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Frauen: Sportlich durchs Leben

Nicht jede Frau ist eine Spitzensportlerin wie Simone Niggli-Luder. Und doch: Sport treiben kann frau in jeder Lebenslage – bei einem Vortrag in Bern wird die OL-Läuferin über ihre Erfahrungen berichten.

«Malin, 50,5 Zentimeter, 3750 Gramm», begrüsst uns ein süsses Babyfoto auf der Homepage von Simone Niggli-Luder. Das Datum: 2.September 2008. Beim ersten Versuch, die 14-fache OL-Weltmeisterin zu erreichen, ist sie gerade beim Joggen. Als wir sie schliesslich am Telefon haben, erzählt sie: «Noch am Tag vor der Geburt trabte ich durch den Münsinger Wald – und drei Wochen später nahm ich das Training wieder auf, allerdings bloss mit einem lockeren 20-Minuten-Lauf.» Rund sechs Wochen nach der Niederkunft nahmen die beiden gemeinsam an einem Orientierungslauf teil – Simone Niggli-Luder marschierend, Tochter Malin im Tragetuch schlafend.

Sport hilft bei der Geburt

«Wie kann man nur!» oder vielleicht sogar «Das arme Kind!» ist der kritische Leser geneigt zu denken. Doch eine Schwangerschaft ist keine Krankheit – und Bewegung und frische Luft tun sowohl der Mutter wie auch dem Kind gut: «Wer Sport treibt, bringt die für die Geburt nötige Ausdauer mit», sagt Sportärztin Gaby Aebersold aus Brügg. Auch sie sei bei ihren beiden Schwangerschaften bis zum letzten Tag sportlich aktiv gewesen: «Einzig Kontaktsportarten wie zum Beispiel Ballspiele oder Kampfsport eignen sich nicht.» Dabei sei aber nicht primär die Gesundheit des Kindes gefährdet, sondern die Unfallgefahr für die Mutter zu gross. Unfälle sind problematisch, da während der Schwangerschaft unter anderem nicht geröntgt werden sollte. Wer bis zur Schwangerschaft inaktiv geblieben ist, sollte allerdings mit sportlichen Vorsätzen warten bis nach der Geburt, so der Tipp der Ärztin: «Es braucht schon ein gutes Körpergefühl, damit man nicht zu intensiv Sport treibt. Denn es sollte nur in tiefer Intensität trainiert werden.» Dabei gebe es keine generelle Regel, bis zu welcher Schwangerschaftswoche Sport möglich sei: «Das muss jede Frau für sich selbst herausfinden und ist auch von der Sportart abhängig. Fahrradfahren und schwimmen kann man meist bis kurz vor dem Termin.» Voraussetzung sei natürlich eine Schwangerschaft ohne Komplikationen.

Ansonsten empfiehlt die 43-Jährige, in allen Lebenslagen Sport zu treiben: «In der Pubertät zum Beispiel verändert sich der Körper stark. Viele Mädchen haben damit Probleme. Treiben sie trotzdem Sport, gelingt es ihnen in der Regel viel schneller, wieder ein positives Körpergefühl aufzubauen.»

Sport in der Menopause

Auch die Beschwerden während der Menopause kann Sport lindern: Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sportliche Frauen weniger an Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen leiden als ihre inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Zudem lässt sich mit Sport Osteoporose vorbeugen: «Wer sich bewegt, erinnert das Skelett an seine Funktion – und Schläge, wie sie zum Beispiel beim Joggen entstehen, stimulieren den Knochenaufbau», erklärt Aebersold. Und natürlich lässt sich mit regelmässiger Bewegung auch das Gewicht besser kontrollieren – ein Argument, des Frauen in allen Altersgruppen als Motivationsspritze dient. ¨

Heutzutage treiben Frauen fast ebenso viel Sport wie Männer, wie eine aktuelle Studie des Bundesamtes für Sport beweist. Vor allem der Anteil der Frauen, die mehrmals pro Woche aktiv sind, hat sich in den letzten Jahren erhöht – von rund 32 auf 39 Prozent. Um auf Gleichstand mit den Männern zu sein, fehlen damit nur noch 2 Prozent.

Frauen im Spitzensport

Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, das Frauen im Sport lange diskriminiert wurden. Erst ab 1912 durften sie an den Olympischen Spielen teilnehmen. Noch 1967 wurde die erste Frau, die sich zum Boston Marathon anmeldete, gewaltsam daran gehindert. Und erst 1991 fand die erste offizielle Frauenfussball-WM statt – und noch heute ist es so, dass den Kickerinnen auf Weltniveau weit weniger Beachtung geschenkt wird als ihren männlichen Kollegen.

Über fehlende Beachtung kann sich Simone Niggli-Luder nicht beklagen: «Nein, ich hatte wirklich nie das Gefühl, dass ich als Frau im Sport diskriminiert werde. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert.» Und wie haben die Leute reagiert, als sie hochschwanger an ihnen vorbeijoggte? «Manchen war anzusehen, dass sie das komisch, vielleicht sogar unnatürlich finden; bei anderen las ich Bewunderungen in den Augen – und Staunen, dass das möglich ist.»

Frauen im Sport: Referat und Diskussion mit Simone Niggli-Luder. Dienstag, 11. November, 19.15 Uhr , im Hotel Bern.

Wenn Frauen laufen: Ein Leitfaden für Einsteigerinnen. Als PDF oder Heft kostenlos zu beziehen bei www.fitforlife.ch.

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