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Girlpower in Serie

Die Amerikanerin Sophia Amoruso war eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen der Welt. Netflix hat ihre Geschichte als Serie verfilmt.

Am Anfang steht diese Bikerjacke aus den 70ern. Sophia kauft sie für neun Dollar in einem Secondhandshop, stellt sie auf Ebay und lernt, wie man ganz schnell ganz viel Geld machen kann. Wie viel Geld frau machen kann.

«Girlboss» basiert auf dem Bestseller «#Girlboss» und ist die wahre Geschichte von Sophia Amoruso (33), die mit 22 einen Onlinehandel mit Vintage-Kleidern startete und zehn Jahre ­später, 2016, vom Wirtschaftsmagazin «Forbes» zu einer der reichsten Selfmade-Unternehmerinnen der Welt erklärt wurde – ihr Unternehmen Nasty Gal machte einen Jahresumsatz von 100 Millionen Dollar im Jahr.

Amoruso verliess Nasty Gal, und Ende des letzten Jahres meldete das Unternehmen Insolvenz an, doch die Website besteht noch. Die erste Staffel der Netflix-Serie «Girlboss» nun ist der Beginn dieses Tellerwäschermärchens. Bei dem die unschönen Seiten auf dem Weg zum Erfolg weitgehend ausgeblendet werden.

Armut ist kein Accessoire

Schade. Klar möchte man am ­Serienabend nicht die ungeschminkte Wahrheit sehen respektive die geschminkte hässliche Seite dieses Erfolgsmärchens. Aber dass Sophia in eine Mülltonne springt, ein perfekt ausschauendes Sandwich herausholt, hineinbeisst und dabei noch schnell einen Teppich klaut (und damit ungeschoren davonkommt) – solche Szenen sind ­zynisch.

Film-Sophia trägt ihre Armut, die im Übrigen selbst gewählt ist, der Vater hätte viel Geld, das er ihr leihen würde, wie eines ihrer Accessoires, die sie über ihren Kanal Nasty Gal zu verkaufen beginnt. Auch strapaziert Sophia die Nerven der Zuschauer mit ihrem Teenie-Getue: Sie benimmt sich wie ein verzogenes Kind, schreit, singt, flüstert ihre Gefühle allen, die sie hören wollen oder auch nicht, ins Ohr. Nein, in die Fresse, ja, so beginnt man zu denken nach 13 Folgen.

Frauen für Frauen

Trotzdem ist «Girlboss» cool. Auch weil Britt Robertson («Kein Ort ohne dich» mit Scott Eastwood) als Sophia irgendwann ­ruhiger und nachdenklicher wird. Weil man spürt, dass hinter der Serie viele Frauen stehen, unter anderen Charlize Theron («Monster») als Produzentin und Kay Cannon als Drehbuchautorin (sie hatte schon «New Girl» geschrieben).

Die richtige Sophia Amoruso war Vorbild und Inspiration für Tausende von jungen Frauen, die eine Firma gründen wollten. So viel Girlpower! Deshalb: Augen zu und durch, wenn Film-Sophia zu schreien beginnt. Sie tut es mit Erfolg.

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