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Maya Pedersen: Letzter Tanz der süchtigen Nomadin

Die Berner Oberländerin Maya Pedersen (37) tingelt mit ihrer Familie von Eiskanal zu Eiskanal. Die Leidenschaft ist ungebrochen, die Karriere der Olympiasiegerin wird jedoch mit dem Schuleintritt der älteren Tochter zu Ende gehen.

Temporausch im Eiskanal: «Früher lag ich auf einem Oldtimer, heute fahre ich einen Ferrari», sagt die Berner Skeleton-Olympiasiegerin Maya Pedersen.
Temporausch im Eiskanal: «Früher lag ich auf einem Oldtimer, heute fahre ich einen Ferrari», sagt die Berner Skeleton-Olympiasiegerin Maya Pedersen.
Keystone

Die Beine werden schneller, das Gefühl im Eiskanal wird besser – die Resultate spiegeln den Formanstieg: Je näher die Olympischen Spiele rücken, desto stärker werden Maya Pedersens Auftritte. Sie sei im Fahrplan, sagt die im norwegischen Lillehammer lebende Berner Oberländerin, welche in Vancouver als Titelverteidigerin am Start stehen wird. 37-jährig ist die Skeletonpilotin mittlerweile, trainiert wird sie von ihrem Mann, dem Norweger Snorre Pedersen. Es irrt, wer glaubt, die Emigrantin zehre im Herbst ihrer Karriere vornehmlich von ihrer Erfahrung. Zwei persönliche Startrekorde liess sie sich in diesem Winter notieren. Die seit drei Jahren laufende Kooperation mit Bruno Knutti wirkt sich aus, der Düdinger ist unter anderem für das Athletiktraining der Gottéron-Eishockeyaner sowie für jenes der Beachvolleyballerinnen Nadine Zumkehr und Simone Kuhn zuständig.

Vom Oldtimer zum Ferrari

Skeleton gehört zu jenen Sportarten, die im Vierjahresrhythmus jeweils für ein paar Wochen aus der Anonymität in den Fokus der Öffentlichkeit rücken – sofern die Schweiz über Edelmetallanwärter verfügt. Von der rasanten Entwicklung, welche die Sparte und mit ihr Maya Pedersen in den letzten Jahren durchlaufen haben, nimmt ausserhalb der Szene kaum jemand Notiz. Im Winter 1997/98 triumphierte die Spiezerin unter ihrem Mädchennamen Bieri zum ersten und einzigen Mal im Gesamtweltcup. Die damaligen Umstände seien mit den heutigen nicht vergleichbar, sagt die zweimalige Weltmeisterin. «Früher nahmen an den Wettkämpfen sechs, sieben Nationen teil, heute sind im internationalen Verband über hundert Frauen registriert.» Und: «Früher lag ich auf einem Oldtimer, heute fahre ich einen Ferrari.» Die Spitze sei breiter geworden, «gut 15 Frauen sind in der Lage, einen Podestplatz zu erreichen». Darunter befinden sich mehrere Deutsche, «die bei uns gelandet sind, weil sie bei den Rodlern den Sprung in den Weltcup nicht geschafft hatten».

Vom Eiskanal ans Lehrerpult

Dank persönlicher Sponsoren und Unterstützungsbeiträgen von Swiss Olympic darf sich Maya Pedersen in der laufenden Saison erstmals Berufssportlerin nennen, in früheren Jahren hat sie im Sommer jeweils zu 80 Prozent gearbeitet. Die Partnerschaften verdankt sie Bekannten; als Leistungssportlerin und Mutter ist sie ausgelastet, für die Sponsorensuche bleibt keine Zeit. «Wahrscheinlich wäre als Olympiasiegerin etwas mehr möglich gewesen. Aber ich bin zufrieden mit dem, was ich habe.» Es reicht, wenn auch knapp, um mit Snorre, den zwei Töchtern sowie einem «Babysitter» von Wettkampf zu Wettkampf zu tingeln, im Kreis ihrer Familie der grossen Leidenschaft zu frönen. Skeleton sei «wie eine Sucht», meint Pedersen. Es ist die Geschwindigkeit, welche sie fasziniert, wobei sich dieses Gefühl auf den Eiskanal beschränkt. «Ich bin grundsätzlich ein vorsichtiger Mensch. Auf dem Skeleton jedoch habe ich die Kontrolle, da kann ich den Temporausch geniessen.»

In Whistler Mountain lädt die süchtige Nomadin Mitte Februar zum letzten Tanz. «Im Frühling ist Schluss», sagt sie bestimmt. Ihre ältere Tochter Miriam steht vor dem Schuleintritt, die Familie geniesst Priorität. «Wenn ich meine Kinder nicht dabei haben könnte, hätte ich längst aufgehört.» Pedersen gedenkt, dereinst wieder in ihrem angestammten Beruf als Lehrerin zu arbeiten, Deutsch und Sport zu unterrichten. Ob sie ihrer Sportart in irgendeiner Form erhalten bleibt, ist ungewiss. Ihr Haus steht unmittelbar neben der Olympia-Bobbahn von 1994. «Im Moment möchte Miriam Bobfahrerin werden. Sollte sie sich anders entscheiden, würde ich ihr bestimmt nicht im Weg stehen», sagt sie schmunzelnd. Ehe es so weit sein wird, will Maya Pedersen in Kanada «vier gute Läufe absolvieren». Rangziele setzt sie sich nicht, «sonst wäre der Fokus auf der falschen Seite». Das geliebte Gefühl ist ihr gewiss, in Whistler werden Tempi bis zu 140 km/h erreicht. Ob der Formanstieg auf dem Podest gipfeln wird, bleibt indes abzuwarten.

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