Die Kalendergirls von Münsingen

Im Casino des Psychiatriezentrums wird wieder Theater gespielt. Sechs Frauen wollen dem Spital Thun ein Sofa schenken und greifen dabei zu ungewöhn­lichen Mitteln. Hüllen fallen, zumindest für den Fotografen.

<b>Frauen auf der Bühne</b> im Casino des Psychiatriezentrums.

Frauen auf der Bühne im Casino des Psychiatriezentrums.

(Bild: Anne Steudler (PD))

Wenn es um Geschichte und Gegenwart des Geschirrtuchs geht oder auch um den Einsatz von Broccoli in der Küche, dann werden die Gesichter auf der Bühne im Casino des Psychiatriezentrums Münsingen (PZM) immer länger.

Sechs Frauen hören hier auf Einladung der Frauenvereinspräsidentin einer langweiligen und überheblichen Referentin zu. Doch eigentlich sind sie aus einem ganz anderen Grund hier: Sie wollen ein fröhliches Zusammensein pflegen und sich gegenseitig auch in schwierigen Stunden unterstützen.

Das Schicksal schlägt schnell zu. Annas Mann Hans, gespielt von Guido Ziltener, ist unheilbar an Krebs erkrankt und stirbt. Er, der immer ein frohes Lachen verschenkte und verrückte Ideen hatte, hinterlässt bei den Frauen, gespielt von Christina Ferrante, Maria Steiner, Sandra Daffé, Verena Rindlisbacher, Regina Stalder und Katharina Ouijat, eine grosse Lücke.

Doch seine Ideen hallen nach, und bald reift beim Sextett ein Projekt: Sie wollen dem Spital Thun ein bequemeres Sofa schenken. Doch statt einer Tombola soll ein Kalender mit Aktfotos Geld in die Kasse spülen.

Bekannte Filmkomödie

Was seit Mittwoch und noch bis zum 5. Mai im Casinosaal auf­geführt wird, ist eine Mundartfassung von «Calendar Girls». 2003 verzeichnete die Komödie aus der Feder von Tim Firth als Film grosse Erfolge und wurde im Anschluss an bekannten Theaterbühnen in Berlin und Hamburg gespielt.

Regisseurin Brigitta Weber hat das Stück für das Berner Sommertheater auf Mundart übersetzt und ihm einen regionalen Stempel aufgedrückt. Der Frauenverein könnte durchaus in jedem der benachbarten Dörfer beheimatet sein. Auch die Idee, einen Kalender mit Sex-Appeal zu produzieren, ist nicht neu.

Wie die sechs Frauen in reiferem Alter beteuern, wollen sie Hans und den Krebskranken zuliebe einen Akt-, aber nicht einen Nacktkalender produzieren. Gestrickt, gebacken und gesungen soll auch werden, aber eben ohne BH, mit dem Strickzeug oder dem Backblech vor den Intimstellen. Als sich die Vereinspräsidentin querstellt, lassen sie sich den ­«alternativen Frauenvereinskalender» vom Dachverband bewilligen.

Erfrischender Humor

Mit der zunehmenden Dynamik im Laufe der Aufführung wächst auch die Überzeugungskraft der Laiendarsteller. An der Premiere wird schnell klar, dass zwischen den Darstellerinnen kein Konkurrenzkampf besteht. Nur so ist es möglich, das Zusammengehörigkeitsgefühl der Figuren derart überzeugend darzustellen.

Das bestätigt auch Regisseurin Weber. Als Vorbereitung sei die Gruppe in Klausur gegangen und habe Frauensolidarität zelebriert. Dabei entstanden auch die fröhlichen Aktfotos, die an die Wand projiziert werden.

In den Hintergrund geraten sind die Männer trotzdem nicht. Mit Christian Lopez, Guido Ziltener und Adrian Fahrni treten versierte und überzeugende Laienschauspieler auf. Abgerundet wird die Produktion mit den Auftritten von Vreni Niederhauser als Referentin und Anna Röthlisberger als Vereinspräsidentin.

Es sind die humorvollen Dialoge, welche den Theaterbesuch im PZM-Casino zu einem erfrischenden, heiteren Abend werden lassen.

www.bernersommertheater.ch

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