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«Was wird nun aus uns, die geheilt sind?»

Marie Boongo hat Ebola überlebt, doch nun steht sie vor dem Nichts: Während sie zwischen Leben und Tod schwebte, starben acht ihrer neun Kinder.

Hier wurde Marie Boongo behandelt: Das Ebola-Behandlungszentrum in Lokolia. (5. Oktober 2014)
Hier wurde Marie Boongo behandelt: Das Ebola-Behandlungszentrum in Lokolia. (5. Oktober 2014)
Kathy Katayi, AFP

Die Kongolesin Marie Boongo verkannte die ersten Anzeichen ihrer Ebola-Erkrankung. «Wir waren bei einer Beerdigung, und ich fühlte mich, als hätte ich Malaria», erzählt sie. An ihre Ankunft im Krankenhaus kann sie sich nicht erinnern. Dafür umso mehr an die Folgen: «Von denen aus meiner Familie, die mich ins Krankenhaus brachten, habe ich keinen wiedergesehen – sie starben, ohne dass ich es wusste.»

Während der 30 Tage, in denen sie zwischen Leben und Tod schwebte, starben acht ihrer neun Kinder und zwei ihrer Enkel an dem Virus. «Was wird nun aus uns, die geheilt sind?», fragt die 58-Jährige hilflos. Wie sie kämpfen viele Überlebende mit Trauer, Depressionen oder der Stigmatisierung durch ihr Umfeld.

Mitte September verliess Boongo das Behandlungszentrum von Ärzte ohne Grenzen in Lokolia etwa 800 Kilometer nordöstlich von Kinshasa. Die Kongolesin ist eine der zwölf Überlebenden der Epidemie, an der seit Ende Juli in einer abgelegenen Gegend im Nordwesten der Demokratischen Republik Kongo 43 Menschen starben. Hier gibt es keinen Strom, kein fliessend Wasser und keine asphaltierten Strassen.

Psychologe hilft Überlebenden

Olea Balayi vom kongolesischen Gesundheitsministerium hilft den Überlebenden, ihren Platz in der Gesellschaft wiederzufinden. Oft hätten sie in den Dörfern des Regenwaldes mit Stigmatisierung zu kämpfen, sagt der Psychologe. Ebola «macht Angst», sagt er weiter. «Das ist normal, aber man sollte auch nicht übertreiben.» Die Epidemie in Lokolia ist der siebte Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo, seit das Virus dort im Jahr 1976 entdeckt wurde. Dass der jetzige Ausbruch mit der Epidemie in Liberia, Guinea und Sierra Leone nichts zu tun haben soll, hilft den Kranken nur wenig – die Reaktionen sind überall gleich.

Viele Überlebenden leiden laut Balayi an Depressionen. Deshalb wappnet er sie gegen «die Reaktionen des Umfeldes, der Gemeinde» vor. Den Dorfbewohnern erklärt er, dass der Überlebende «wieder normal» sei und man ihn «nicht aufgeben» dürfe. Auch Boongo begleitete Balayi in ihr Dorf. «Um zu beweisen, dass sie keine Gefahr mehr darstellte, begrüssten wir sie vor allen Leuten», berichtet der Psychologe.

Trotzdem verliess die 58-Jährige ihr Heimatdorf kurz darauf wieder und kehrte zum Behandlungszentrum im Regenwald zurück. «Ich konnte es nicht ertragen, meine Kinder nicht mehr zu sehen», sagt Boongo. Für das Personal in der aus Zelten zusammengebauten Ebola-Station ist ihre Hilfe wertvoll, da sie als Überlebende gegen das Virus immun ist. Ohne Furcht vor Ansteckung kann Boongo nun Patienten betreuen. Zunächst kümmerte sie sich um Kinder, die auf ihre erkrankten Eltern warten. Seit einigen Tagen leistet sie einem Kleinkind Gesellschaft, das wegen verdächtiger Symptome von den anderen isoliert wurde.

Vor den orangefarbenen Absperrungen wartet Boongos Mann Bokomo Iruje, der von der Krankheit verschont blieb. «Wir werden wieder zusammen leben, sie ist meine Frau», sagt der Rot-Kreuz-Angestellte. «Und da sie geheilt ist, danke ich Gott. Ich muss keine Angst haben, mit ihr zu leben.»

AFP/mw

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