Seeländer Spezialitäten statt internationaler Fastfood

Am Stars of Sounds in Murten stiehlt das Essen den Musikern die Show. Fast, jedenfalls.

Muck’s Gelati vom Gemüsehof Jampen begeistert. Foto: nk

Muck’s Gelati vom Gemüsehof Jampen begeistert. Foto: nk

Nina Kobelt@Tamedia

Rea Garvey, einst mit seiner Band Reamonn unterwegs und jetzt als Solosänger ein Star, lässt dieser Tage analog zu seinem grössten Hit ein Supergirl sprechen: Am Donnerstagabend, gegen Ende seines Auftritts auf der Hauptbühne am Stars of Sounds in Murten, spielt er Filmausschnitte ein. Auf ihnen ist Greta Thunberg zu sehen und zu hören, die schwedische Klimaschutzaktivistin, das Gesicht der Klimajugend. Ihre Botschaft lautet: Wir müssen handeln.

Was ja an kommerziellen Veranstaltungen wie einem Musikfestival nicht immer ganz einfach ist – schon nur dieser Abfall!Und was alles hergekarrt werden muss! Wie schön, dass es einem hier – wenigstens esstechnisch – ziemlich einfach gemacht wird. Die Festivals in Aarberg und Murten setzen auf ein regionales Konzept, zumindest teilweise: Neben einem «Village Culinaire», einer Essstrasse, auf der die üblichen Snacks aus aller Welt angeboten werden, gibt es hier, direkt am See, noch eine intimere Ecke. Hier gilt: aus der Region für die Region.

Glace vom Hof

Das Village au Lac besteht im Wesentlichen aus drei Zelten und liegt hinter der Hauptbühne. Hier wird einem warm ums Herz vor lauter Heimatgefühlen (und der abendlichen Hitze, das schon auch). Denn: Hier ist Seeland. Nur Produzenten aus der Region bieten ihre Ware an. Muck’s Gelati etwa mit M&Ms-Glace oder der Geschmacksrichtung Rüebli-Haselnuss. Die hausgemachte Glace vom Gemüsehof Jampen schmeckt so gut, dass wir gleich drei Mal anstehen.

Die Weinkellerei Cru de l’Hopital (Murten) schenkt Weissen und Roten aus, tausend lustige Lichter schmücken das Zelt. Weiter hinten bietet «Moser Gemüse» aus Kerzers Gemüsedips und andere Leckereien an und die Käserei Schafer Mont-Vully-Käse. Auf dem Biertresen (Cardinal, das, wir wissen es, nur noch vordergründig aus der Gegend stammt) liegen Nidlechueche von der Murtner Bäckerei Aebersold. Fast schon unerhört weit weg wird der Berner Ingwerer produziert, es gibt ihn an der Bar au Lac zu trinken. Kurz: Man kann in diesem Mini-See-Schlaraffenland leicht vergessen, dass man eigentlich wegen der Musik hergekommen ist.

Warum erst jetzt?

Diese spielt allerdings auch – abseits des Rummels: Während man an einem Salatwrap knabbert (es ist, was es erspricht: ein Wrap mit Salat drin – selten so etwas köstlich Leichtes gegessen an einem Festival!), schweben heimatliche Klänge über den Rasen im Village. Auf der Kleinstbühne Song-Flower Stage spielen hauptsächlich regionale Bands. Am Samstag zum Beispiel Gjon’s Tears, Nils Burri und Caroline Chevin.

Und dann weht noch eine andere Frage über das Festival­dörfchen: Warum eigentlich machen das nicht alle so? Regio­nales anbieten? Zu hoffen ist wirklich, dass das Foodkonzept viele Nachahmer findet. Weil Rea Garveys Supergirl hat es ja auch gesagt: Wir müssen handeln.

Stars of Sounds, Samstag, 6. Juli ab 12 Uhr, Murten. www.starsofsounds.ch

Berner Zeitung

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