Zwei Männerleben in Moll

Ein bisschen rau, ein bisschen poetisch: Melancholisch grundiert feiert die Uraufführung von «Fred und Franz» des Bündners Arno Camenisch Stationen einer Männerfreundschaft.

Pause vom Holzhacken: Jonathan Loosli und Stefano Wenk.

Pause vom Holzhacken: Jonathan Loosli und Stefano Wenk.

Pink leuchtet der überdimensionierte Hirschschädel, den die zwei Typen die Wand hochstemmen. Wie ein Memento mori thront das Geweih in den Berner Vidmarhallen und setzt den Grundton für die aneinandergereihten Vignetten einer Männerfreundschaft: ein bisschen poppig-urban und ein bisschen rustikal, rau und poetisch, grundiert von einer leisen Melancholie.

«Fred und Franz» ist das zweite Buch des 36-jährigen Jungautors Arno Camenisch, das Konzert Theater Bern zur Uraufführung bringt. Vor zwei Jahren feierte auf der grossen Bühne der Vidmarhallen «Ustrinkata» Premiere, der letzte Teil der Bündner Trilogie von Camenisch.

Der intime Rahmen der kleinen Bühne Vidmar 2 passt zu dem im vergangenen Jahr erschienenen Text, der wie fürs Theater geschaffen scheint. Ein paar wenige Regieanweisungen aus dem Original nehmen die Figuren zu Beginn mit auf die Bühne. Später spielt die Hauptrolle nur noch der Dialog, der sich oft zum fetzigen Schlagabtausch steigert.

In der Sauna, beim Holzhacken hinterm Haus, im Auto oder auf einem Berggrat: Der Fred und der Franz sinnieren über das Leben, was zumeist heisst, die Liebe oder besser, deren Abwesenheit. Fred (Stefano Wenk), der Verträumtere von den beiden, vielleicht auch das grössere Schlitzohr, trauert der Maria nach. Franz (Jonathan Loosli) gibt sich grossspurig, prahlt mit seinen Verflossenen und überspielt damit, wie sehr es ihn wurmt, dass er die verheiratete Magdalena nicht ganz für sich haben kann.

Wie gross geratene, liebenswerte Lausebengel hangeln sich die beiden mit einem Schatz Weisheiten durchs Leben. Auf der Bühne kommen diese besser zur Geltung als im Buch. Und den beiden Schauspielern gelingt es haarscharf, die hintersinnigen Szenen nicht zu Lachnummern verkommen zu lassen.

Berner Zeitung

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