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«Eine Rede sollte immer überraschend sein»

Die Hochzeit des Jahres steht an, Festreden inklusive. Über Erfolg, Fehler und Peinlichkeiten von Rednern. Mathias Müller-Krey weiss, wovon er spricht.

Sie werden sich einiges anhören müssen – und vermutlich auch selber zum Mikrofon greifen: Prinz Harry und Meghan Markle stehen neben pompösen Feiern auch einschlägige Reden bevor.
Sie werden sich einiges anhören müssen – und vermutlich auch selber zum Mikrofon greifen: Prinz Harry und Meghan Markle stehen neben pompösen Feiern auch einschlägige Reden bevor.
Matt Dunham, Keystone

Traditionen sind dazu da, gebrochen zu werden: Angeblich will Meghan Markle bei ihrer Hochzeit mit Prinz Harry selbst eine Rede halten. Redenschreiber Mathias Müller-Krey erklärt, worauf sie achten sollte, warum professionelle Hilfe das Gesagte noch persönlicher macht und wie man während der Rede dem Missmut der Schwiegermutter entgeht. Selbst wenn es die Queen ist.

Auch 2018 ist es noch eher ungewöhnlich, dass die Braut auf ihrer Hochzeit eine Rede hält. Was ist so besonders an Meghan Markles Entscheidung?

Mathias Müller-Krey: Das britische Königshaus orientiert sich stark an Traditionen, man ist dort, was Rituale angeht, noch etwas konservativer als der Rest der Gesellschaft. Und traditionell halten auf einer Hochzeit Männer die Reden: der Brautvater, der Bräutigam und der Trauzeuge. Es kommt nur sehr selten vor, dass Frauen mich engagieren, um eine Hochzeitsrede für sie zu schreiben. Oft ist es dagegen so: Die Braut hat die Idee für eine Rede, gehalten wird diese aber vom zukünftigen Ehemann. Inzwischen gibt es das aber auch, dass eine Trauzeugin oder auch Braut zu mir kommt, die selbst sprechen will.

Was sollte Markle beachten, um mit ihrer Rede zu überzeugen?

Eigentlich gibt es in der Rede einer Braut keinen Unterschied zu der eines Bräutigams. Es geht darum, den Gästen dafür zu danken, dass sie gekommen sind. Ausserdem will man natürlich dem Partner eine Liebeserklärung machen. Das ist eine tolle Gelegenheit, vor Freunden und Verwandten seine Liebe zu verdeutlichen. Diese Chance sollte man nicht ungenutzt lassen – ob Braut oder Bräutigam. Bevor ich damit angefangen habe, professionell Reden zu schreiben, habe ich als Rechtsanwalt und als Redakteur gearbeitet. Dabei bemerkte ich, dass die Rede ein Genre ist, das mir sehr liegt, eines für das ich grosse Leidenschaft und Begeisterung aufbringen kann. Und ich habe erkannt, dass es die Chance gibt, als Freiberufler damit erfolgreich zu sein, Reden zu verfassen. Heute schreibe ich hauptsächlich für Führungskräfte aus der Wirtschaft, vor allem im Sommer kommen dann Aufträge für Hochzeitsreden dazu.

The Queen is not amused. Elizabeth II wirkt oft wenig begeistert von dem, was um sie herum geschieht. Was sollte Meghan Markle bei ihrer Rede lieber sein lassen, um den Unmut der Queen nicht auf sich zu ziehen?

Eine Rede sollte immer überraschend sein. Der am wenigsten überraschende Einstieg ist leider auch der häufigste. Er geht ungefähr so: «Wir haben uns heute hier versammelt, um die Hochzeit zu feiern ... » Der Redner legt mit der einzigen Information los, die allen im Publikum schon bekannt ist. Da ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass die Aufmerksamkeit schnell verloren geht. Ein anderer häufiger Fehler ist, dass Redner denken, sie müssten um jeden Preis lustig sein. So wie Comedians im Fernsehen, die alle paar Sekunden einen Witz reissen. In einer Rede ist der Humor aber nur dazu da, das unterhaltsam zu verpacken, was man eigentlich sagen will. Ich würde also sowohl Meghan Markle wie auch jedem anderen Redner empfehlen, keine Comedy Show zu veranstalten. Stattdessen reichen zwei oder drei Witze, mit denen man niemanden vor den Kopf stösst.

Langweilen will man die Gäste aber auch nicht.

Deswegen würde ich eine Hochzeitsrede immer sehr kurz halten. Drei Minuten sind ideal, fünf die absolute Obergrenze. Meistens gibt es ja mehrere Redner.

Sitzt Meghan Markle gerade am Schreibtisch und brütet über ihren Sätzen, schleift an Formulierungen? Oder wird auch sie professionelle Redenschreiber engagiert haben?

Ich bin ganz sicher, dass da Profis mitarbeiten. Gerade bei einem so wichtigen Anlass kann ich mir nicht vorstellen, dass im englischen Königshaus jemand darauf verzichten möchte. Im angelsächsischen Raum ist das ohnehin weit verbreitet.

Ist das nicht etwas unpersönlich?

Ich würde sogar sagen, dass Hochzeitsreden oft persönlicher sind, wenn sie von einem professionellen Schreiber stammen. Bevor man den Chef um eine Gehaltserhöhung bittet, sollte man auch einen Bekannten fragen, wie er das zur Sprache bringen würde. Nichts anderes bieten Redenschreiber wie ich an. Wenn jemand selbst nicht gut formulieren kann, wird es für ihn schwierig, das, was er sagen will, in seiner Rede rüberzubringen. Ich formuliere die Botschaft dagegen so, dass sie beim Publikum auch ankommt. Dafür führe ich mit dem Kunden zuerst ein sehr ausführliches Telefonat. Wir besprechen genau, was derjenige sagen möchte. Manchmal mache ich Vorschläge. Aber eigentlich hat ja jeder bei so einem Anlass etwas zu sagen, das er zum Ausdruck bringen möchte. Meine Aufgabe ist es nicht, die Botschaft vorzugeben, sondern sie ansprechend zu verpacken.

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Wie kommen Sie auf die Ideen für ihre Reden?

Inspiration nehme ich überallher, wo ich sie kriegen kann. Ich habe mir aus Ratgebern, Filmen und Internetvideos ein sehr grosses Repertoire an Formulierungen zusammengesucht. Sätze, die man stets so abwandeln kann, dass sie zum konkreten Anlass passen. Eine gute Idee für eine Pointe kann man immer wieder nutzen.

Sie selbst sind noch nicht verheiratet. Würden Sie bei ihrer eigenen Hochzeit auf ihre Fähigkeiten als Redenschreiber vertrauen?

Ich würde meine Rede selber schreiben, hätte aber keine Hemmungen, mir dabei helfen zu lassen. Manchmal ist es schon ein bisschen komisch, wenn man für Menschen, die bald heiraten, die richtigen Worte finden muss, obwohl man diese Erfahrung selbst noch nicht gemacht hat. Aber das kommt vielleicht noch.

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