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Kommentar zum Bundesanwalt Michael Lauber muss sich selbst isolieren

Dem obersten Strafverfolger droht die Absetzung. Um seine Behörde zu schützen, sollte er sein Amt unverzüglich ruhen lassen.

Eine Freistellung des angeschlagenen Bundesanwalts Michael Lauber ist nicht möglich.
Eine Freistellung des angeschlagenen Bundesanwalts Michael Lauber ist nicht möglich.
Foto: Arnd Wiegmann (Reuters)

Seit Corona weiss der Hinterletzte: Wer Symptome hat, soll sich sofort selber wegsperrenmindestens bis klar ist, ob man an Covid-19 erkrankt ist.

Die unverzügliche Selbstisolation schützt die Mitmenschen. Und letztlich uns alle.

Genau gleich sollte sich der Bundesanwalt verhalten. Michael Lauber ist zwar nicht krank, aber angeschlagen. Er kann oder will sich nicht mehr so gut an seine Fifa-Geheimtreffen erinnern.

Alle Fussball-Fälle der Bundesanwaltschaft sind darum gefährdet. Es sind Verfahren mit internationaler Ausstrahlung, umso schlimmer deshalb der Kollateralschaden des schier endlosen Schweizer Justizdramas.

Lauber bringt auch seine Mitarbeiter in die Bredouille.

Die Gerichtskommission hat nun richtigerweise ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Und Lauber? Sagt, seine Anhörung vor den Parlamentarierinnen und Parlamentariern sei «sehr gut» verlaufen. Und lässt ausrichten, das Verfahren habe «keine Auswirkungen auf die operative Tätigkeit der Bundesanwaltschaft».

An einen freiwilligen Rückzug denkt der Bundesanwalt offenbar nicht. Doch er sollte sein Amt dringend vorübergehend ruhen lassen.

Warum das notwendig ist? Das zeigt die Disziplinaruntersuchung seiner Aufseher gegen ihn.

Lauber bringt allein durch seine Präsenz, aber auch durch Handlungen seine Stellvertreter und auch Mitarbeiter in die Bredouille. Dies trug ihm jüngst den Vorwurf ein, dass er der Aufsicht widerrechtlich Akten nicht herausgab und das Aussageverhalten von Angestellten beeinflusste. Lauber bestreitet die angebliche Obstruktion wie auch alle anderen Anschuldigungen. Seine Beschwerde muss nun das Bundesverwaltungsgericht behandeln.

Ist eine Zwangsquarantäne nicht möglich, bleibt nur die Selbstisolation.

Freistellen kann Lauber niemand. Dem Bundesrat wurde diese Kompetenz entzogen nach der Affäre um Laubers Vorvorgänger Valentin Roschacher mit Bundesrat Christoph Blocher in einer Hauptrolle.

Ist eine Zwangsquarantäne nicht möglich, bleibt nur die Selbstisolation.

So kann Lauber abwarten, wie ein faires Verfahren gegen ihn ausgeht. Vor allem aber wäre die Bundesanwaltschaft vor zusätzlichem Schaden geschützt. Und letztlich die ganze Schweizer Strafjustiz.