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Japanerin bekommt Recht in Prozess wegen Vergewaltigung

Die Journalistin Shiori Ito wirft einem prominenten Reporter vor, sie missbraucht zu haben. Das Urteil erregt international Aufsehen.

Hat einen Teilsieg vor Gericht errungen: Die japanische Journalistin Shiori Ito. Bild: Franck Robichon, EPA/Keystone
Hat einen Teilsieg vor Gericht errungen: Die japanische Journalistin Shiori Ito. Bild: Franck Robichon, EPA/Keystone

Japans Vorkämpferin der #MeToo-Bewegung, die Journalistin Shiori Ito, hat vor Gericht eine Entschädigung wegen Vergewaltigung erstritten. Verurteilt wurde Noriyuki Yamaguchi, ein früherer Fernsehreporter mit mutmasslich engen Beziehungen zum japanischen Regierungschef Shinzo Abe. Ein Gericht in Tokio sprach der 30-Jährigen Ito am Mittwoch in einem Zivilverfahren 3,3 Millionen Yen (27'500 Euro) Schadenersatz zu.

«Wir haben gewonnen», sagte Ito vor dem Gerichtsgebäude. «Die Gegenklage wurde zurückgewiesen.» Unterstützer der 30-Jährigen feierten den Prozessausgang mit Jubelrufen und Applaus, auch wenn Ito elf Millionen Yen Entschädigung gefordert hatte. Laut Gerichtsunterlagen leidet sie wegen der Tat bis heute an Panikattacken.

Die Geschichte der jungen Journalistin ging um die Welt. Der Sieg sei unter anderem auch auf die Aufmerksamkeit der internationalen Medien zurückzuführen, schreibt der «Spiegel».

Yamaguchi will Urteil anfechten

Seinen Anfang nahm die Geschichte 2015. Ito und Yamaguchi hatten sich für ein Abendessen verabredet, um über potenzielle Jobaussichten der jungen Journalistin zu sprechen. Laut mehreren Medienberichten habe sie dann in einem Sushi-Restaurant ihr Bewusstsein verloren und sei im Bett des prominenten Fernsehreporters wieder aufgewacht – der 53-Jährige nackt auf ihr liegend. Ito behauptete sodann, von ihm betäubt worden zu sein. Dieser dementierte das jedoch vehement.

Ist sich keiner Schuld bewusst: Der 53-Jährige Fernsehreporter Noriyuki Yamaguchi. Bild: Franck Robichon, EPA/Keystone
Ist sich keiner Schuld bewusst: Der 53-Jährige Fernsehreporter Noriyuki Yamaguchi. Bild: Franck Robichon, EPA/Keystone

Die Anklage Itos und die Forderung nach elf Millionen Yen konterte Yamaguchi mit einer Gegenklage. Für die angebliche Rufschädigung und Verletzung der Privatsphäre forderte er nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN rund 130 Millionen Yen (etwa 1,1 Millionen Franken). Das Gericht in Tokyo lehnte diese Klage am Mittwoch jedoch ab. Die Handlung sei gegen Itos Willen durchgeführt worden und sie habe kein Motiv für eine Falschaussage, sagte der vorsitzende Richter. «Im Gegensatz dazu veränderten sich Yamaguchis Erklärungen unangemessen häufig, was ernsthafte Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit aufkommen liess.»

Auch nach der Urteilsverkündung beharrte Yamaguchi auf seiner Unschuld. «Ich habe nie irgendetwas getan, dass gegen das Gesetz verstossen würde», sagte er. Er werde Berufung einlegen, so der 53-Jährige.

Schwieriger Stand für Japanerinnen

Der Spiegel bezeichnet den vorläufigen Sieg Itos vor Gericht als «Meilenstein für die von Männern dominierte Gesellschaft» Japans. Nur vier Prozent der Vergewaltigungsopfer würden Anzeige gegen ihre Peiniger erstatten, heisst es in der Zeitung. Hinzu komme, dass Frauen in der traditionellen japanischen Gesellschaft ohnehin einen schwierigen Stand hätten. Sie müssten sich rechtfertigen und erlebten Repressalien, wenn sie sich öffentlich auflehnten. Das tat Ito im Jahr 2017 mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit. Wegen den anschliessenden Anfeindungen seitens ihrer Landesgenossen und -genossinnen flüchtete die Journalistin im letzten Jahr nach Grossbritannien, erzählte sie CNN.

Auch das Vorgehen der Polizei prangerte Ito an. So habe sie auf erniedrigende Weise den Tatverlauf an besagtem Abend der Vergewaltigung nachstellen müssen. «Ich musste mich auf den Boden legen. Drei der vier männlichen Ermittlern hatten eine Kamera. Sie legten diese lebensechte Puppe auf mich, bewegten sie und machten Fotos», schilderte sie ihre Erlebnisse in einem Interview.

Mit dem vorläufigen Sieg hofft Ito nun, dass ihr Fall und die Entscheidung des Gerichts als Präzedenzfall für zukünftige Fälle von sexuellem Missbrauch dienen und zu Änderungen im Strafrecht führen werde, die den Opfern mehr Schutz bieten, wie die «Japan Times» schreibt. Und die NZZ bestätigt: Das japanische Parlament habe die minimale Gefängnisstrafe für verurteilte Vergewaltiger bereits von drei auf fünf Jahre erhöht. Ausserdem sei die Definition, wer als Opfer sexueller Gewalt gilt, auf Männer ausgeweitet worden. Das Gesetz solle derweil noch weiter verschärft werden.

(SDA)

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