«Pirate, Pirate, überall Pirate . . .»

Schloss Köniz

Ein Segeltörn der etwas anderen Art: Das Berner Theater Max feiert mit «Martha und die Seeräuberpiraten» im Kulturhof Premiere und entführt Jung und Alt auf eine wilde Seefahrt.

Verwirrspiel. Zeitweise werden die vier Puppen und die vier Schauspieler eins, dann wieder führen alle acht ein Eigenleben.

Verwirrspiel. Zeitweise werden die vier Puppen und die vier Schauspieler eins, dann wieder führen alle acht ein Eigenleben.

(Bild: zvg)

Ein Piratenlied darf in keiner guten Piratengeschichte fehlen. So haucht zu Beginn des Stücks auch ein immer lauter werdendes «Pirate, Pirate, überall Pirate . . .» aus den Lautsprechern. Die Kinder, die drei Viertel des Publikums ausmachen, singen vergnügt mit. Im schwach beleuchteten Dachstock des Kulturhofs Schloss Köniz, in dem das Theater Max mit «Martha und die Seeräuberpiraten» Premiere feiert, werden plötzlich die holzigen Umrisse eines Schiffs sichtbar. Ein Anker hängt an der Reling über dem rötlichen Wasser, in dem sich ein Delfin, ein Kugelfisch und ein Hai tummeln. Dann endlich tauchen die drei Piraten Franz, Luc, Beat und ihre Kapitänin Martha auf.

Das vife Quartett kennt man aus dem Theater-Max-Stück «Martha und die Räuber», in dem Martha aus dem Altersheim entführt wird. In Teil zwei der Trilogie finden sich die vier Freunde nun auf hoher See wieder. «Mir sy aut und fühle üs jung.»

Das ist das Credo der Schiffsmannschaft, doch es gilt nicht nur dem Sturm zu trotzen, sondern auch einige Flauten zu überwinden: «Zwieback, Wasser, Döribohne das hanget üs – us beidne Ohre» singen die vier Seeräuber, die mal als Puppen, mal als Schauspieler auf der Bühne auftauchen. Irgendwann wird es den drei Seeräubern unter Marthas Kommando zu bunt, und es kommt zur Meuterei. Doch schier in diesem Moment erscheint das lang ersehnte feindliche Schiff mit «eme grimmige Güggel uf em Segu» . . .

Humorvoller Text

In «Martha und die Seeräuberpiraten» werden Schauspiel, Puppen, Tanz, Gesang und Livemusik vereint. Ein kleines Gesamtkunstwerk für die ganze Familie also, das manchmal jedoch etwas aus dem Ruder läuft, da sich Regisseur Marcel Lehmann viel vorgenommen hat. Zeitweise werden die vier Puppen und die vier Schauspieler (Luzius Engel, Christoph Hebing, Jost Krauer und Karin Maurer) eins, dann wieder gibt es klare Brüche, und alle acht führen ein Eigenleben.

Ein kleines Gesamtkunstwerk für  die ganze Familie,  das manchmal etwas aus dem Ruder läuft.

Diese Figurenkonstellation verwirrt und scheint nicht immer ganz ausgearbeitet zu sein, doch das junge Publikum stört sich nicht daran, denn hier waltet nicht die Ratio. Umso überzeugender ist da Matto Kämpfs humorvoller Text und Mark Oberholzers einfallsreiche Piratenmusik, wenn er beispielsweise mit Strohhalm und Wasserglas Unterwassergeräusche erzeugt.

Mutige Kapitänin

Einzig veraltete Genderbilder werden mit Sprüchen wie «Frauen am Steuer, ungeheuer» leider nicht gänzlich über Bord geworfen. Und doch ist immerhin eine mutige alte Dame Kapitänin, und diese hat am Schluss «d Hose anne». Und dieser Schluss hat es in sich: In einer zartschönen Unterwasserwelt schweben die vier gekenterten Seeräuberpuppen wie ein Mobile durch die Luft und werden schliesslich von den drei «Fischli» auf die rettende Schatztruhe gehievt.

Nächste Aufführung:Heute, 10 Uhr, Kulturhof Schloss Köniz. Ab 8. März im Brückenpfeiler Bern.

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