Was lange währt, ist endlich gut

Als sie sich anschickten, in der Traube Herrenschwanden urchig-traditionelle wie auch exotischere Gerichte anzubieten, hiessen die beiden noch Dieter Reber und Manuela Feuz. Inzwischen treten sie als Ehepaar Reber auf. Die Besseresser haben ihnen einen Besuch abgestattet.

In der Wirtschaft zur Traube in Herrenschwanden werden urchig-traditionelle wie auch exotischere Gerichte angeboten.

In der Wirtschaft zur Traube in Herrenschwanden werden urchig-traditionelle wie auch exotischere Gerichte angeboten.

(Bild: zvg/ http://www.wirtschaftzurtraube.ch)

Das stattliche Haus, die knorrigen Kastanienbäume davor – viele Jahre waren sie es, die der Traube Herrenschwanden den Anstrich von Solidität gaben. Drinnen aber schien es immer irgendwo zu harzen. Selbst als das Ehepaar Nievelstein die Traube zwischen 2008 und 2011 zu 14 Gault-Millau-Punkten führte, kam es zu einem abrupten Abgang im Streit mit dem Eigentümer. Dann war der Gasthof ein halbes Jahr geschlossen, ehe vor drei Jahren ein junges Paar seinen ersten Pachtvertrag unterschrieb. Der Koch ein Einheimischer mit zwanzig Jahren Berufserfahrung, die Gastgeberin gestählt von einer Karriere in Service und Küche.

Als sie sich anschickten, in der Traube urchig-traditionelle wie auch exotischere Gerichte anzubieten, hiessen die beiden noch Dieter Reber und Manuela Feuz. Inzwischen treten sie als Ehepaar Reber auf, und natürlich bewirten sie etwa im «Traubenstöckli» gerne auch eine Hochzeitsfestgemeinde. Die Besseresser indes hatten viel profanere Anliegen: ein Spaziergang auf dem Land (funktioniert hier aus allen Richtungen wunderbar), dann Speis und Trank und die Antwort auf eine bange Frage. Läufts in der Traube?

Ja, es läuft. Das Wirtspaar sei zufrieden, erzählte die Kellnerin, die zusammen mit der Chefin aufmerksam zu uns schaute und schon bald einen kleinen kulinarischen Gruss servierte. Zum Auftakt gabs einmal eine entzückende Tagessuppe (Fr.6.–), die sich beim Besuch aus Rüebli und Ingwer zusammensetzte, und einmal formidable sautierte Riesenkrevetten mit Peperoncini, Knoblauch, Olivenöl und Kräuterbaguette (Fr.19.–) – ein toller Start. Beim Hauptgang wählte ein Besseresser eine kleine Portion des suuren Mocken (Fr.25.50) und wusste weiterhin zu rühmen: Zu Beginn schön säuerlich, nehme die Säure mit zunehmendem Kauen ab. So soll es sein. Auch beim grosszügig mit Muskat gewürzten Kartoffelstock bestand der Koch den Grositest: Gestampft ists richtig, keinesfalls püriert. Der zweite Besseresser wollte die thailändischen Referenzen prüfen, die der Koch neben karibischen und anderen beim Stellenantritt angegeben hatte. Belohnt wurde er mit einem wunderbaren Ban Dung Wai (Fr.24.50), einem roten Thai-Chicken-Curry, dessen Schärfe er bei der Bestellung selber einstellen durfte. Wie schon die Garnelen war das Gericht mit einem lustig aufgeschnittenen Peperoncino dekoriert – das hätte es von uns aus nicht zweimal gebraucht.

Zufrieden beschlossen wir den Ausflug bei einem Espresso aus der Region, von der Rösterei Belem in Schüpfen. Wie es dieser schönen Gegend zu gönnen wäre, wenn der Traube noch viele gute Jahre beschert wären, sinnierten wir. Und über dem Frienisberg brannte der Himmel.

besseresser@bernerzeitung.ch

Wirtschaft zur Traube, Bernstrasse 38a, Herrenschwanden, Montag und Dienstag geschlossen, Telefon 031 301 84 40 www.wirtschaftzurtraube.ch

Berner Zeitung

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