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«Zuerst ein bisschen traurig, aber dann wird es besser»

«Ma vie de Courgette» des Wallisers Claude Barras ist im Rennen um einen Oscar. Doch ist der Film auch für Kinder geeignet?

Regisseur Claude Barras hat die Hauptfigur Zucchini an die Vorpremiere mitgebracht – sehr zur Freude der jungen Zuschauer.
Regisseur Claude Barras hat die Hauptfigur Zucchini an die Vorpremiere mitgebracht – sehr zur Freude der jungen Zuschauer.
Iris Andermatt

Es riecht nach einer eigentümlichen Mischung aus Schokolade und Popcorn. Gwennan (9) und Riham (8) gehören zur Schokoladefraktion. Die beiden Mädchen mampfen und kichern. Sie haben den Trailer des Animationsfilms «Ma vie de Courgette» («Mein Leben als Zucchini») zuvor im Internet gesehen.

Als der Walliser Regisseur Claude Barras vor das Berner Vorpremierenpublikum tritt, werden sie still: «Ich wünsche euch einen schönen Film. Er ist ein bisschen traurig in den ersten zehn Minuten, aber dann wird es besser», sagt er fast tröstend zu den zahlreichen Kindern. Dann gehts los.

Und es bleibt still bei den beiden Mädchen. Man sieht den kleinen Jungen, er heisst Zucchini, mit seinem übergrossen Kopf und den blauen Haaren. Die Mutter trinkt Bier, er bastelt Türme mit den von ihr weggeworfenen Dosen. «Die Mutter ist betrunken», raunt Riham Gwennan zu. Als Zucchini aus Angst vor der Mutter die Tür zuschmeisst und sie die Treppe hinunterstürzt, lachen die Kinder im Saal lauthals.

Auch später gibt es einige Male Gekicher im Saal, etwa als Zucchini, der mittlerweile im Waisenheim lebt, mit seinen dortigen Freunden in die Berge fährt und eine wilde Schlittenfahrt unternimmt. Der Animationsfilm ist freigegeben für Kinder ab vier Jahren, die meisten Kinder im Kinosaal sind aber im Schulalter. Verstehen sie den Film?

«Ja, alles verstanden»

«Ja, wir haben alles verstanden», sagen Gwennan und Riham unisono. Auch Dalia und Sophia (beide 12) sind der Meinung, dass sie alles verstanden haben. Der ­10-jährige Nicolas hingegen sagt: «Dass Zucchinis Mutter beim Treppensturz gestorben ist, ist mir erst viel später klar geworden.» Aber ja, er würde den Film seinen Freunden empfehlen.

Der Animationsfilm spricht ernste Themen an: Gewalt, Ausgrenzung, Sex. So gibt es viele Andeutungen und Witze, über die nur die Erwachsenen im Saal lachen. Zum Beispiel, als die Waisenjungen einander zu erklären versuchen, wie Sex funktioniert.

Die Kinder stören sich allerdings nicht an den Nuancen, die sie nicht verstehen. Sie sehen das Ganze einfacher: «Zuerst ist der Film sehr traurig, dann habe ich es immer lustiger gefunden», bringt es Riham auf den Punkt. Sie fand am besten, dass sich Zucchini in ein anderes Waisenmädchen verliebt. Alle Mädchen können der Liebesgeschichte viel abgewinnen.

Bei den Buben sieht es anders aus: «Ich fand die Party in den Bergen am besten», sagt der 10-jährige Julien. Da tanzen die Waisenkinder in einem Berghaus zu Stefan Eichers Song «Eisbär». Sophia hingegen kann dieser Szene gar nichts abgewinnen. «Dieses Lied singen wir in der Schule, das mag ich gar nicht.»

Keine «Eisbär»-Generation

Spätestens hier wird das Gene­rationendilemma sichtbar: «Eisbär» ist ein Song für die Elterngeneration (er wird im Film auch vom Lehrer aufgelegt), die Kinder mögen heute ganz andere Musik. Und sie sind auch entwaffnend direkt: «Denkst du, du könntest den Oscar gewinnen?», fragt ein Mädchen Regisseur Barras nach der Vorstellung. Für einen kurzen Moment weiss nicht einmal er, was er antworten soll.

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