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Nachbarn machen Läden wieder aufLange Schlangen vor Baumärkten in Österreich

Die meisten Geschäfte sind in Österreich seit heute wieder offen. Wo es zum Ansturm kommt – und wie die Mundschutz-Pflicht funktioniert.

«Nur wer ein Wagerl hat, darf ins Geschäft»: In Österreich bilden sich vor Baumärkten lange Schlangen, wie hier in Eisenstadt. (14. April 2020) Bild: Leonhard Foeger/Reuters
«Nur wer ein Wagerl hat, darf ins Geschäft»: In Österreich bilden sich vor Baumärkten lange Schlangen, wie hier in Eisenstadt. (14. April 2020) Bild: Leonhard Foeger/Reuters

Als eines der ersten Länder Europas wagen die Österreicher den Schritt in Richtung Normalität. Seit heute werden die Pandemie-Massnahmen gelockert. Fast alle Läden dürfen wieder öffnen – vorausgesetzt, ihre Verkaufsfläche umfasst nicht mehr als 400 Quadratmeter. Das sind 80 Prozent aller Einzelhändler. Allein in Wien dürfen 4500 Läden wieder ihre Waren verkaufen. Landesweit sind es 14’300 Geschäfte, wie der «Kurier» berichtet.

Allerdings gelten strenge Auflagen. Alle Kunden und Mitarbeiter müssen einen Mundschutz tragen. Und nur eine bestimmte Anzahl Besucher dürfen sich gleichzeitig im Laden aufhalten. Manche Geschäfte setzen die Vorgabe mit kreativen Ideen um. So ist in der Baumarktgruppe Hornbach die Zahl der Einkaufswagen begrenzt, wie die «Kronen Zeitung» berichtet. «Nur wer ein Wagerl hat, darf ins Geschäft», sagt die Chefin einer Filiale.

Einlass gibt es nur mit Mundschutz und einem der begrenzt verfügbaren Einkaufswagen. Video: heute.at

Von der Lockerung profitieren aber nicht alle Branchen. Öffnen dürfen Bau- und Gartenmärkte, Autowerkstätten und -Waschanlagen – nicht aber Möbelgeschäfte. Dem Bericht zufolge sorgt das bei einigen für Verwunderung. Eine Erklärung hat die Hornbach-Chefin: «Wir haben verderbliche Ware wie Blumen. Die können wir sonst wegwerfen. Und ohne uns können viele kleine Handwerker nicht arbeiten.»

Im ganzen Land haben sich vor den Märkten teilweise lange Schlangen gebildet. Die Kunden verhalten sich Medienberichten zufolge diszipliniert. Der Mindestabstand von zwei Metern wird demnach gut eingehalten. Viele Läden haben auch ein Richtungsregime eingeführt und leiten die Kunden im Einbahnprinzip durch die Filialen.

Während auch Kleiderläden wieder öffnen dürfen, gilt das nicht für Coiffeursalons. Sie und ihre Kunden müssen noch bis zum 2. Mai gedulden, so will es der Plan der Regierung. Erst in einer zweiten Stufe sollen von da an alle Geschäfte wieder öffnen dürfen. Bars und Restaurants bleiben davon aber noch bis Mitte Mai ausgenommen. Die Regierung hat alle Schritte von einer weiterhin günstigen Entwicklung bei den Fallzahlen abhängig gemacht.

Blumengeschäfte öffnen wieder, Möbelhäuser bleiben zu: Ein Pflanzenmarkt in Wien. (14. April 2020) Bild: Lisi Niesner/Reuters
Blumengeschäfte öffnen wieder, Möbelhäuser bleiben zu: Ein Pflanzenmarkt in Wien. (14. April 2020) Bild: Lisi Niesner/Reuters

Bisher ist Österreich dank früher und strenger Massnahmen von den schlimmsten Auswirkungen der Corona-Pandemie verschont geblieben. Damit das so bleibt, ruft die Regierung die Händler zur strikten Einhaltung der Regeln auf. «Ich appelliere dringend, alle Sicherungsmassnahmen der ersten Teilöffnung konsequent zu befolgen», sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

Die Öffnungszeiten der Geschäfte sind auf 7.40 Uhr bis 19 Uhr beschränkt. Händler, die zu viele Kunden ins Lokal lassen, müssen mit einer Busse von bis zu 3600 Euro rechnen.

Pendler müssen Maske selber mitbringen

Das Bedecken von Mund und Nase ist seit heute auch in allen öffentlichen Verkehrsmitteln Pflicht. Dazu einen Schal zu verwenden, ist erlaubt. Verteilaktionen an Bahnhöfen gibt es nicht. «Reisende in ÖBB-Zügen und Postbussen müssen Schutzmasken selbst mitbringen», sagt ein ÖBB-Sprecher der «Wiener-Zeitung».

Die ÖBB würden die Massnahmen der Regierung unterstützen. Das Bahnpersonal werde das Ignorieren der Maskenpflicht «nicht tolerieren», sagt der Sprecher weiter. Gröbere Probleme erwartet er aber nicht.

Noch am Sonntag waren die Wiener U-Bahnstationen menschenleer. Masken müssen die Pendler seit Dienstag selber mitbringen. Bild: Hans Klaus Techt/Keystone
Noch am Sonntag waren die Wiener U-Bahnstationen menschenleer. Masken müssen die Pendler seit Dienstag selber mitbringen. Bild: Hans Klaus Techt/Keystone

Im internationalen Vergleich ist die Entwicklung bei den Coronafällen in Österreich eher günstig. Die Zahl der Neugenesenen übersteigt seit geraumer Zeit die der Neuinfizierten. Die Kliniken sind weit von Engpässen bei der Versorgung auch der schweren Fälle entfernt. Insgesamt gibt es aktuell in der Alpenrepublik rund 6500 Menschen, die mit Sars-CoV-2 infiziert sind. Rund 1000 Patienten liegen im Krankenhaus. Die Zahl der noch verfügbaren Spitalbetten für Menschen, die an der Lungenkrankheit Covid-19 leiden, liegt bei 20’000.

Kurz zieht Zwischenbilanz

Angesichts der günstigen Entwicklung bei den Fallzahlen hat die Regierung in Wien eine positive Zwischenbilanz gezogen. «Wir sind auf Kurs», sagte Regierungschef Sebastian Kurz am Dienstag.

Die Disziplin und das Durchhaltevermögen der Bürger hätten dazu geführt, dass nun mit der Öffnung der kleinen Geschäfte sowie der Bau- und Gartenmärkte ein erster Schritt in Richtung «neue Normalität» gemacht werden könne.

Kanzler Kurz ist mit der Disziplin und dem Durchhaltevermögen der Österreicher zufrieden. Bild: Helmut Foringer/Keystone
Kanzler Kurz ist mit der Disziplin und dem Durchhaltevermögen der Österreicher zufrieden. Bild: Helmut Foringer/Keystone

Weiterhin gelte die Massgabe: «So viel Freiheit wie möglich, so viel Einschränkungen wie notwendig.» Mit dem grossen Andrang bei den Baumärkten, wie er vielerorts berichtet werde, habe er gerechnet, meinte Kurz. Auch in diesen Fällen würden sich aber offenkundig alle Kunden an die Hygiene-Vorschriften halten.

Tag zwei in Spanien

In Spanien, wo Ostermontag kein Feiertag ist, wurden bereits gestern die strikten Ausgehbeschränkungen für die fast 47 Millionen Einwohner gelockert. Seit zwei Wochen durfte nur noch zur Arbeit, wer in unverzichtbaren Branchen tätig ist. Am Montag durften die meisten Spanier nun an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Privat dürfen die Menschen seit Mitte März nur noch zum Einkaufen und in Sonderfällen vor die Tür.

Wer am Montagmorgen mit dem ÖV unterwegs zur Arbeit war, erhielt eine Schutzmaske. Polizisten verteilten an Bahnhöfen und U-Bahnstationen Millionen von Gesichtsmasken. Hunderttausende Menschen durften erstmals nach zwei Wochen wieder zur Arbeit fahren.

In Madrid pendelten Schätzungen zufolge rund 300’000 Menschen wieder an ihre Arbeitsplätze. In vielen anderen Regionen wie Katalonien, Valencia, den Balearen oder dem Baskenland war aber Feiertag.

Pendler in Madrid erhielten am Montag eine Schutzmaske. (13. April 2020) Bild: Borja B. Hojas/Getty Images
Pendler in Madrid erhielten am Montag eine Schutzmaske. (13. April 2020) Bild: Borja B. Hojas/Getty Images

Die strenge Ausgangssperre bleibt noch bis mindestens am 25. April in Kraft. Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte denn auch am Sonntag gesagt: «Ich will mich sehr deutlich ausdrücken: Wir sind nicht einmal am Beginn einer zweiten Phase. Erste Lockerungen wird es frühestens in zwei Wochen geben. Und die werden schrittweise und vorsichtig sein», sagte der Regierungschef in einer Rede an die Nation.

Spanien ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder weltweit. Die Zahl der Patienten, die im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion starben, stieg auf 17’489. Mit 517 neuen Todesfällen binnen 24 Stunden ist dies der geringste Anstieg seit Beginn der Epidemie. Ihren Höhepunkt hatte die Sterblichkeitsrate Anfang April erreicht. Die Zahl der Infektionen legte nach Angaben des Gesundheitsministeriums um 3477 auf 169’496 zu.

18 Kommentare
    Henri

    Für mich unverständlich, diese Schlangen vor einem Baumarkt. Was wollen denn die Leute sooo dringend bauen, dass sie unbedingt am ersten Tag in einen Baumarkt wollen. Ich war noch nie in einem solchen und wüsste auch nicht, was ich da soll.