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AngetroffenMalerarbeiten statt Gästeservice

Der Interlakner Gastronom mit sardischen Wurzeln, Christian Piredda, hatte in den vergangenen Wochen viel Zeit für Heimarbeit und sorgt sich um Personal und Gäste.

Christian Piredda, Geschäftsführer des Restaurant/Pizzeria DaRafmi, Interlaken. Er wohnt in Goldswil.
Christian Piredda, Geschäftsführer des Restaurant/Pizzeria DaRafmi, Interlaken. Er wohnt in Goldswil.
Hans Urfer

Wer sich wie ich zwischendurch eine Kaffeepause gönnt, kann diese seit wenigen Tagen auch wieder in einem Restaurant einlegen. Und trifft früher oder später auf den Chef des Hauses. Christian Piredda, der das Restaurant/Pizzeria im «Schlauch» in Interlaken seit mehr als 20 Jahren führt, setzt sich in sicherer Distanz dazu und legt seine Schutzmaske ab. In Weiss und Schwarz, in den Farben seines Lieblingsfussballclubs, dem aktuellen Tabellenführer in der Serie A, und mit dem passenden Vereinslogo ist der Mundschutz ausgestaltet.

Doch unser Gespräch dreht sich weniger um das runde Ding, das ins Eckige muss, als vielmehr um Sorgen, Ängste und Nervosität. «Als der Schliessungsentscheid durch den Bundesrat bekannt geworden war, gab es nichts anderes, als von einem Tag auf den anderen die Schlüssel der Restauranttüren zu drehen», sagt der 46-jährige, zweifache Familienvater mit Wohnort Goldswil.

Sofort seien Esswaren tiefgekühlt, weitere Lebensmittel an die Angestellten verteilt oder selber nach Hause mitgenommen worden. «Ich habe mir gleichzeitig viele Fragen um die Zukunft gestellt, ob beispielsweise künftig alle Mitarbeiter ihren Job behalten können und wie es schlussendlich weitergehen soll», blickt der gelernte Automechaniker zurück. Etwas Zuversicht sei zurückgekehrt, als die Bestätigung der eingegebenen Kurzarbeit eingetroffen war.

«Ein Gefühl der grossen Erleichterung war das aber nicht, vielmehr etwas zurückgekehrte Zuversicht punkto Wirtschaftlichkeit», sagt Piredda. Die Sorgen seien jedoch geblieben. «Aber mehr als warten auf die nun Tatsache gewordene Wiedereröffnung konnte ich auch nicht.»

Was nicht ganz zutrifft. Immerhin musste sichergestellt werden, dass im Betrieb die Kühlaggregate auch weiterhin in Betrieb waren und im administrativen Bereich sich die Post nicht türmte.

Langweilig wurde es dem Freizeit-Tennisspieler nicht. Auf dem Platz und am Netz war Christian Piredda zwar nicht anzutreffen, dafür nahm er zu Hause Pinsel und Farbkübel zur Hand. «Ich habe kleine Maler- und andere praktische Arbeiten ausgeführt und bin mit den Kindern am Morgen aufgestanden, habe ihnen bei den Schularbeiten geholfen, oder wir haben miteinander gekocht», zählt Piredda auf und weiss dies zu schätzen.

Zurück im dem Corona-Regime angepassten Restaurant sind seine Gedanken an eine unsichere Zukunft des Betriebs geblieben. «Wir hatten schon immer eine stattliche Anzahl einheimische Gäste, und nun hoffen wir auf noch mehr», sagt Christian Piredda und setzt die Schutzmaske wieder auf.