Zum Hauptinhalt springen

Vor dem Bundesliga-SpitzenkampfLewandowski oder Haaland: Wer ist besser?

Im Spitzenspiel zwischen Bayern und Dortmund duellieren sich die zur Zeit torgefährlichsten Stürmer. Beide könnten den Match entscheiden. Die Redaktion hat sie verglichen.

Wer macht im Spitzenkampf den Unterschied aus? Robert Lewandowski (links) oder Erling Haaland?
Wer macht im Spitzenkampf den Unterschied aus? Robert Lewandowski (links) oder Erling Haaland?
Foto: Keystone
Die Stürmer sind beide hocheffizient, sonst jedoch sehr unterschiedlich. Haaland ist 19 Jahre jung und spielt erst seit Anfang Jahr in der Bundesliga.
Die Stürmer sind beide hocheffizient, sonst jedoch sehr unterschiedlich. Haaland ist 19 Jahre jung und spielt erst seit Anfang Jahr in der Bundesliga.
Foto: Keystone
Ebenfalls ist er gestandener Nationalspieler (112 Länderspiele) und führte Polen als Captain an die WM 2018.
Ebenfalls ist er gestandener Nationalspieler (112 Länderspiele) und führte Polen als Captain an die WM 2018.
Foto: Getty Images
1 / 9

Wird heute Abend die deutsche Meisterschaft entschieden? Während zwar die Protagonisten verneinen, sind viele Fans dieser Meinung. Gewinnt Bayern München das Duell (ab 18.30 Uhr live im Ticker), hätte der Rekordmeister bereits sieben Punkte Vorsprung auf Verfolger Dortmund, und die Borussen würden den Anschluss verlieren.

Die ganze Fussballwelt schaut demnach gespannt auf das Spitzenspiel und dabei vor allem auch auf zwei Akteure: Robert Lewandowski und Erling Haaland. Es ist das erste Aufeinandertreffen der Ausnahmekönner, die die Partie beide entscheiden können. Doch so talentiert wie beide Stürmer sind, so unterschiedlich sind sie in anderen Punkten. Ein Vergleich in sieben Punkten. Wer ist besser?

Trefferquote

Das Wichtigste bei den Stürmern zuerst: Beide treffen wie am Laufband. Beide sind in der Form ihres Lebens. Mit insgesamt 27 Treffern führt Lewandowski die Torschützenliste vor RB-Leipzig-Spieler Timo Werner (24 Treffer) an. Erling Haaland liegt mit seinen 10 Treffern nur auf Platz 12. Ein Indiz? Mitnichten. Schliesslich kam der Norweger erst im Winter nach Deutschland. Und seither erwies er sich als äusserst lohnenswertes Investment. Zehn Ligaspiele, zehn Tore. Zwei mehr als Lewandowski, der in der Rückrunde wegen einer Verletzung nur achtmal auflief, aber auch achtmal traf. Die Torquote von beiden beträgt damit 1,0. Wer ist also besser im Erzielen von Toren? Schwierig zu sagen. Kommt dazu, dass beide in dieser Saison – in allen Wettbewerben zusammen – 41 Treffer in 35 Spielen erzielten.

Punkt für Haaland. Er ist jünger als der Pole und seine Trefferquote ist für seine Unerfahrenheit beeindruckend.

Haaland: 1 – Lewandowski: 0

Die Jubelpose von Haaland ging um die Welt.
Die Jubelpose von Haaland ging um die Welt.
Foto: Keystone

Spielart

Haaland trifft vorzugsweise mit seinem starken linken Fuss und macht 30 Prozent seiner Tore nach Kontern, einer BVB-Spezialität. Heisst: Mit dem Norweger haben die Dortmunder viele Optionen im Angriff. Sie können den Ball halten und dann in die Tiefe, in die Schnittstelle spielen oder es auch mit Flanken auf den 1,94 m grossen Hünen versuchen. Und Lewandowski? Der Pole ist die personifizierte Torgefahr, besitzt er doch praktisch keine Schwächen, ist ein kompletter Stürmer. Beweis dafür: Der 31-Jährige ist auf dem besten Weg, seine bereits fünfte Torjägerkanone in Deutschland zu sichern.

Punkt für Lewandowski. Der Pole ist der komplettere Stürmer – und das seit vielen Jahren.

Haaland: 1 – Lewandowski: 1

Physis

Keine Frage: Beide Stürmer sind topfit, ihre fantastischen Werte aus dieser Saison bestätigen ihr Leistungsvermögen. Haaland ist mit seinen 1.94 m jedoch zehn Zentimeter grösser, und auch auf die Waage bringt er rund zehn Kilo mehr als Lewandowski (rund 90 kg vs. rund 80 kg). In Sachen Statur hat der Dortmunder die Nase also vorn. Was das Alter betrifft, haben indes beide ihre Vor- und Nachteile: Während der 19-jährige Haaland einigen noch zu jung ist, ist der 31-jährige Lewandowski für manche bereits etwas in die Jahre gekommen.

Punkt für Haaland. Die Statur des jungen Norwegers ist beachtlich. Um ihn stoppen zu können, müssen die Verteidiger ihr gesamtes Können zeigen.

Haaland: 2 – Lewandowski: 1

Erfahrung

Auf den ersten Blick ist das ganz klar die Kategorie für Lewandowski. Der Pole hat in seiner Karriere 315 Bundesliga-, 86 Champions-League- und 112 Länderspiele absolviert. Gleich in seiner ersten Bundesliga-Saison (mit Dortmund, für das er 187 Partien bestritt) holte er den Meistertitel. Für den Leistungsträger folgten sechs weitere Titel (fünf davon mit Bayern), 2018 führte er Polen als Captain an die WM. Haaland dagegen steht bei zehn Bundesliga-, acht CL- und zwei Länderspielen. Aber … Nein, es gibt kein «Aber». Auch auf den zweiten Blick geht diese Kategorie klar an den 31-Jährigen. Dafür hat Haaland eine goldene Zukunft vor sich. Wenn es so weitergehen sollte wie bisher, wird er im selben Alter wie Lewandowski mehr Erfahrungen im Gepäck haben.

Punkt für Lewandowski. Er ist erfahrener und abgebrühter, gewann schon zig Titel.

Haaland: 2 – Lewandowski: 2

«Haaland kann ein zweiter Lewandowski werden.»

Ottmar Hitzfeld, ehemaliger Trainer von Bayern und Dortmund

Bedeutung im Titelkampf

Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc sagte vor dem Spitzenspiel: «Wenn wir um die Meisterschaft mitspielen wollen, sollten wir gewinnen.» Und für den Sieg brauchen die Dortmunder dringend Tore von Haaland, zumal Marco Reus ausfällt. Aber auch die Bayern sind abhängig von ihrem Offensivjuwel. Ist Lewandowski doch der einzige «richtige» Stürmer im Kader. Zwar können auch Thomas Müller oder der Youngster Joshua Zirkzee auf seiner Position spielen. Das Problem: Es ist nicht Müllers Lieblingsposition, und Zirkzee ist sehr jung. Somit: Lewandowski und Haaland haben alle beide eine enorme Bedeutung für ihr Team im Titelkampf.

Punkt für Lewandowski. Ohne den Polen hätte Bayern schon oft Probleme gehabt. Lewandowski ist die Lebensversicherung der Münchner.

Haaland: 2 – Lewandowski: 3

Das sagen die Trainer

Ottmar Hitzfeld – nicht nur ehemaliger Trainer der Schweizer Nationalmannschaft, sondern auch von Bayern und Dortmund – sagte dem «Kicker»: «Haaland kann ein zweiter Lewandowski werden.» Ganz dieser Meinung ist Bayern-Coach Hansi Flick nicht. Es sei «zu früh» für einen Vergleich. Haaland stünde in der Bundesliga noch am Anfang, sagt er. Und: «Robert hat die letzten Jahre immer auf Weltklasse-Niveau agiert.» Auch BVB-Trainer Lucien Favre lobte Lewandowski schon etliche Male: «Er ist im Strafraum brandgefährlich.» Sind die Trainer also überzeugter vom Polen? Überhaupt nicht. Nach seinem grandiosen Start in die Bundesliga im Januar überschütteten mehrere Trainer auch Haaland mit Lob. Und Favre huldigte ihn auch an der Pressekonferenz vor dem Gipfeltreffen – zumindest indirekt. «Wir sind besser geworden. Wir haben im Winter zwei Spieler verpflichtet und haben eine andere Präsenz», so der Schweizer.

Punkt für beide. Flick und Favre loben ihre Stürmer. Beide Trainer wissen, was sie an ihren Schützlingen haben.

Haaland: 3 – Lewandowski: 4

Das ist es, das Geister-Interview von Haaland.
Video: Twitter

Das sagen sie selbst

Haaland ist in Interviews nicht sehr gesprächig. Bestes Beispiel: Sein Geister-Interview nach dem 4:0-Derbysieg gegen Schalke. Mit insgesamt acht englischen Worten und ohne jedes Anzeichen von Mimik «beantwortete» der norwegische Jungstar die vier Fragen eines mehr und mehr verzweifelnden Reporters. Anders Lewandowski. Er zeigt sich in Interviews gesprächiger – zumindest ein wenig. Mit dem Polen können die Journalisten zumindest richtige Gespräche führen.

Punkt für beide. Ob gesprächig oder nicht – die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Haaland: 4 – Lewandowski: 5