr, Konservatorium Bern.

Berner Zeitung

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