Trotz Kindern kein Karriereknick

Susanne Kunz ist im Mutterschaftsurlaub, Mona Vetsch, Susanne Wille und Cécile Bähler sind schwanger. Jede der Promifrauen hegt ihre eigenen Vorstellungen von einem Leben mit Kind und Karriere.

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Hollywoodstar und karitative Weltenbummlerin Angelina Jolie schafft es. Model, Moderatorin und Geschäftsfrau Heidi Klum lächelt dabei sogar unentwegt. Und auch hierzulande scheuen sich berufstätige Promimütter nicht, Karriere, Kinder und Medienpräsenz unter einen Hut zu bringen.

Das jüngste Beispiel ist «1 gegen 100»-Moderatorin Susanne Kunz, die im Dezember ihr zweites Kind auf die Welt brachteund im August zum Schweizer Fernsehen zurückkehren wird. Ähnlich wie die langjährige «10 vor 10»-Moderatorin Susanne Wille, die mit ihrer dritten Schwangerschaft gar neue Karrierepläne hegt. Die Ehefrau von SF-Nachrichtenmann Franz Fischlin wird nach dem Mutterschaftsurlaub vom Nachrichtenstudio hinter die Kamera wechseln — in das SF-Reporterteam mit Schwerpunkt Bundeshaus.

Wie es eine bekannte Fernsehfrau schafft, sowohl der Kinderschar wie auch dem Arbeitgeber gerecht zu werden, ist von ihr allerdings nicht zu erfahren. Das Ehepaar Wille-Fischlin verzichtet auf das Ausplaudern jeglicher Privatangelegenheiten. Susanne Kunz dagegen gibt Auskunft über ihr Familienmanagement. «Mein Mann und ich verfügen über flexible Arbeitszeiten», sagt die Fernsehfrau. «Ohne Fremdbetreuung würden wir es allerdings nicht schaffen, Berufs- und Familienalltag zu verbinden.»

Zufriedener mit Doppelleben

Susanne Kunz hat ein reines Hausfrauendasein nie in Betracht gezogen. «Mein Beruf erfüllt mich ebenso sehr wie mein Familienleben», sagt die Moderatorin und Schauspielerin. Diese Meinung teilt sie mit dem Schweizer Topmodel Sarina Arnold. Obwohl ihr Job mit zahlreichen Reisen und längeren Abwesenheiten verbunden ist, hat die Mutter einer dreijährigen Tochter nie ans Aufhören gedacht. «Mein Modeljob bereitet mir grosse Freude», sagt sie. «Ausserdem tut es jeder Mutter gut, hin und wieder auch ausserhalb des Daheims im Mittelpunkt zu stehen.»

Für Liliane Schulthess, Leiterin Erziehungsberatung Bern, hat das moderne weibliche Multitasking einen durchaus «bereichernden Aspekt». Sie ist der Überzeugung, dass Frauen, denen sowohl das Muttersein wie auch die Arbeit wichtig sind, zufriedener sind, wenn sie das eine mit dem anderen verbinden können.

Mit dem Vorurteil, prominente Karrieremütter seien egoistisch, kann Liliane Schulthess nicht viel anfangen. «Solange die Mütter eine zuverlässige und liebevolle Kinderbetreuung sicherstellen können, ist diese Lebensform nicht verwerflich.» Bei einer Nanny, dem Grosi oder einer Krippenleiterin, die einfühlsam und mit klaren Erziehungsleitlinien auf die Kinderbedürfnisse eingehen, seien die Kinder gut aufgehoben. «Wichtig ist, dass die Mütter für ihre Kinder erreichbar sind und die gemeinsam verbrachte Zeit eine hohe Qualität aufweist», so Schulthess.

Promistatus spielt keine Rolle

Laut der Erziehungsexpertin dürfe man in dieser Diskussion aber nicht vergessen, dass sich nicht alle Frauen bloss der Selbstverwirklichung wegen für die Kombination von Kind und Karriere entscheiden. Egal ob prominent oder nicht: «Es gibt unzählige allein erziehende Mütter und auch Väter, denen gar nichts anders übrig bleibt, als Arbeit und Kinder unter einen Hut zu bringen», sagt sie. «Was überhaupt nicht heissen muss, dass sie sich als Eltern nicht bewähren.» Im Unterschied zu den klassischen «Hausfrauen» würden sie ganz einfach in mehreren Rollen beansprucht.

Die Freiheit kürzerzutreten

Zugespitzt ausgedrückt, können es sich Mütter, deren Prominenz gleichzeitig eine stabile finanzielle Sicherheit bedeutet, leisten, die besten Mütter der Welt zu sein. Ruft die Arbeit, so ist ihnen keine Betreuung zu teuer. Model Heidi Klum, Schauspielerin Angelina Jolie und auch die schwangere Fussballergattin Victoria Beckham gehören in diese Kategorie. «Sie können es sich leisten, ihre Kinder zur Arbeit mitzunehmen und vor Ort betreuen zu lassen», sagt Liliane Schulthess. Auf ein abgeschlossenes Projekt folgen dann oft mehrere freie Monate, in denen sie voll und ganz für ihre Kinder da sein können.

Doch selbst unter den grössten Promis gibt es Frauen, die sich fürs Muttersein vom Rampenlicht verabschieden. Erst kürzlich hat sich Hollywoodschauspielerin und Mutter Annette Bening nach zweijähriger Drehpause zurückgemeldet. Schauspielkollegin Gwyneth Paltrow blieb dem Filmbusiness für ihre Kinder fast vier Jahre fern.

In der Schweiz schlägt Wetterfee Cécile Bähler einen ähnlichen Weg ein. Um sich voll und ganz aufs Baby konzentrieren zu können, kündigte die werdende Mutter ihren Job beim Schweizer Fernsehen. Wann sie ins Berufsleben zurückkehrt, lässt sie offen. Weil die Berner SP-Nationalrätin Ursula Wyss erfuhr, dass sie schwanger ist, beschloss sie, auf die erneute, aufwendige Kandidatur für den Ständerat zu verzichten.

Ob prominente Multitasking-Mama oder Normalsterbliche: Die Zeiten, in denen die Frauen mit der ersten Schwangerschaft beruflich ausgeträumt hatten, sind für alle vorbei.

Berner Zeitung

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