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Das Dilemma des Fast-MeistersLiverpools Bürgermeister sorgt für schlechte Laune

Seit 1990 warten die Anhänger des FC Liverpool auf den Titel – eine Meisterfeier soll es trotzdem nicht geben.

Der Club zeigt sich uneinsichtig. Die Mannschaft von Jürgen Klopp muss wohl  von Zuhause feiern – gesetzt, dass der Meisterschaftsbetrieb  wieder aufgenömmen würde.
Der Club zeigt sich uneinsichtig. Die Mannschaft von Jürgen Klopp muss wohl von Zuhause feiern – gesetzt, dass der Meisterschaftsbetrieb wieder aufgenömmen würde.
Max Maiwald/Getty Images
Lange ist es her: Liverpool gewann letztmals 1990 den Titel in der Liga. Eine Meisterschaftsfeier wie damals wir es dieses Jahr wohl nicht geben.
Lange ist es her: Liverpool gewann letztmals 1990 den Titel in der Liga. Eine Meisterschaftsfeier wie damals wir es dieses Jahr wohl nicht geben.
Getty Images/Hulton Archive
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Seit drei Jahrzehnten lechzt Liverpool nach der unverkennbaren, von zwei Löwen flankierten Meisterschaftstrophäe. Nur zwei Siege aus den noch neun ausstehenden Begegnungen fehlen zum Titel, dem ersten seit 1990. Und falls die Meisterschaft in der Premier League nun mit Geisterspielen wieder aufgenommen werden kann, würde es kaum noch allzu lange bis zu den Meisterfeierlichkeiten dauern.

So weit soll es aber nicht kommen, denn ausgerechnet der Bürgermeister der Stadt – Joe Anderson – stellt sich nun quer. Zwar sagt Anderson: «Liverpool hat die Liga ganz klar schon jetzt gewonnen. Und sie verdienen es. Sie sollten zum Meister erklärt werden.» Aber eine Meisterschaftsfeier mitten in der Stadt komme für ihn trotzdem nicht in Frage.

Der Labour-Politiker plädiert für einen Saisonabbruch: «Dabei geht es mir gar nicht um den FC Liverpool, sondern viel mehr um die Gesundheit und Sicherheit der Menschen.» Anderson fürchtet das Gedränge beim Anfield-Stadion, sollte die Mannschaft den Titel holen. «Viele würden zum Feiern kommen. Selbst bei einem Geisterspiel gäbe es wohl Tausende Menschen vor Anfield. An unsere Vorgabe, sich vom Stadion fernzuhalten, würde sich kaum jemand halten», meint der 62-Jährige.

Joe Anderson ist für einen Saisonabbruch. Der Bürgermeister gönnt den «Reds» zwar den Titel, eine Meisterfeier will er wegen der Corona-Pandemie aber nicht.
Joe Anderson ist für einen Saisonabbruch. Der Bürgermeister gönnt den «Reds» zwar den Titel, eine Meisterfeier will er wegen der Corona-Pandemie aber nicht.
Getty/ Colin McPherson

Ganz anders sieht die Sache der Club. Anderson stelle Mutmassungen an, und die kürzlich geführten Gespräche des Bürgermeisters mit der Liga über mögliche Geisterspiele stünden im Widerspruch zu seiner jüngsten Aussage, die Saison abbrechen zu wollen, lässt Liverpool verlauten. Darüber hinaus stehe der Club mit Fangruppierungen im Austausch, die zugesagt hätten, sich an die notwendigen Abstandsregelungen zu halten.

So gross die Empörung beim FC Liverpool auch ist, die Sorgen des Bürgermeisters sind nicht unbegründet. Grossbritannien ist im europäischen Länder-Vergleich vom Corona-Virus überdurchschnittlich stark betroffen – und nicht zuletzt die Stadt Liverpool, wo bereits über 300 Menschen infolge der CoVid-19-Infektion gestorben sind.

boq