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Schönbeck ist Gott

Das Theater an der Effingerstrasse inszeniert das Stück «Gott der Allmächtige» des amerikanischen Comedyautors David Javerbaum. Uwe Schönbeck spielt Gott als Zweifler und Narzissten.

Sintfluten bekämen wir ja mittlerweile alleine hin, meint Uwe Schönbeck als Gott im Stück von David Javerbaum. Foto: PD
Sintfluten bekämen wir ja mittlerweile alleine hin, meint Uwe Schönbeck als Gott im Stück von David Javerbaum. Foto: PD

Disconebel und farbiges Licht – nein, kein Popstar tritt hier auf, sondern Gott höchstpersönlich wird in einer Sänfte auf die Bühne des Theaters an der Effingerstrasse getragen. Er erscheine für einmal nicht als brennender Dornbusch, sondern als Schauspieler, lässt uns Uwe Schönbeck alias Gott wissen. Seine Begleiter sind der schöne, Bart und Stöckelschuhe tragende Engel Gabriel (Aaron Frederik Defant) und Pater Wohlfart (Andreas Krämer).

Regisseur Stefan Meier inszeniert mit «Gott der Allmächtige» ein Stück des Amerikaners David Javerbaum als Schweizer Erstaufführung. Der 1971 in New York geborene Comedyautor wurde unter anderem dank seines Twitter-Accounts bekannt, in dem er sich als twitternder Gott ausgibt. In «Gott der Allmächtige» spricht ein übel gelaunter Weltenherrscher Tacheles und stellt seine neu überarbeiteten zehn Gebote vor.

Die Bühne (Peter Aeschbacher) besteht aus Mauern mit verblassten Fresken und einem Sofa, auf dem Schönbeck Platz nimmt, um seine Lektionen zu erteilen. Das ist manchmal göttlich, manchmal witzig, manchmal auch etwas platt. Viele Gags zielen in der Version von Kevin Schroeder auf ein deutsches Publikum ab. So kommen etwa Till Schweiger oder Xavier Naidoo ihr Fett weg. Andreas Krämer als Wohlfart sorgt mit schrägen Instrumenten für musikalische Untermalung. Da erklingt mal «Kumbaya My Lord», mal die Titelmelodie von «Dallas».

Da Gott alles hört, muss er zwischendurch Fragen beantworten. Gabriel ist dabei sein Bote: «Frau Demenga aus Ittigen möchte wissen, ob zuerst Henne oder Ei waren». «Weder noch. Zuerst kam der Hahn», frotzelt Schönbeck. Überhaupt erweist er sich als narzisstischer, wankelmütiger und rachsüchtiger Gott. Wenn Gabriel zu penetrant nachfragt, trifft ihn der Blitz. Das Stück liefert eigenwillige Interpretationen von kontroversen Bibelstellen, wie jener, als Abraham seinen Sohn beinahe tötete, oder Noahs Einzug in die Arche. Statt «zwei von jeder Art» habe er ihm in Wahrheit empfohlen, zwei süsse Welpen mitzunehmen, erklärt Gott Schönbeck. Die Entstehung der Welt vergleicht er mit einer «Jamsession» und die Herstellung von über 400'000 Käferarten als «Fummelei».

Glaubt nicht an mich

Die neuen zehn Gebote machen reinen Tisch. «Hört auf, meinen Namen beim Sex zu rufen und in meinem Namen zu töten, Homosexualität und Masturbation sind keine Sünden, und mir ist es gleich, ob YB oder Basel gewinnt – also hört auf, für einen Sieg zu beten», lässt uns Gott wissen. «Du sollst nicht an mich glauben» und «Du sollst mich und den Staat trennen» lauten zwei im Sinne der Aufklärung formulierten Gebote.

Schönbeck rät gar davon ab, mit ihm eine Beziehung zu führen. Auch «Save the Queen» und «God bless America» brächten nichts. Denn «Du sollst mir nicht sagen, was ich zu tun habe». Gott verspürt auch Schadenfreude, wenn er atheistische Wissenschaftler nach dem Tod durch eine Falltür in die Hölle fahren lässt. Schliesslich gibt er gar zu, manchmal ein Arschloch zu sein. Das kann man blasphemisch finden. Doch das Stück zielt nicht auf Gott, sondern auf die absurden Vorstellungen von ihm. Am Ende kommt es zu einer kitschigen Abschiedsszene. Gott will uns, nun, da wir erwachsen geworden sind, alleine lassen. Sintfluten bekämen wir ja mittlerweile alleine hin. Amen.

Nächste Vorstellung: Heute Montag, 18.2., 20 Uhr, Theater an der Effingerstrasse, Bern.

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