«Es war eine ­Heidenarbeit»

Er ist der einzige Schweizer Regisseur, der je einen Oscar gewann. Jetzt bringt Xavier Koller sein Drama «Reise der Hoffnung» wieder in die Kinos – und verrät, wie viel Aufwand in der re­staurierten Fassung steckt.

Unterwegs in die Schweiz: Nur Sürer, Mathias Gnädinger, Necmettin ­Cobanoglu (v.l.) und Emin Sivas (oben) im Film «Reise der Hoffnung».

Unterwegs in die Schweiz: Nur Sürer, Mathias Gnädinger, Necmettin ­Cobanoglu (v.l.) und Emin Sivas (oben) im Film «Reise der Hoffnung».

(Bild: zvg)

Hans Jürg Zinsli@zasbros

Herr Koller, 25 Jahre nach Ihrem Oscarsieg kommt «Reise der Hoffnung» wieder auf die Leinwand. Weshalb?Xavier Koller: Einerseits wegen des Oscarjubiläums, vor allem aber wegen der ungebrochenen Aktualität des Films. Es wird heute oft von einer Migrationskrise geredet. «Reise der Hoffnung» ist ein Diskussionsbeitrag, wie man mit dieser Situation umgehen soll. Ich möchte damit auch mit jüngeren Menschen ins Gespräch kommen, die meinen Film noch nicht kennen.

«Reise der Hoffnung» kommt als sogenannte Reedition ins Kino. Warum musste der Film nach verhältnismässig kurzer Zeit bereits restauriert werden? Um den Film überhaupt im Kino spielen zu können, musste er zuerst digitalisiert werden. Dabei zeigte sich, dass während der Lagerung in der Cinémathèque Suisse Schäden am Negativ aufgetreten sind. Diese musste man beheben.

Wie funktioniert das? Indem man in einem speziali­sierten Filmlabor Einzelbild für Einzelbild überprüft. Jedes Bild hat ja sozusagen seine eigene Bildtemperatur. Diese gilt es neu zu bestimmen und Einstellung für Einstellung anzupassen. Als Richtlinie gilt dabei die erste Filmkopie, die 1990 gezogen ­wurde. Man nennt diesen Vorgang Lichtbestimmung oder ­Grading. Auch den Ton mussten wir wieder auf den neusten Stand bringen.

Wollten Sie Ihrem Film einen moderneren Look verpassen? Nein. Ich wollte ihn genauso haben, wie er damals aussah. Es ging ausschliesslich darum, die Ausstrahlung des Originalfilms wieder herzustellen.

Wo wurde diese Restaurierung gemacht? In Bologna beim weltberühmten L’Immagine Ritrovata, das mir empfohlen wurde. Es ist auf ­Re­staurationen spezialisiert. Dort lässt zum Beispiel auch Mar­tin Scorsese seine Filme restau­rieren.

Wie lange dauert eine solche Restaurierung? Das kommt auf die jeweiligen Schäden an. In unserem Fall dauerte sie zwei Monate. Und es war eine Heidenarbeit ...

Was kostet das, und wer zahlt das? Gute Frage. (lacht) Insgesamt hat die Restaurierung rund 50 000 Franken gekostet. Wir erhielten einen Beitrag vom Kulturfonds Suissimage, der seit 2014 die Digitalisierung von Schweizer Filmen unterstützt, sowie einen Beitrag vom Schweizer Fernsehen. Den Rest hat unsere Filmproduktionsfirma Catpics aufgebracht.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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