J. K. Rowlings Zauberwelt lebt wieder auf

Der Film «Fantastic ­Beasts and Where to Find Them» spielt siebzig Jahre vor «Harry Potter». Die Darsteller im Gespräch über eine neue Zauberergeneration, magische Kreaturen – und ihre Ehrfurcht vor der Erfolgsautorin.

Der offizielle Trailer zu «Fantastic Beasts and Where to Find Them». <i>Video: Youtube/WarnerBrosUK</i>

Einst schwor J. K. Rowling, nie wieder einen Roman über Harry Potter zu schreiben. Doch mit ihrem Zauberuniversum hat sie alles andere als abgeschlossen. Im Gegenteil: Die britische Erfolgsautorin legt gerade erst ­richtig los. «Fantastic Beasts and Where to Find Them» (ab Donnerstag im Kino) ist der Auftakt zu einer fünfteiligen Kinoserie, in der uns Rowling eine ganz neue Generation von Zauberern vorlegt.

Für den Film hat die 51-Jährige erstmals selbst das Drehbuch verfasst. Es spielt in New York im Jahr 1926 – also ganze sieben Jahrzehnte vor Harry Potters Geburt. Rowlings neuer Zauberheld heisst Newt Scamander und ist wie Harry ein scheuer, aber sympathischer Aussenseiter. Newts einzige Freunde sind die magischen Kreaturen, die er erforscht und in einem Zauberkoffer auf all seine Reisen mitnimmt.

Gespielt wird Newt vom britischen Oscargewinner Eddie ­Redmayne, den die «Nordwestschweiz» zusammen mit den anderen Darstellern am Tag vor der Weltpremiere in London zum Gespräch trifft.

«Ich liebe Rowlings Romane; während meiner Unizeit sprach ich sogar mal für die Rolle des jungen Voldemort vor», erinnert sich Redmayne mit einem Grinsen zurück. «Ich traf den Assistenten des Assistenten der Castingbeauftragten und schaffte es bis zur dritten Dialogzeile, bevor ich wieder rausgeschickt wurde.»

Rund zwei Jahre nach dem Ende der «Harry Potter»-Kinoserie lief es für Redmayne bedeutend besser. Als ihn die Produzenten für die «Fantastic Beasts»-Hauptrolle ins Auge fassten, gab Rowling, die bei solchen Entscheidungen das letzte Wort hat, ihren Segen.

«Sie beschrieb mir Newt als eine Art Buster-Keaton-Figur», erzählt Redmayne über sein erstes Gespräch mit der Autorin. «Er ist ein stiller Beobachter, der Mühe im Umgang mit anderen Menschen hat, sich aber umso besser mit seinen nicht ­ungefährlichen Kreaturen versteht.»

Wie Dick und Doof

Gleich zu Beginn des Films trifft Newt auf den nicht magischen Bäcker Jacob Kowalski (gespielt von Dan Fogler) – der unglück­licherweise einen ähnlich aus­sehenden Koffer mit sich herumträgt. Eine folgenschwere Verwechslung später treiben Newts entwichene Kreaturen in New York ihr Unwesen.

Auf der Jagd nach ihnen geraten Newt und Kowalski in etliche herrlich irrsinnige Situationen. «Die beiden sind ein bisschen wie Dick und Doof», findet Fogler. «In den Rollen steckt sehr viel Slapstick, das war ein grosser Spass.»

Weil neben einem kleptomanischen Schnabeltier auch gefähr­lichere Kreaturen plötzlich auf freiem Fuss sind, werden im Film zwei Schwestern von der magischen Sicherheitsbehörde auf den Plan gerufen: Tina und Queenie vervollständigen das Hauptquartett des Films.

Für Queenie-Darstellerin Alison Sudol ist dabei ein Traum in Erfüllung ge­gangen. «J. K. Rowling ist meine Heldin. Als sie beim Dreh vorbeikam, war es, als würde ich die Queen treffen.»

Fans können aufatmen

Die vier Darsteller mögen etwas älter sein als das Darstellertrio aus den «Harry Potter»-Filmen und der Grundtenor von «Fantastic Beasts» etwas erwachsener: Trotzdem gelingt dem neuen Film ein erstaunlich eleganter Spagat zwischen Neu und Alt­bewährt.

Schon ab der ersten Sekunde, wenn wieder die berühmte Titelmelodie aus den «Harry Potter»-Filmen erklingt, sorgt die Rückkehr in Rowlings fantastische Zauberwelt für wohlige Nostalgie.

Die Fans werden aufatmen: Weil hinter der Kamera etliche «Potter»-Veteranen zurückgekehrt sind, fügt sich «Fantastic Beasts and Where to Find Them» nahtlos ins bisherige Kinouniversum ein. Auch der neue Film sieht toll aus und ist vollgespickt mit liebenswerten Details und verschrobenen Figuren.

Rowlings gewaltige Vorstellungskraft sucht immer noch ihresgleichen. Das ist gewissermassen auch die Krux von «Fantastic Beasts and Where to Find Them». Rowling lässt im Film immer wieder anklingen, dass sich da am Horizont etwas Grosses zusammenbraut, das spannender ist, als was wir gerade sehen. Neben all den verheissungsvollen Hinweisen verkommt Newts Abenteuer beinahe zur banalen Nebensache.

Mehr Vorspeise

Kein Wunder: Rowling will ihr Pulver nicht zu früh verschiessen. Die «Fantastic Beasts»-Reihe wird insgesamt fünf Filme umfassen und soll dereinst in einem epischen Duell zwischen dem bösen Zauberer Gellert Grindelwald (gespielt von Johnny Depp, der hier bereits in einem Kurzauftritt zu sehen ist) und Harry Potters späterem Mentor Professor Dumbledore gipfeln.

«Rowling hat uns eine Ahnung davon vermittelt, was als Nächstes kommt – aber wenn wir etwas verraten, gibts Ärger», sagt Eddie Redmayne. Und Tina-Darstellerin Kathe­rine Waterston ergänzt: «Ich finde es nicht schlimm, dass wir in diesem Film erst so wenig über unsere Figuren erfahren.

Umso mehr sind wir auf die Fortsetzungen gespannt!» Nun, das wird sich nach dem Film auch manch ein Zuschauer denken. «Fantastic Beasts and Where to Find Them» ist mehr Vorspeise als Hauptgang – macht aber definitiv Lust auf mehr.

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