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Opfer der Corona-KriseMassiver Stellenabbau bei Tally Weijl

Auf Druck der Banken werden Hunderte Läden abgebaut. Und es kommt zu Kürzungen am Basler Hauptsitz.

Firmengründerin Tally Elfassi-Weijl.
Firmengründerin Tally Elfassi-Weijl.
Foto: Pino Covino
Die Filiale von Tally Weijl in Basel.
Die Filiale von Tally Weijl in Basel.
daf
So wirbt Tally Weijl für seine Kleider.
So wirbt Tally Weijl für seine Kleider.
LMD
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Der Basler Modekette Tally Weijl droht das Aus. Wenn es ihr nicht gelingt, innert Kürze Corona-Kredite von 25 Millionen Franken zu bekommen, werden ihre Läden für immer geschlossen bleiben, wie das Unternehmen gegenüber den Tamedia-Zeitungen bestätigt. Obwohl der Bund 85 Prozent der Kredite garantiert, machen die Banken UBS, Credit Suisse und Deutsche Bank harte Auflagen. Das Unternehmen ist gezwungen, einen neuen Businessplan zu erstellen, der harte Einschnitte bringt.

Dieser berücksichtigt nicht nur die Folgen der Covid-19-Krise, sondern enthält auch viel weitergehende Restrukturierungsmassnahmen. Sie werden sich nicht bloss dieses Jahr, sondern auch 2021, 2022 und 2023 in deutlich tieferen Kosten niederschlagen.

20 bis 30 Prozent der Stellen bedroht

Insbesondere am Hauptsitz in Basel wird gekürzt, und Hunderte Läden werden geschlossen, darunter alle in der Slowakei, Bulgarien, Serbien und Kroatien. «Dadurch wird die finanzielle Situation massiv verbessert, allerdings ist das auch mit massiven Stellenkürzungen verbunden», wie Unternehmenssprecher Sacha Wigdorovits bestätigt. Beobachter gehen von 20 bis 30 Prozent der Stellen aus.

Dass es Tally Weijl schlecht geht, liegt nicht nur an der Corona-Krise. Bereits vergangenen Sommer war die Lage verzweifelt. Das Unternehmen hatte Ende August nach Informationen der SonntagsZeitung noch ein konsolidiertes Eigenkapital von 100’000 Franken, auf operativer Ebene lag der Verlust nach neun Monaten bei 27 Millionen Franken.

Ware am Publikum vorbei eingekauft

Die Banken verschoben Tally Weijl in die berüchtigte Recovery-Abteilung und verlangten bis Ende Februar 25 Millionen Franken frisches Geld. Dies, obwohl die Eigner bereits Kredite von 14,9 Millionen Franken in das Unternehmen gesteckt hatten. Hinzu kam, dass die letztjährige Ware am Publikum vorbei eingekauft wurde. Der geplante Imagewechsel, weg vom Werbeslogan «Totally sexy» für junge Mädchen, ging daneben.

Dann kam es zu einem forcierten Abverkauf. Bis Ende des Geschäftsjahrs kam Tally Weijl auf 350 Millionen Umsatz und einen operativen Verlust von 2,2 Millionen Franken. Gleichzeitig ging man auf Investorensuche, und es gab Zusagen von 17 Millionen Franken.

Doch dann kam Corona, und alles war hinfällig. Die rund 800 Läden wurden vorübergehend geschlossen. Das Onlinegeschäft, das nur 10 Prozent des Umsatzes ausmacht, konnte den Ausfall nicht einmal ansatzweise kompensieren.