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Bonsai-Operette

Von der Beinaheoper zur Kammeroperette: «Der ­Zigeunerbaron» von Johann Strauss verfügt über Herzblut und eine gelungene Donald-Trump-Kopie. Trotzdem kommt das Werk im ausverkauften Theater am Käfigturm nicht auf Touren.

Ein Strauss an Melodien, der nicht zum Erblühen kommt: Dem «Zigeunerbaron» im Theater am Käfigturm fehlt nicht nur die Würze.
Ein Strauss an Melodien, der nicht zum Erblühen kommt: Dem «Zigeunerbaron» im Theater am Käfigturm fehlt nicht nur die Würze.
zvg

Bei der Uraufführung 1885 am Theater an der Wien gab das Werk von Johann Strauss (Sohn) Anlass zu Gerede. Nach Erfolgen mit die «Die Fledermaus» oder «Eine Nacht in Venedig» dürstete es den Operettenkönig nach mehr Anerkennung. Sein «Zigeunerbaron» war darum als Oper angelegt.Auch in Bern war das Gemurmel im Vorfeld laut genug.

Eine Operette im Käfigturm? Halbszenisch und mit stark reduziertem Orchester? Kann das gut gehen? Die ersten Takte bei der Ouvertüre lassen Ungutes erahnen. Das Bonsai-Orchester, bestehend aus acht Musikern inklusive Dirigent, entzieht dem bunten Strauss an Melodien bereits am Anfang den Saft. Hier stimmen weder Takt noch Spiel. Die Geige quietscht, die Klarinette kommt zu spät. Überraschung dann bei den Solisten. Ein sattes Mezzotimbre bei Astrid-Frédérique Pfarrer als Zigeunerin Czipra, klare Töne von Manuel König als Sandor Barinkay.

Bei den meisten der Protagonisten, und es sind deren nahezu zehn im Dreiakter, tritt jedoch oft eine Indisponiertheit oder ein unheilvolles Vibrato in den hohen Tonlagen zutage. Dasselbe gilt für den Chor. Die Linienführung wird brüchig, der Schmelz schmilzt dahin. Roger Bucher als Schweinefürst Kalman Zsupan hebt sich wohltuend ab. Der Bariton überzeugt mit sotto voce und lebhaftem Spiel.

Für Lacher sorgt Trump

Es braucht Mut und Engagement, eine abendfüllende Operette auf die Bühne zu stellen. Das wissen auch Paul Moser, der die musikalische Leitung innehat und für die Bearbeitung zuständig ist, sowie Philipp Mamie, der für Regie und Konzept verantwortlich zeichnet. Dass es ausgerechnet ein Opus sein muss, das mit anspruchsvollen Couplets, Duetten, Terzetten und Ensembles Höchstleistungen abverlangt, dem an sich nur Profis Paroli bieten, verwundert. Pfiffig ist immerhin die Idee, Rolf Ryser in der Rolle des Conte Carnero als Conférencier auftreten zu lassen, der das dichte Libretto von Ignaz Schnitzer von Zeit zu Zeit etwas aufdröselt.

Es braucht Mut und Engagement, eine abendfüllende Operette auf die Bühne zu stellen.

Denn die Geschichte um eine Liebe zweier Paare in den Wirren des Österreichischen Erbfolgekriegs in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, vertriebene Adlige und dreiste Zigeuner setzt sich nicht auf Anhieb in den Hirnwindungen fest. Gelungen ist der Auftritt von Roman Keller als Graf Homonay. Der Berner Bariton betritt die Bühne als Donald Trump im goldenen Blazer und hat die Lacher auf seiner Seite.

Ewiges Rampensingen

Nach der Pause kommt auch die Personenführung allmählich auf Touren, die im ersten Teil der Operette eine gefühlte Ewigkeit auf das Rampensingen vertraute. Das Orchester bleibt jedoch während der ganzen zwei Stunden unpräzis, streckenweise gar dilettantisch. Eine echte Zigeuner­kapelle hätte dieser Produktion bestimmt die nötige Paprikawürze gegeben, und das mit noch ­weniger Musikern. «Ein Falter schwirrt ums Licht», heisst es im ersten Akt. Er hat sich im Käfig verirrt, zusammen mit einem Strauss, der nicht zum Blühen kommt.

Weitere Vorstellungen:heute und 20. 1., 19.30 Uhr, sowie 22. 1., 17 Uhr, Theater am Käfigturm.

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