«Viva Mix!» am Montreux Jazz Festival

Der italienische ESC-Überflieger Mahmood sang in Montreux. Warum das gut passte.

Gewinnendes Konzert: Mahmood in Montreux. Foto: Emilien Itim (MJF 2019)

Gewinnendes Konzert: Mahmood in Montreux. Foto: Emilien Itim (MJF 2019)

Wie spricht man eigentlich in Montreux? Italienisch? Eher nicht. Englisch? Geht immer. Französisch? Kann er trotz seinem Studium nicht so gut, sagt Mahmood, «sorry guys». Was kein Problem ist, weil hier ja kaum jemand Einheimischer ist. Vielmehr ist immer noch die Welt zu Gast am Montreux Jazz Festival, auch wenn die Deutschschweiz viel weiter weg zu liegen scheint als noch in der Vergangenheit. «Everything is a mix», sagt Mahmood am Montagabend dann, «viva Mix!»

Salvini ärgert sich

Das trifft ja auch auf den 26-jährigen Italiener zu, der es dieses Jahr beim Eurovision Song Contest bis auf den zweiten Rang geschafft hat. Sein abwesender Vater ist Ägypter, sein Song «Soldi», der längst auch in ESC-fernen Kreisen angekommen ist, hat eine arabische Zeile drin – zum Ärger des italienischen Innenministers Matteo Salvini, der es natürlich weit lieber gesehen hätte, wenn ein waschechter Italiener in Tel Aviv aufgetreten wäre.

Die Popsongs, die Mahmood gibt, sind jedenfalls auch nicht für jene gemacht, die sich fortwährend fragen, was denn das Festival noch mit Jazz zu tun hat. Aber sie sind für jene da, die aktuellen Welt-Radiopop ohne allzu offensichtliche Anbiederungen an die Durchhörbarkeit schätzen. Das gilt zumindest für Mahmoods beste Songs ab seinem Debüt «Gioventù Bruciata» – wie die Neunzigerjahre-Erinnerung «Anni 90» oder das minimale und sehr reizvolle «Remo». Und dann hat er ja noch «Soldi», jenen Song, der so elegant wie eingängig das liebe Geld thematisiert – und der ihm, so sagt er es bei seinem Auftritt, so viel Glück gebracht hat.

Mahmoods gewinnendes Konzert war auch für jene da, die von diesem Festival mehr – oder auch weniger – erwarten als bloss die sich verabschiedenden Altstars, von denen es gerade an der diesjährigen Ausgabe so viele gibt. Angesichts des ausverkauften Montreux Jazz Lab, was vor allem auf die anschliessende Pop-Show der London-Kosovarin Rita Ora zurückzuführen ist, gab dieser Abend den Veranstaltern recht. Es ist halt alles eine Frage der Mischung.

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