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«Wir wollten echte Musiker sein»

Nach 15 Jahren gibt die Berner Oberländer Band Scream ihre zwei letzten Konzerte. Sänger Christian Häni (28) blickt auf eine aufregende Zeit zurück.

«Bis jetzt haben wir darüber gescherzt und gesagt: ‹Wenn das Publikum nicht mag, was wir spielen, muss es uns in Zukunft nicht mehr hören.› Jetzt gilt es ernst – die zwei letzten Auftritte stehen an. Konzerte waren für mich schon immer der schönste Teil meiner Arbeit. Ich gebe in diesen Momenten viel von mir preis. Das ist anders als bei Interviews. Dort spricht jemand mit mir, hat dann ein Bild, das er transportiert, und wer mit diesem konfrontiert wird, hat nochmals eine andere Vorstellung von mir. Die Menschen denken, dich zu kennen, aber das stimmt nicht. Nur an Konzerten bin ich authentisch. Ich meine, war ich.

Wir hören auf, weil wir nach dem fünften Album an dem Punkt angelangt sind, an dem wir immer sein wollten. Nach dem ersten Album wussten wir, in welche Richtung wir uns stilistisch entwickeln wollten. Dann brauchten wir vier Alben, um eigenständiger zu werden.

Unseren Hit ‹Aquarium› schrieb ich mit 18 Jahren. Er passte zu meiner damaligen Lebenssituation, ich war früh von zu Hause weggezogen. Wenn ich den Song heute singe, erinnere ich mich daran, wie ich in meiner Wohnung sass und ihn schrieb. Ich finde es nicht schlimm, dass wir oft auf dieses Lied reduziert werden. Wir können uns immerhin sagen: ‹Hey, wir hatten wenigstens einen Hit.› Dass es so kam, hat viel mit der Marketingmaschine zu tun. Wir waren damals vier naive Jungs aus der 700-Seelen-Gemeinde Lauterbrunnen, fuhren nach Zürich und hatten plötzlich den Plattenvertrag in der Tasche. Das war schräg. Wir waren überall zu Gast: TV, Zeitschriften, das ganze Programm. Doch nach dem ersten Album hatten wir genug. Wir wollten echte Musiker sein und nicht solche, die ihre Köpfe am liebsten in Hochglanzheftli sehen.

Wir sind immer noch Freunde, ja, wir waren immer in erster Linie Freunde. Ich hoffe, das wird auch weiterhin so sein. Obwohl wir uns nun über die ganze Welt verteilen werden. Bassist Mark Nolan lebt in London, Gitarrist Christof Leicht will eine Australien-Reise machen, und auch Schlagzeuger Simon von Allmen will weg. Nur ich bleibe hier. Ich gehe Ski fahren, dafür habe ich nun endlich Zeit. Nicht mehr nur arbeiten, essen, schlafen und Musik machen, darauf freue ich mich. Sonst fuhren im Sommer immer alle anderen in die Ferien, lachten und sagten: ‹Ja, der Häni verzieht sich jetzt in sein Kämmerchen, und wenn wir zurückkommen, hat er hoffentlich etwas Brauchbares produziert.

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