Nach dem Smartphone

Wann kommt die nächste grosse Technologie – und was wird sie sein?

Das Smartphone ist das beherrschende elektronische Gerät unserer Zeit. Wie lange noch? Foto: Angel Garcia (Bloomberg, Getty)

Das Smartphone ist das beherrschende elektronische Gerät unserer Zeit. Wie lange noch? Foto: Angel Garcia (Bloomberg, Getty)

Menschen wie Craig Mundie gehören nicht zu den Ersten, die einem einfallen, wenn man an den Softwarekonzern Microsoft denkt. Mundie, inzwischen 70, schwirrte bis 2014 auf dem Campus in Redmond herum, nannte sich Berater des Chefs, heute berät er mit einer eigenen Firma andere Chefs in Sachen digitaler Wandel.

Einst aber war der langjährige Weggefährte von Microsoft-Mitgründer Bill Gates dessen Nachfolger als Stratege. Mundies Job war es, zu erspüren, wohin sich die Welt der Informationstechnologie entwickeln würde.

2008 sagte er: «Zuerst werden viele einzelne Dinge erfunden, manche davon kommen auch schon auf den Markt. Aber am Ende kommt es zu einer Vereinigung all dieser einzelnen Techniken, erst dann verändert sich die technologische Welt von Grund auf.»

Aus heutiger Sicht lesen sich diese Sätze wie die wunderbar präzise Theorie einer Revolution, die zwar von Technik ausgelöst wurde, die es ohne sie nicht gegeben hätte. Aber, so lässt sich Mundie interpretieren: Im Smartphone, dem beherrschenden elektronischen Gerät unserer Zeit, kamen auch bloss Dinge zusammen, für die es eben an der Zeit war. Displays, auf die man nicht mehr fest drücken muss wie auf die früheren Berührungsbildschirme, nein, ein kurzes Tippen, ein Wischen genügt. Die Innereien wie Prozessor und Akku, und – nicht zu vergessen – der Aufstieg des mobilen Internets taten ein Übriges.

Die Methoden der KI sind nichts Neues

Craig Mundie sprach auch davon, dass neue Technologien sich über Jahre wie hinter einem Damm stauen würden, um dann plötzlich zu Tal zu donnern. Etwa alle 15 Jahre brächen sich die Massen Bahn. Wenn das stimmt, sollte es nicht mehr lange dauern, bis die nächste Welle rollt. Aber – was sammelt sich da, was wird aus dem Mix entstehen? Gerne wüsste man: Was kommt nach dem Smartphone?

Die Frage ist weniger, ob wir noch in Jahrzehnten mit mobilen Internetcomputern herumlaufen werden, die mehr aus Tradition denn wegen ihrer tatsächlichen Nutzung Telefone heissen. Es ist sogar ziemlich wahrscheinlich, dass uns diese Geräte noch eine gute Weile begleiten werden.

Gemessen am Hype, der seit einigen Jahren darum entfacht wird, scheint es einen natürlichen Kandidaten für die Welle zu geben: künstliche Intelligenz (KI). Es gehört schon fast zum guten Ton für jedes Start-up, «irgendetwas mit KI» zu machen. Auch Konzerne stecken gigantische Summen in die Technologie.

Es ist bloss so: Dabei werden Verfahren angewendet, die schon vor Jahrzehnten entwickelt wurden. Nur gab es damals nicht die Rechenkapazität, sie auszuführen. Die Verfahren wurden zwar verfeinert, etwas grundlegend Neues enthalten sie allerdings nicht. Das zeigt das Problem: Der Begriff KI wird für vieles genutzt. Das meiste, was unter dem Schlagwort verkauft wird, ist eigentlich nichts anderes als maschinelles Lernen.

Manches können wir nicht wissen

Das ist eine wichtige Voraussetzung für KI, aber noch keine Intelligenz, die menschenähnliche oder sogar übermenschliche Leistungen vollbringt. So sehr KI- oder Quasi-KI-Anwendungen schon in unser Leben eindringen, zum Beispiel mit den sprachgesteuerten Lautsprechern von Amazon, Google oder Apple – damit es zu einer neuen Welle kommt, müsste es schon einen grösseren Durchbruch geben.

Oder kommt etwas ganz anderes? Eine gute Antwort darauf hat 2002 einer gegeben, der kein Techniker ist, aber ein geschickter Stratege, ein Techniker der Macht: der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Er sagte: «Es gibt auch Unwissen, von dem wir nichts wissen. Die Dinge, die wir nicht wissen – wir wissen sie nicht.»

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt