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Komische Kerle

Männer sind lustiger als Frauen, sagt die Forschung. Aber hat es mit Rollenerwartungen zu tun oder mit der Evolution?

Wäre er auch lustig als Frau? Oder will er den Frauen imponieren? Komiker Peach Weber bei einem Auftritt. Foto: Keystone
Wäre er auch lustig als Frau? Oder will er den Frauen imponieren? Komiker Peach Weber bei einem Auftritt. Foto: Keystone

Welches der Geschlechter reisst eigentlich die besseren, lustigeren Witze? Psychologen um Gil Greengross haben sich an diese heikle Geschlechterfrage gewagt und versucht, sie in einer breit angelegten Meta-Analyse zu beantworten.

Dafür haben sie 28 Studien mit insgesamt mehr als 5000 Teilnehmern ausgewertet. Laut Ergebnis verfügen Männer über eine leicht ausgeprägtere «Fähigkeit zur Humor-Produktion», wie die Forscher das humorlos im Fachblatt «Journal of Research in Personality» formulieren.

Die meisten der untersuchten Arbeiten erschienen zwischen 1976 und 2018, liefen nach einem ähnlichen Schema ab: Die Teilnehmer, Männer und Frauen, mussten etwa Sprechblasen in Cartoons ausfüllen oder Bilder mit lustigen Unterschriften versehen. Die Ergebnisse wurden von Jurys bewertet und nach Lustigkeit sortiert – natürlich ohne dass die Humorrichter wussten, ob ein Witz von einem Mann oder einer Frau stammte.

Unter den Arbeiten waren Studien, die Effekte in alle Richtungen ergaben – Männer lustiger, Frauen lustiger, beide gleich lustig.

Die Psychologen schlossen zudem zahlreiche Faktoren aus, die ein Ergebnis verzerren könnten. Das Geschlecht der Erstautoren der Studien etwa hatte keinen Einfluss. Zudem fand Greengross keine Indizien für einen Publication Bias, also dafür, dass nur Studien mit einem gewünschten Ergebnis publiziert wurden: Unter den Arbeiten waren Studien, die Effekte in alle Richtungen ergaben – Männer lustiger, Frauen lustiger, beide gleich lustig.

Das Stereotyp lebt

Das Ergebnis zugunsten der Männer bestätigt ein weitverbreitetes Klischee: In einer Befragung aus dem Jahr 2012 gaben zum Beispiel 94 Prozent der Männer und 89 Prozent der Frauen an, dass Männer lustiger seien. Das Stereotyp lebt, und angesichts der aktuellen Arbeit liesse sich sagen: Es ist eben auch etwas dran. Natürlich könnte das Klischee vom lustigen Mann und der humorbefreiten Frau auch eine selbsterfüllende Prophezeiung sein. Greengross weist darauf hin, dass ein Grund für das Ergebnis Rollenerwartungen sein könnten. Wenn lustige Frauen weniger geschätzt werden, dann werden auch wenige Frauen lustig sein.

Greengross erklärt das Ergebnis jedoch auch aus Sicht der Evolutionstheorie: Frauen seien das Geschlecht, das in der Partnersuche deutlich wählerischer sei. Männer müssen sich demnach heftig ins Zeug legen, um attraktiv zu wirken. Dabei stehen sie vor allem in Konkurrenz zu anderen Typen. Manche Forscher gehen so weit, Kunst, Sport, Poesie und eben auch Humor als Ergebnisse der Balzkonkurrenz zu betrachten.

Dieser Argumentationslinie zufolge sind Männer also lustiger, weil sie so erfolgreich um die Gunst von Frauen werben. Zumindest haben Studien gezeigt, dass Frauen im Schnitt eher nach einem Mann suchen, der sie zum Lachen bringt; und Männer suchen eher Frauen, die über ihre Witze lachen. Hauptsache, am Ende haben alle Spass.

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