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Die Wut der Frauen

Frauen wird eingebläut, ihren Zorn wegzulächeln, sogar wenn es um sexuelle Übergriffe geht. Zeit, das zu ändern.

Demonstrantinnen vor dem New Yorker Gerichtsgebäude, in dem Harvey Weinsteins Prozess wegen sexueller Belästigung stattfindet. Foto: Carlo Allegri, Reuters
Demonstrantinnen vor dem New Yorker Gerichtsgebäude, in dem Harvey Weinsteins Prozess wegen sexueller Belästigung stattfindet. Foto: Carlo Allegri, Reuters

Die einzige gesellschaftlich legitimierte Wut von Frauen ist der sogenannte Zickenkrieg. Wenn es um die Gunst von Männern geht, dürfen sie ein bisschen «die Krallen zeigen». Die TV-Sendung «Der Bachelor», wo Frauen leicht bekleidet um einen Macker buhlen, zelebriert dies wöchentlich.

Hier soll von einer anderen Variante des weiblichen Zorns die Rede sein: von demjenigen, den Frauen aufgrund von alltäglichem Sexismus, sexuellem Missbrauch und Gewalt empfinden. Es soll gezeigt werden, dass die Zensur dieser Wut genauso demütigend ist wie die ursprüngliche Verletzung. Die amerikanische Psychiaterin Jean Baker Miller erwähnte bereits in den frühen 1990er-Jahren, dass die Wut der Frauen offenbar zu den grössten gesellschaftlichen Tabus gehört – sie fand damals kaum wissenschaftliche Literatur darüber. Grund dafür, so folgerte sie, müsse eine tiefe kulturelle Angst sein: Während Männer sich täglich in Wettbewerb und Konfrontation beweisen müssten, seien Frauen in erster Linie für die Erfüllung von Bedürfnissen zuständig. Und wo kämen wir hin, wenn unsere Dienstleisterinnen die Fäuste erhöben, wenn die Hälfte der Menschheit sich nichts mehr bieten liesse?

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