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Tempel mit Meersicht

Yucatán lockt mit karibischen Stränden, dichtem Urwald und Ruinenstätten der Maya. Die mexikanische Halbinsel hat sich innert weniger Jahre zur Tourismushochburg gemausert.

Tulúm ist gut erreichbar und deshalb äusserst beliebt. An kaum einem Ort sind antike Kulturen und ein zum Bade einladendes türkisfarbenes Meer derart nah beeinander.
Tulúm ist gut erreichbar und deshalb äusserst beliebt. An kaum einem Ort sind antike Kulturen und ein zum Bade einladendes türkisfarbenes Meer derart nah beeinander.
Keystone
Ende September scheint die Sonne während der Tagundnachtgleiche genau durch die Öffnung eines Maya-Tempels in Dzibilchaltún, etwa 15 Kilometer nördlich der Bundeshauptstadt Mérida.
Ende September scheint die Sonne während der Tagundnachtgleiche genau durch die Öffnung eines Maya-Tempels in Dzibilchaltún, etwa 15 Kilometer nördlich der Bundeshauptstadt Mérida.
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Eine über grosse Strecken intakte Natur gilt als einer der Standortvorteile für den Fremdenverkehr in Yucatán. Ökotourismus-Programme haben in den letzten Jahren neue Zielgruppen nach Mexiko geführt.
Eine über grosse Strecken intakte Natur gilt als einer der Standortvorteile für den Fremdenverkehr in Yucatán. Ökotourismus-Programme haben in den letzten Jahren neue Zielgruppen nach Mexiko geführt.
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Gut elf Stunden dauert der Flug von Zürich nach Cancún, die mexikanische Tourismusmetropole auf der Halbinsel Yucatán. Die Stadt ist insbesondere bei US-amerikanischen Touristen sehr beliebt. Die Europäer hingegen haben ein einst verschlafenes Fischerdorf zu ihrer Hochburg gemacht: Playa del Carmen – eine gute Busstunde von Cancún entfernt. Rund 100'000 Einwohner zählt die Stadt, die in den vergangenen Jahren auf Grund des Tourismusbooms massiv angewachsen ist.

Als Tourismusmanager den Ort für ihre Pläne entdeckten, zählte das Fischerdorf nur wenige hundert Einwohner. Heute kann Playa den eher zweifelhaften Ruhm für sich beanspruchen, eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt zu sein. Aus allen Landesteilen ziehen junge Mexikaner an die Yucatán-Küste, um als Taxifahrer, Bauarbeiter, Kellner, Hotelpagen oder Reiseführer ihr Geld zu verdienen. Entlang der Riviera Maya schiessen die All-inclusive-Resorts wie Pilze aus dem Boden. Selbst für Rucksackreisende ist die Gegend ein relativ teures Pflaster.

Wer das ruhige Strandleben vorzieht, ist mit einer Unterkunft in einer der zahlreichen Hotelanlagen in der Umgebung der Stadt gut bedient. Diese funktionieren fast schon wie eigene Dörfer, mit Restaurants, Souvenirläden, Unterhaltungszentren und Wellnessangeboten. Wer allerdings das Nachtleben geniessen oder (mit dem öffentlichen Verkehr) auf eigene Faust Ausflüge in die Umgebung unternehmen will, ist mit einer Unterkunft mitten in der Stadt meist besser bedient.

Ruinen direkt am Meer

Wie praktisch ganz Mexiko lockt auch die Yucatán-Halbinsel mit den Überbleibseln vergangener Kulturen. Ein Muss für jeden Playa-Touristen ist der Besuch von Tulúm. In der Maya-Sprache bedeutet der Name so viel wie «Umfriedung», ist das Gelände doch von einer steinernen Mauer umgeben. Noch passender auf Grund der Lage direkt am Meer und vor allem poetischer ist der frühere Name Zamá («Morgendämmerung»).

Architektonisch gesehen kann Tulúm zwar nicht mit den anderen grossen Maya-Stätten mithalten, doch auf Grund ihrer Lage bleibt die Ausgrabungsstätte jedem Besucher in der Erinnerung haften. Das Hauptgebäude, El Castillo, liegt traumhaft schön auf einer 15 Meter hohen Klippe über der Karibikküste. Eine Treppe führt hinunter an den Strand – bei Tagestemperaturen von 30 bis 40 Grad ist eine kleine Abkühlung im Meer ein Genuss, vor allem vor dieser einzigartigen Kulisse. Natur und Kultur prallen hier direkt aufeinander.

Ruinen mitten im Urwald

Während Tulúm mit dem öffentlichen Verkehr gut erreichbar ist, sind andere Trouvaillen abgelegen und fast nur mit dem Privatwagen erreichbar – so beispielsweise Cobá, eine alte Ruinenstadt mitten im Urwald. In diesem Fall lohnt sich eine geführte Tour. Besonders empfehlenswert ist eine Tagestour des Anbieters Alltournative, die Abenteuer und Kultur miteinander verbindet. Auf dem Programm steht nämlich auch der Besuch eines Maya-Dorfes: Über holprige Strassen und durch dichten Dschungel führt die Tour nach Puenta Laguna, wo die Einheimischen bereits auf die Besucher warten. Nach einer kurzen Maya-Begrüssungszeremonie lassen sich auf einem Spaziergang durch den Urwald Affen und manchmal sogar Taranteln entdecken. Der Trip führt weiter mit dem Kanu über den spiegelglatten See.

Am andern Ufer steht den Tourteilnehmern der abenteuerlichste Teil bevor: Wer den Mut dazu aufbringt, kann sich über eine 10 Meter hohe Felswand abseilen und danach an einem über den Felsen zum Seeufer gespannten Drahtseil – der Zipline – zurück zu den Kanus flitzen. Zum Mittagessen lockt schliesslich ein von Maya-Frauen gekochtes Buffet mit Reis, Huhn, Gemüse und Tortillas.

Zum Naturspektakel gehört zudem das Bad in einer Cenote: Tausende dieser unterirdischen Kavernen durchziehen die Halbinsel. Einige von ihnen wurden für Touristen als Untergrundschwimmbecken zugänglich gemacht. In den imposanten Tropfsteinhöhlen mit illustren Stalagmiten und Stalaktiten sorgt das Eintauchen ins kühle Nass für willkommene Erfrischung. Wo es die Dimensionen der Höhle erlauben, ist von der hinunterführenden Holztreppe gar ein Sprung aus 10 Metern Höhe möglich.

Überwucherte Ruinen

Ein weiterer Höhepunkt ist die Ruinenstätte Cobá, die erst in den letzten Jahren vom Tourismus entdeckt worden ist. Die einstige Stadt liegt zwischen zwei Seen. Der Name Cobá bedeutet denn auch «Vom Wind bewegtes Wasser». Durch die günstige Lage an den Seen wurde Cobá in der Zeit um 600 bis 900 n.Chr. ein wichtiges Zentrum der Mayakultur mit schätzungsweise 50'000 Einwohnern. Bei der Ankunft der Spanier war diese Stadt allerdings bereits verlassen.

Die Ruinen von Cobá sind über ein gut 70 Quadratkilometer grosses Gebiet verstreut, wobei erst ein kleiner Prozentsatz der Überreste ausgegraben ist. Der Grossteil der Stadt ist noch immer von einem grünen Waldteppich überwuchert. Um das Gebiet zu erkunden, mietet man am besten ein Fahrrad. Oder man lässt sich mit einem Fahrradtaxi chauffieren – was bei der drückenden Hitze doch recht angenehm ist.

Cobá beherbergt die mit 42 Metern höchste Pyramide von ganz Yucatán: die Nohoch Mul («Grosser Berg»). Sie ist eine der wenige Pyramiden, welche man noch besteigen darf. Der Aufstieg lohnt sich, bietet sich doch ein herrliches Panorama über die Urwaldwipfel hinweg: Ein endloses grünes Meer präsentiert sich den Bezwingern der 120 Stufen zählenden Steiltreppe.

Die bekanntesten Ruinen

Die eindrücklichste und bekannteste archäologische Stätte von ganz Yucatán ist hingegen Chichén Itzá. Diese befindet sich allerdings mehrere Fahrstunden von Playa entfernt. Zwar liesse sich Chichén Itzá von Playa aus in einer (anstrengenden) Tagestour abhaken, doch wer ein bisschen Zeit und Musse investieren will, ist mit einem zweitägigen Ausflug besser beraten. Chichén Itzá steht für viele synonym für die Mayakultur, doch gerade seine berühmtesten Bauwerke tragen den Stempel der toltekischen Kultur. Unter Archäologen herrscht daher Uneinigkeit darüber, von wem die im 5.Jahrhundert gegründete Stadt erbaut wurde.

Das Wahrzeichen der Maya-Stätte ist die Pyramide des Kukulkán. Monumentale Freitreppen führen an jeder Seite hinauf zum Tempel – jede der vier Treppen zählt 91 Stufen, die zusammen mit der Stufe zum Haupteingang des Tempels eine Gesamtzahl von 365 Stufen ergeben, die Anzahl Tage eines Jahres. In der Konstruktion verbergen sich noch weitere Zahlenspiele, welche mit dem mystischen Maya-Kalender in Zusammenhang stehen.

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