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Mit Wolle zurück zur Natur

Natur ist Trumpf. Darum setzen Textilhersteller in der Outdoorbranche immer mehr auf Naturfasern – zum Beispiel auf Wolle. Aber ist Natur auch immer besser?

Das Merinoschaf: Seine Wolle ist besonders fein und kratzt nicht. In Neuseeland werden jährlich rund acht Millionen Kilogramm Merinowolle produziert.
Das Merinoschaf: Seine Wolle ist besonders fein und kratzt nicht. In Neuseeland werden jährlich rund acht Millionen Kilogramm Merinowolle produziert.
zvg

Zurück zur Natur. Danach sehnen sich immer mehr Menschen – was sich auch im ungebrochenen Wachstum der Outdoorbranche zeigt. Outdoorkleider waren aber bisher alles andere als natürlich, sondern von synthetischen Fasern dominiert.

Berggänger und andere Naturfreunde sind jedoch sensibel für ökologische Fragen und wollen sich mit so viel Natur wie möglich umgeben. Das erklärt unter anderem den kometenhaften Aufstieg des neuseeländischen Labels Icebreaker, das für seine Unterwäsche aus Merinowolle bekannt ist. Nach eigenen Angaben ist Icebreaker seit 2003 jährlich zwischen 30 und 50 Prozent gewachsen. Merinoschafe liefern sehr feine Wolle, die sich selbst direkt auf der Haut weich anfühlt und nicht kratzt. Inzwischen gibt es zahlreiche Nachahmer mit klingenden Namen wie Smartwool oder Woolpower. Zudem werden laufend neue Fasern aus natürlichen Rohstoffen wie zum Beispiel Kokosnuss, Mais oder Bambus entwickelt (siehe Kästchen).

Ist natürlich ökologischer?

Doch ist die Rückkehr zur Natur überhaupt ökologischer? «Der konventionelle Anbau der Naturfaser Baumwolle ist eine Katastrophe», sagt Textiltechniker Marcel Halbeisen von der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa). Die genmanipulierten Monokulturen würden nur unter dem Einsatz von massiv viel Chemie gedeihen, was aus den Baumwollfeldern wahre Giftbomben mache. «Biobaumwolle und Wolle schneiden im Vergleich nicht schlecht ab, die Herstellung von Polyester benötigt aber weniger Wasser und keine Anbaufläche.» Am meisten Ressourcen schone rezykliertes Polyester aus PET-Flaschen. Die bestehen zwar aus Erdöl, einem nicht nachwachsenden Rohstoff, aber daraus Textilien herzustellen sei immerhin sinnvoller, als das schwarze Gold einfach zu verbrennen.

Und wie schneiden Naturfasern beim Tragkomfort ab? «Es kommt immer darauf an, welche Sportart man betreibt und wie viel man dabei schwitzt», so Empa-Forscher Halbeisen. Generell seien synthetische Fasern bei grosser Intensität im Vorteil: Sie saugen sich nicht mit Wasser voll und trocknen daher schneller. Man spricht in diesem Zusammenhang von funktionellen Textilien, wobei manche eine spezielle Gewebe- oder Maschenstruktur aufweisen, die den Abtransport des Schweisses begünstigen; andere sind mit Silber durchsetzt, das antibakteriell wirkt und so Geruch verhindert.

Was ist der Vorteil?

«Naturfasern riechen nicht so schnell, da der Schweiss nicht auf ihrer Oberfläche bleibt, sondern ins Innere dringt. Das entzieht den Bakterien, deren Abfallprodukte für den schlechten Geruch verantwortlich sind, die Nahrungsgrundlage», erklärt Halbeisen. Somit bietet sich Wolle zum Beispiel auf einer mehrtägigen Bergtour an. Zudem hält Wolle als Tierhaar – im Gegensatz zur pflanzlichen Faser Baumwolle – auch im feuchten Zustand noch relativ warm.

Ist Schwitzen schlecht?

Vielfach empfehlen sich mehrere Lagen aus unterschiedlichen Materialien: ein Unterhemd aus Synthetik und darüber wärmende Wolle. «So liegt die feuchte Schicht nicht direkt auf der Haut», erklärt der Experte. Allerdings laufe man mit dieser Kombination Gefahr zu überhitzen: «Schweiss dient dem Körper als Kühlmittel. Wenn er immer gleich entfernt wird, kann er seine Funktion nicht erfüllen.»

So oder so: Natur ist derzeit angesagt. Aber anstatt bloss auf den Ökobonus einer Faser zu achten, empfiehlt Empa-Experte Halbeisen, das eigene Konsumverhalten zu überdenken: «Kleider möglichst lange zu tragen wäre das Beste – auch wenn die Modeindustrie dies natürlich verhindern will. So lassen sich die Ressourcen am effektivsten schonen.»

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