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Lo & Leduc erklären als Häberli Oggier die Welt

Worte Gut gemeint, aber zu geschwätzig: Lo & Leduc traten in der Berner Mahogany Hall erstmals als Häberli Oggier mit abendfüllender Wortkunst auf.

Erzählen vom schwarzen Panther: Lorenz Häberli und Luc Oggier alias Häberli Oggier.
Erzählen vom schwarzen Panther: Lorenz Häberli und Luc Oggier alias Häberli Oggier.
Adrian Moser

Auch wenn sie zur Abwechslung mit den Nachnamen und nicht mit den Vornamen angekündigt worden waren – Häberli Oggier statt Lo & Leduc – die Erwartungen waren hoch, die Premiere seit Wochen ausverkauft. Schliesslich ist man sich von den beiden Überfliegern Hits gewohnt.

Nicht nur «079» und «Jung verdammt», auch ihr «Totemügerli 2.0» sorgte im Herbst 2017 im Internet für Furore. Hohe Wortkunst! Lorenz Häberli (32) und Luc Oggier (30) scheinen einfach alles zu können. Aber gelingt ihnen auch ein abend­füllendes Bühnenprogramm?

Gut möglich. Aber noch ist es nicht so weit. Erst müssen sie kürzer und präziser werden, weniger moralisch und weniger altklug auftreten. Das zeigte sich am Montag.

Die Wand flackert

«Wörter wie wir» heisst das Programm, es feierte in der altehrwürdigen Mahogany Hall in Bern mit vielen Pannen Premiere. Das Konzept geht so: Die beiden sitzen vorne mit Mikro an einem Tisch, mit dem Beamer projizieren sie Videos, Bilder und Wörter an die Leinwand neben sich.

Dazu reden, zitieren, reimen sie. Doch ebendiese Wand stiehlt den beiden in der ersten Hälfte die Show: Sie will oftmals nicht, flackert blau, zeigt kein Bild, unterbricht. Und das dauert! Häberli Oggier improvisieren gekonnt, aber zunehmend verzweifelt.

Der schwarze Panther

Dabei sollte es eigentlich um einen schwarzen Panther gehen, denjenigen schwarzen Panther, der im Frühsommer 2012 die halbe Schweiz in Atem hielt und schliesslich doch nur eine Ente war, eine mit vielen vermeintlichen Sichtungen belegte Zeitungsente. Alle berichteten, «Blick», «20 Minuten», «Solothurner Zeitung». Grossartig, wie Häberli Oggier dieser Geschichte nachgegangen sind, noch einmal ein Video von «20 Minuten» zeigen.

Dort gehen Journalisten mit dem Förster durch den Wald, wo das Tier erstmals gesichtet worden sein soll. Und dazu immer ihre Kommentare, auf den Punkt gebracht, Realsatire pur. Ein Timing haben sie, ein Zusammenspiel, ein Tempo auch, da vergeht einem Hören und Sehen. Wie sie die Konzepte des Bundes hochnehmen, die Kategorisierung in «unauffälliger Bär», «Problembär», «Risikobär», immer unterlegt mit witzigen Bildern, in diesem Fall die passenden Bären-T-Shirts.

Mit dieser Nacherzählung einer schon existierenden Geschichte demontieren sie die Logik, wie Medien, Behörden und schliesslich auch die Gesellschaft funktionieren. Denn was macht man, wenn zwar ein Bärenkonzept und ein Wolfskonzept, aber kein Pantherkonzept existiert? Und was macht man, wenn die Lokalreporterin offensichtlich suggestiv fragt: «Haben Sie jetzt Angst um Ihre Kinder?»

Globi und Kasperli

Häberli Oggier kommen gerade richtig gut in Schuss – und die weisse Wand macht nun auch, was sie soll –, da ist Pause. Obwohl man sich gut hätte vorstellen können, dass das Programm an diesem Punkt endet. Doch die beiden wollen mehr – und werden in der zweiten Hälfte didaktisch.

Erzählen dem wohlgesinnten Publikum, das aus auffällig vielen Frauen besteht, dass der Schweizer Pass viel mehr Freiheiten gibt als der eritreische, dass in ehemaligen Bunkern, «wohin man früher flüchten wollte, wenn der Krieg käme», nun Menschen leben, «die geflüchtet sind vor dem Krieg».

Klären über die Begrifflichkeiten von Asylanten und Flüchtlingen auf und appellieren daran, die Sprache genau zu brauchen. «Ist man psychisch krank, oder hat man eine psychische Krankheit?», fragt Lorenz Häberli rhetorisch. Um dann zu Globi und Kasperli zu kommen – alles schön und gut, doch etwas geschwätzig.

Noch etwas schlanker

Häberli Oggier sind nicht die Ersten, die mit solchen Shows auftreten. Ihr Regisseur, Schriftsteller und Radiomoderator Reeto von Gunten, macht dasselbe seit Jahren und erfolgreich. Auch der Ostschweizer Manuel Stahlberger vertraut auf diese Art von Bühnenshow.

Vieles an diesem Abend geht dann doch nicht über Wikipedia-Einträge und nettes Wissen für die Stammtischrunde hinaus. Unterhaltsam und auch etwas polemisch. Und in den besten Momenten entwickeln die beiden ein Zusammenspiel, das zeigt: Doch, hier sind Wortkünstler am Werk. Nur scheint ihr Projekt etwas zu ambitioniert.

Häberli Oggier, «Wörter wie wir»: 14.3., Alti Moschti, Mühlethurnen; 25.3., Kulturfabrik, Biglen; 26.4., Wetterhorn, Hasliberg; 8.5., Old Capitol, Langenthal; 19.5., Mühle Hunziken, Rubigen. Infos: www.atelieer.ch.

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