Berner Schauspieler begeistert die Zürcher

Thomas Ursula Hostettler spielt schon die zweite Saison bei der dauerausverkauften «Karl’s kühne Gassenschau» in Winterthur mit. Bernerzeitung.ch hat den Schauspieler getroffen.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Intercity Winterhur – Bern, kurz nach Mitternacht: Thomas Ursula Hostettler sitzt da, einen Prosecco in der Hand, denn seit einigen Minuten hat er Geburtstag. Während die meisten Passagiere schlafen, ist der 43-Jährige noch quietschfidel. «Wenn ich nach Hause komme, brauche ich Zeit, um herunterzufahren», erklärt der Berner. Er spielt seit Juni im Stück «Fabrikk» von Karl’s kühne Gassenschau mit.

Das Spektaktel war bisher jeden Abend ausverkauft. 1400 Zuschauer verfolgen während zwei Stunden das Treiben auf der Bühne. Es ist bereits das zweite Jahr, dass «Fabrikk» aufgeführt wird, doch auch 2011 waren 90 Ausgaben komplett ausverkauft. Das Schauspiel wird im Industriepark in Winterthur aufgeführt und verlangt von Hostettler, auch «Hoschi» genannt, einiges ab. Manchmal schläft er vor Ort im Wohnwagen, öfters aber zieht es den frisch gebackenen Vater nach Bern zu seiner jungen Familie.

Chinese und Frauenheld

Was vor 28 Jahren als Strassentheater anfing, ist heute ein Millionenprojekt. «Damals habe ich Karl’s kühne Gassenschau auf der Münsterplattform in Bern als Zuschauer gesehen», erinnert sich Hoschi. So war es natürlich eine grosse Sache, als er vom Manager eine Einladung zum Casting bekam.

Für die diesjährige Ausgabe hat die 10-köpfige Crew die Rollen noch einmal verfeinert. Hostettler tritt in einer Doppelrolle auf: Einerseits spielt er den miesepetrigen Aschi, einen fluchenden Arbeiter in einer Schokoladenfabrik, Frauenheld und Tyrann. Andererseits mimt er auch Ai Li, einen chinesischen Dolmetscher.

Millionenprojekt mit vierstöckiger Kulisse

Beide Rollen helfen ihm, seinen Bewegungsdrang zu stillen, sei es mit Kung-Fu oder hektischen Verfolgungsrennen quer über die Bühne. «Vor einigen Wochen habe ich mir bei einem Auftritt den Fuss verdreht», schildert er. Solche Sachen erleben Schauspieler sonst nur in den Alpträumen vor der ersten Aufführung. «Wir haben einfach meine Rollen etwas beruhigt, was dem ganzen Schauspiel gut getan hat», meint der Berner.

Wer das Spektakel gesehen hat, wünscht sich nur noch solche Theater. Die Schauspieler spielen auf einer vierstöckigen Kulisse und ein Kran lässt nicht nur die Band an den Zuschaueraugen vorbei fliegen. Zu viel verraten darf man nicht, nur soviel: Gigantische Schmetterlinge sind alles andere als gefährlich. Manchmal scheinen zwei Monde vom Himmel herab. Nicht alles, was chinesisch aussieht, ist chinesisch. Kapitalismus und Schokolade passen zusammen. Zwei kurzweilige Stunden sind mit «Fabrikk» garantiert.

Berner Zeitung

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