Gut mit dem Film verbunden

Worb

«Klassezämekunft» war als Film ein Kassenhit. Nun zeigen Regisseur Rolf Schoch, Schauspielerin Silvia Jost und ein Laienensemble in Worb eine Bühnenfassung.

Tödlicher Charme. Silvia Jost als Senta von Meissen in Worb. Sie lädt zum Festessen ein und serviert ihre Gegner ab.

Tödlicher Charme. Silvia Jost als Senta von Meissen in Worb. Sie lädt zum Festessen ein und serviert ihre Gegner ab.

(Bild: Dany Rhyner)

Peter Steiger

Sie beginnt zu bedächtig,?kommt dann aber in Schwung. Wirklich, eine verblüffend gute Bühnenidee: Statt ein altes Filmdokument aus den Dreissigerjahren auf der Leinwand zu zeigen, spielen die Darsteller der Theaterfassung die Szene stumm nach. Ein Ausschnitt aus einer Matura-Reise ist auf dieser Sequenz zu sehen: Die Gymeler verbünden sich gegen einen unbeliebten Mitschüler. Der Gemobbte stirbt. Wer oder was ihn ins Verderben stürzte, sei nicht verraten. Dem Publikum vor einem Krimi den Schuldigen zu nennen, zerstört die Spannung.

Wer den 1989 erschienen Film «Klassezämekunft» von Walter Deuber und Peter Stierlin kennt, weiss allerdings Bescheid. Der Schweizer Streifen imponierte vor allem als Starparade: Annemarie Blanc hatte die Hauptrolle, Ursula Andress, Stefanie Glaser, Ruedi Walter, Matthias Gnädinger und andere Schweizer Prominente waren dabei. Nun zeigen Regisseur Rolf Schoch und ein rund dreissigköpfiges Ensemble «Klassezämekunft» als insgesamt gelungene Bühnenbearbeitung in Mundart auf dem Worber Bärenplatz.

Acht kleine Negerlein Senta von Meissen hat ihre früheren Klassenkameraden eingeladen, 50 Jahre nachdem diese einen Gymi-Kollegen in den Tod getrieben haben. Senta hat den Verstorbenen geliebt und will die Schuldigen nun endlich bestrafen. Sie wählt ein bei Krimi-Autoren beliebtes Schema aus: Die am Verbrechen beteiligten müssen sterben, einer nach dem anderen. Die «zehn kleinen Negerlein» lassen grüssen.

Im zwanzigjährigen Film und bei der aktuellen Theaterfassung lässt Senta von Meissen statt zehn bloss acht Menschen sterben. Regisseur Rolf Schoch hat in Worb die Hauptrolle der unerbittlichen Rächerin mit der Profischauspielerin Silvia Jost besetzt und für die übrigen Chargen Laiendarsteller gewählt. Amateure und ausgebildete Bühnenkünstler zu mischen ist heikel. Oft stehen die Profis den Laien vor dem Licht. Das ist in Worb nicht in Fall. Im Gegenteil. Hier hätte man sich gewünscht, dass Jost mit ihrer Bühnenpräsenz mehr Zeit und Raum beanspruchen könnte. Die «Klassezämekunft» startet mit einem zu langfädigen Einstieg. Regisseur Schoch erklärt in seiner Inszenierung die Situation gar betulich und fordert vom Publikum viel Geduld. Schleppend wirkt sich auch aus, dass er Senta von Meissens Taten durch Spielzüge in einem grossen Gartenschach symbolisiert.

Autos und Töffs röhren

Wenn dann endlich klar ist, dass alle zum Kreis der Schuldigen gehören, kommt Schwung ins Todeskarrussel und in die Produktion. Mit zum Teil grossem technischem Einsatz lässt?Schoch Bösewicht um Bösewicht schön sterben. Dabei nutzt er die Möglichkeiten des Freilichttheaters und lässt Autos kurven und Töffs röhren. Das Bühnenbild von Dany Rhyner untestützt die freiluftgerechte Produktion. Die aufwändigen Bauten ermöglichen, dass das Ensemble?grosse Teile des Worber Bärenplatzes bespielen kann.

Ohne Ursi national

Das Worber Theaterteam hat Ursula Andress eingeladen. Die Promi-Darstellerin sollte den Bogen schlagen zum 20-jährigen Film, in dem sie eine der Täterinnen gespielt hatte. Sie kam nicht. Schade. Die Ehrenbürgerin von Ostermundigen hätte ihre damalige Rolle mit der Worber Theaterversion vergleichen können. Und sie hätte einen Abend erlebt, der insgesamt überzeugte.

Vorstellungen bis 26.?September. 031 838 07 00.

Berner Zeitung

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