Virtuelle Zuckerschlacht

In «Gipfelstürmer», einem Gameshow-Tanztheater für Kinder, geben sich zwei Kontrahenten Saures und werfen mit Süssem.

Die Kandidaten Blau und Rot im Wetteifer. Foto: PD / Monique Burri

Die Kandidaten Blau und Rot im Wetteifer. Foto: PD / Monique Burri

Helen Lagger@FuxHelen

Eine Klasse Dritt- und Viertklässler wartet im Foyer des Käfigturm-Theaters. Es wird gezappelt und geplappert, während sich die Klassenlehrerin fragt, ob sie am richtigen Ort ist. Weder ist die Theaterkasse geöffnet, noch sonst sieht es hier aus, als ginge es gleich los.

Doch kurz vor Stückbeginn erscheint ein Mann in Latzhosen und mit schwarzweisser Perücke und bittet die Kinder in den Saal. Es geht los! Ein Moderator – auch seine Frisur erinnert an Bösewichtin ­Cruella aus «101 Dalmatiner» – begrüsst aufgekratzt das hoch motivierte Publikum.

Buhen oder applaudieren

Wir befinden uns im Gameshow-Tanztheater für Kinder ab fünf Jahren der Choreografin und Tänzerin Anja Gallagher-Syfrig der Compagnie Momentum. Die Spielschau «Gipfelstürmer» bezieht das Publikum stark mit ein. Dabei sind die Regeln einfach: Schwingt der Moderator eine Glocke, gilt es aufzustehen. Auf Bildschirmen wird das in zwei Hälften geteilte Publikum mal zum Buhen, mal zum Applaudieren animiert.

Kampf zweier Figuren

Kandidatin Rot (Anja Gallagher-Syfrig) kämpft gegen Kandidat Blau (Mukdanin Phongpachith). Sie sollen dabei einen ominösen Gipfel erreichen. Die versteckte Message dahinter: Miteinander geht es besser als gegeneinander. Doch bis zu dieser Erkenntnis geben sich die beiden Saures. Beide Kandidaten sehen aus wie Figuren aus einem japanischen Computerspiel.

Auch ihre Bewegungen und die Geräuschkulisse erinnern an virtuelle Comicfiguren. «Coole Musik», ruft ein Kind aus dem Publikum, als der leitmotivische Technobeat erklingt. Auf einem der Bildschirme flackern verschiedene Welten auf.

Ein Boxkampf steht als Erstes an. «Ihr sollt besonders laut sein», ermahnt der Moderator, worauf die Kinder mit ohrenbetäubendem Gekreische antworten. Roboterartig dreht Kandidatin Rot Pirouetten, während Kandidat Blau auf Breakdance setzt. Szenenapplaus gibt es für Spagate und besonders virtuose Luftsprünge.

Schliesslich versagen Kandidatin Rot die Beine. Sie kann nicht mehr aufstehen. Kandidat Blau kriegt Punkte, weil er ihr dabei hilft. «Super. Bravo. Nicht traurig sein», rufen die Kinder der Gestrauchelten zu, statt wie gefordert zu buhen. Was für Empathinnen und Empathen! So verkehrt kann die moderne Pädagogik nicht sein.

Es geht weiter mit einem Rennen durch eine virtuelle Wüste. Die Kandidaten treten auf imaginären Motorrädern sitzend gegeneinander an. Zwischen den Etappen begibt sich der Moderator ins Publikum, um Stimmen einzuholen. «Warum Kandidatin Rot?» – «Weil sie eleganter ist», sagt ein Mädchen.

Spiel mit Virtualität

Gekonnt wird mit Virtualität gespielt. Die Kandidaten tauchen mal geschrumpft auf den Bildschirmen auf oder bekommen digital Tierbeine verpasst.

«Als Team arbeiten» lautet schliesslich der Tipp aus dem Publikum auf die Frage, was zu tun sei, um den Gipfel zu erreichen. In Runde drei geht es ins Süssigkeitenland. Auf Bildschirmen ­erscheinen Cola-Fröschli und klebrige Himbeeren, die es zu erhaschen gilt. Doch kaum auf­geploppt, verschwinden die Leckereien wieder.

Anarchie bricht aus. Echte Süssigkeiten fliegen auf die Bühne, der Moderator kann die Kandidaten nicht mehr kontrollieren. Doch dann kehrt wieder Ruhe ein. Ob die beiden Cyberpunks schliesslich doch noch den Gipfel erreichen werden?

Theater am Käfigturm, Sa, 30.3., 14.30 Uhr, Info: www.momentumdance.ch.

Berner Zeitung

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