Wenn Zigaretten schlimmer sind als Frauenhasser

Dass man sich über Tabak-Multi Philip Morris als Sponsor empört, aber nicht über die Geschlechter-Apartheid in Dubai, empört unsere Autorin.

Bettina Weber@sonntagszeitung

Die Zigarettenindustrie ist nicht mehr salonfähig. Sie mag finanziell potent sein, dennoch will niemand etwas mit ihr zu tun haben. Sie gilt schlicht als unappetitlich. Deshalb ist die Welt auch wieder in Ordnung, seit sich die Schweiz ihren Expo-Pavillon in Dubai nächstes Jahr nun doch nicht vom Tabak-Multi Philip Morris finanzieren lassen will. Richtig so.

Im Gegensatz zur Zigarettenindustrie ist Dubai überaus salonfähig. Der Islam, heisst es gerne, werde in den Vereinigten Arabischen Emiraten, zu denen Dubai gehört, vergleichsweise liberal ausgelegt, immerhin erlaube man den Frauen das Autofahren! Was nichts daran ändert, dass sie von Gesetzes wegen als Menschen zweiter Klasse gelten und auch so behandelt werden.

In Dubai herrscht nichts anderes als Geschlechter-Apartheid.

Das ist zwar ebenfalls unappetitlich, aber die Empörung darüber, dass die Expo in einem Land stattfindet, das der Hälfte seiner Bevölkerung die Würde abspricht, hielt sich in argen Grenzen. Man will es sich mit den reichen Arabischen Emiraten nicht verscherzen.

Währenddessen laufen sie weg, die Frauen. Prinzessin Haya, sechste Gattin des Emirs von Dubai, ist letztes Jahr nach London geflüchtet, dort findet gerade der Prozess um das Sorgerecht der beiden jüngeren Kinder statt. Davor hatten es bereits zwei Töchter versucht; beide wurden im Ausland aufgespürt und gewaltsam von Häschern des Emirs nach Hause zurückgebracht. Die eine ist danach nie wieder aufgetaucht, die andere präsentierte man kurz darauf in einem Video; sie wirkte sediert.

Das weiss man alles. Trotzdem reicht die Geschlechter-Apartheid nicht, um hierzulande für Protest zu sorgen. Oder gar dafür, dass die Welt sich angewidert abwenden und, wie im Falle von Südafrika zu Zeiten der Rassen-Apartheid, einen Boykott beschliessen würde.

Denn es sind ja nur Frauen, nicht wahr?



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