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So wirken ältere Männer noch älter

In die Jahre gekommene Playboys handeln falsch, wenn sie sich mit deutlich jüngeren Damen umgeben. Dadurch wirken sie eher noch älter, wie Psychologen der Uni Jena herausgefunden haben. Wer hingegen jünger aussehen möchte, sollte ältere Menschen gleichen Geschlechts um sich scharen.

«Playboy»-Gründer Hugh Hefner umgibt sich sehr gerne mit sehr jungen Frauen. Ginge es ihm aber darum, jünger zu wirken, als er ist – 84 –, sollte er eher ältere Männer um sich scharen.
«Playboy»-Gründer Hugh Hefner umgibt sich sehr gerne mit sehr jungen Frauen. Ginge es ihm aber darum, jünger zu wirken, als er ist – 84 –, sollte er eher ältere Männer um sich scharen.
Keystone

Wer gerne für jünger gehalten werden möchte, sollte sich mit älteren Menschen umgeben statt mit jüngeren – und zwar am besten mit solchen gleichen Geschlechts. So lässt sich eine Studie von Psychologen der Universität Jena zusammenfassen, die kürzlich in der Fachzeitschrift «Vision Research» publiziert worden ist.

Vergleichen und schätzen

Danach schätzen wir das Alter unserer Mitmenschen immer im Vergleich zu ebenfalls anwesenden Personen ein. Sehen wir zum Beispiel eine 40-jährige Professorin im Gespräch mit 20-jährigen Studierenden, halten wir sie für älter, als wenn sie alleine am Pult des ansonsten menschenleeren Hörsaals steht. «Menschen sind eigentlich sehr gut darin, das Alter ihres Gegenübers zu schätzen», sagt Psychologe Holger Wiese. Der Jenaer Psychologe ist verantwortlich für eines der sechs Projekte in der Forschergruppe «Wahrnehmung von Personen», die von Professor Stefan Schweinberger geleitet wird. Doch diese Fähigkeit ist variabel.

Hatten die Testpersonen – in Jena waren es 48 Studierende beiderlei Geschlechts – zunächst am Bildschirm eine Reihe von alten Gesichtern gesehen, schätzten sie das Antlitz eines mittelalten Menschen deutlich jünger ein, als es den Tatsachen entsprach. Auch umgekehrt ergab sich dieser Effekt: Das mittelalte Gesicht erschien den Studenten älter, wenn sie zuvor nur junge Menschen gezeigt bekommen hatten. «Diese Effekte treten unabhängig von Alter und Geschlecht der Betrachter auf», sagt Stefan Schweinberger.

Die Fehleinschätzung war noch stärker, wenn die vorab gezeigten Gesichter und das danach präsentierte Vergleichsgesicht zu Menschen gleichen Geschlechts gehörten. Somit erscheint man noch jünger, wenn man sich unter deutlich ältere Geschlechtsgenossen mischt – und umgekehrt.

Allerdings wisse noch niemand, wie lange dieser Effekt anhalte, fügt Schweinberger hinzu. Im Experiment wurde er nur innerhalb weniger Sekunden nach der Präsentation der Gesichterfotos überprüft. Ob also zum Beispiel männliche Bewohner eines Altersheims einen jungen Praktikanten auch noch nach Wochen um Jahre jünger schätzen, als er in Wahrheit ist, lässt sich aus den Ergebnissen der Studie nicht ableiten. Aber der erste Eindruck würde vermutlich sehr wohl in diese Richtung gehen, meint der Wahrnehmungspsychologe. Eine ähnliche, noch unveröffentlichte Studie mit älteren Testpersonen ist laut Schweinberger «im Wesentlichen zu denselben Ergebnissen» gekommen.

Nicht untersucht haben die Jenaer Psychologen das bemerkenswerte Alltagsphänomen, dass die wirklich alten Menschen immer jene zu sein scheinen, die wenigstens 5 oder 10 Jahre älter als man selber sind – ganz gleich, ob man nun 25, 55 oder 65 Lenze zählt. Solange es Ältere gibt, ist man selbst offenbar ein vergleichsweise junger Hüpfer. Schweinbergers von einem Schmunzeln begleiteter Kommentar hierzu: «Wir haben eben psychologische Schutzmechanismen, die uns davor bewahren, uns selbst schlecht zu finden.»

Wer sich selber jünger fühlen möchte, kann obendrein etwas dafür tun. In ihrem 2009 erschienenen Buch «Counterclockwise» (gegen den Uhrzeigersinn) beschreibt die Wissenschaftlerin Ellen Langer die faszinierenden Zusammenhänge zwischen einem geänderten Lebensumfeld und den Folgen für das persönliche Altersgefühl. In einer aufsehenerregenden Studie hatte die US-Psychologin von der Harvard University schon vor über 30 Jahren zeigen können, dass Menschen sich plötzlich viel jünger fühlen können, wenn ihre Lebensumstände zeitlich «zurückgedreht» werden. 1979 lud Langer eine Reihe von Männern im Alter von 80 Jahren dazu ein, sieben Tage in einem abgelegenen Kloster in New Hampshire zu verbringen. Dessen Inneneinrichtung hatten die Wissenschaftler so täuschend echt verändert, als schreibe man gerade das Jahr 1959 – nicht 1979. Im Fernsehen liefen Schwarzweissfilme, und es erklang Jazzmusik von Nat «King» Cole (1917–1965).

Zurückgedrehte Lebensuhr

Das Ergebnis verblüfft noch heute: Die Versuchsteilnehmer wirkten am Ende auf Fotos nicht nur jünger auf neutrale Betrachter; ihre geistigen Kräfte waren auch messbar gestiegen. Zudem plagte sie ihre Arthritis in den Handgelenken weniger, und sie konnten die Hände geschickter als zuvor bewegen. Anders ausgedrückt: Das Experiment hatte die Lebensuhr der alten Herren scheinbar um Jahre zurückgedreht.

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