Frühförderung, nicht Frühchinesisch

Was brauchen Kinder von null bis vier? Die Ausstellung «Die Entdeckung der Welt» im Berner Kornhausforum zeigt: Sie brauchen qualitativ gute Angebote.

Punktejagd im Spielwürfel

Punktejagd im Spielwürfel

(Bild: PD / Michela Locatelli)

Michael Feller@mikefelloni

Mitten im Berner Kornhausforum steht ein grosser Klotz. Die Kinder klettern gleich hoch und sausen die Rutsche runter, im Innern jagt ein Kind aufleuchtenden Punkten hinterher, die Teil eines schnellen Spiels sind. «Die Entdeckung der Welt» ist eine Ausstellung mit Spielplatz. Schliesslich geht es hier um die Kinder von null bis vier, und mit ihnen soll man die Ausstellung auch erkunden können.

Die Ausstellung, konzipiert von der Stimme Q, will vermitteln – und hat eine klare Haltung. Die Stimme Q ist gewissermassen die Schweizer Kleinkinderlobby, die das Ziel verfolgt, die Qualität der Frühförderung zu verbessern. Damit sollen nicht in erster Linie ambitionierte Eltern abgeholt werden, die ihre Kinder ins Frühstchinesisch schicken oder zum Geigenspiel nötigen. Im Fokus stehen die Angebote, die dafür sorgen, dass die Chancengleichheit steigt. Denn wenn Kleinkinder nicht die Möglichkeit haben, in einer inspirierenden Umgebung die Welt zu entdecken – so die wissenschaftlich fundierte These –, starten sie mit einem Nachteil.

Die Ausstellung zeigt vorbildliche Kinderkrippen und Kindergärten, stellt verschiedene Familienbilder vor und zeigt Meinungen aus der Wissenschaft sowie aktuelle gesellschaftliche Debatten. Vermittelt wird auch allerlei Zahlenfutter. Es zeigt sich etwa, dass es in der Schweiz grosse Qualitätsunterschiede gibt, was die Professionalisierung der externen Kleinkinderbetreuung angeht. Gross sind auch die Unterschiede zwischen der Romandie, in der die staatlichen Angebote etablierter sind, und der Deutschschweiz, in der die Betreuung eher als Privatsache der Eltern angesehen wird und nicht als Aufgabe des Staates.

«Die Entdeckung der Welt» ist einerseits spielerisch aufgebaut, beinhaltet aber anderseits eine grosse Menge an Informationen. Die lassen sich kaum bewältigen, wenn man dauernd seine herumtollenden Kinder noch im Auge behalten sollte. Wer sich vertieft informieren will, kommt besser ohne Kinder – für alle anderen bietet die Ausstellung ein veritables Schlechtwetterprogramm für die ganze Familie an.

Ausstellung: bis 22. Dezember, Kornhausforum, Bern. Gratis.

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