Auf den Löffel gekommen

Designobjekt Holzlöffel: Junge Kreative entdecken das Essbesteck.

«Das Schönste der drei Essbestecke»: Holzlöffel von Designerin Patrizia Keller.

«Das Schönste der drei Essbestecke»: Holzlöffel von Designerin Patrizia Keller.

(Bild: zvg)

«Ich finde, der Löffel ist das schönste der drei Essbestecke», sagt Patrizia Keller. «Er hat etwas Archetypisches, Ursprüngliches, besonders, wenn er aus Holz ist.» Der Löffel, sagt die Designerin aus Brugg, sei immerhin das erste Besteck, mit dem die Menschheit gegessen habe. «Zudem kann man mit ihm eigentlich alles essen.»

Patrizia Keller stellt elegante, puristische Löffel aus Schweizer Holz in unterschiedlichen Grössen und Formen her. Ganz von Hand geschnitzt, geschliffen und behandelt, alles Unikate. Und deshalb hat jeder eine andere Maserung – und auch mal ein Wurmloch. «Von der formalen Seite ­bietet dieses Esswerkzeug am meisten, und es lässt sich mit dem Aussehen des Löffels am besten spielen», schwärmt die 31-Jährige, die ihre Produkte unter ihrem eigenen Label Foifedrissg.ch und bei Slowgoods.ch verkauft.

Nach dem Prinzip von «Lirum – larum – Löffelstiel, zaubern ist ja nur ein Spiel!» geht es natürlich nicht. Die Herstellung eines ­Löffels ist intensive Arbeit. Mit Schnitz- und Aushöhlmesser sowie Hohlbeitel und viel Schleifpapier bewaffnet, arbeitet sie manchmal mehr als einen Tag an einem Löffel. Fast wie Meditation ist diese Arbeit für Patrizia Keller. «Eine sehr beruhigende, schöne Tätigkeit, bei der ich voll ab­schalten kann.»

Vom Wald in die City

Die Renaissance der Holzkultur hat auch den Industriedesigner Carlo Clopath aus Trin auf den Löffel gebracht. Der Bündner hat vor ein paar Jahren die Kollektion Palutta aus Schweizer Bergahornholz entworfen, für die er 2014 den Swiss Federal Design Award gewann. Seine Löffel und Küchenutensilien werden in Maienfeld und Tiefencastel produziert und über die Firma Okro in Chur vertrieben. Die schlicht gehaltenen Löffel sind nicht nur zum Essen, sondern auch zum Schöpfen, Umrühren, Schaben und Heben.

Einer, der sich schon lange mit dem Löffel beschäftigt, ist Barnaby Carder aus England. Der kauzige Typ ist eigentlich studierter Biologe, aber auch leidenschaft­licher Handwerker. Carder zog mehrere Jahre durch England, lebte im Wald und verkaufte seine selbst geschnitzten Löffel. Mittlerweile ist er ein wahrer Crack in Sachen Löffelschnitzen, nennt sich Barn the Spoon, eröffnete im Zentrum von London ein kleines Geschäft und hat dazu nun ein Buch geschrieben. Für ihn sind Löffel nicht einfach ­Gebrauchsgegenstände, sondern kleine Skulpturen. In seinem Buch liefert er gute Basisinformationen übers Löffelschnitzen. Er stellt verschiedene Techniken vor und zeigt handwerkliche ­Methoden über das Schnitzen dieses vermeintlich so einfachen Gegenstandes.

Denn es erfordert erstaunlich viel, damit ein Löffel richtig gut wird. Diese Geheimnisse verrät übrigens auch Patrizia Keller an ihren Workshops.

Buch: Barn the Spoon, «Löffel», ­AT-Verlag, 224 S., Fr. 29.90.;www.barnthespoon.com, www.foifedrissg.ch, www.carloclopath.com, www.okro.ch.

Berner Zeitung

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