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Enttäuschung beim Sohn der LegendeMick Schumachers Formel-1-Debüt fällt ins Wasser

Es hätte das grosse Wochenende des Mick Schumacher werden sollen. Doch wegen Regens wird das erste freie Training auf dem Nürburgring gestrichen – und der 21-Jährige muss weiter auf seinen ersten Einsatz in der Königsklasse warten.

Der erste Einsatz in der Formel 1 muss warten: Doch in zwei Wochen bietet sich Mick Schumacher die nächste Chance.
Der erste Einsatz in der Formel 1 muss warten: Doch in zwei Wochen bietet sich Mick Schumacher die nächste Chance.
Hassan Ammar/Keystone

Mick Schumacher schüttelt kurz den Kopf, schnappt sich seine Handschuhe von der Motorhaube und wirft nochmals einen verstohlenen Blick auf den Alfa Romeo. Im trüben Eifel-Grau ist das Formel-1-Trainingsdebüt des Sohnes von Rekordweltmeister Michael Schumacher ins Wasser gefallen. Die widrigen Wetterbedingungen mit Nässe, Kälte und Nebel bei der Rückkehr der Motorsport-Königsklasse auf den Nürburgring sorgten aus Sicherheitsgründen für eine Absage des Auftakttrainings.

Der junge Schumacher klatscht nach der verpassten Chance auf eine Formel-1-Empfehlungsfahrt noch einige Teammitglieder ab. Dann verlässt er enttäuscht die Garage.

Schumacher hatte auf diesen Tag hingefiebert, dem noch viele weitere Tage in der Motorsport-Königsklasse folgen sollen. Alles war vorbereitet für Gänsehaut-Momente. 15 000 Formel-1-Fans haben trotz Corona-Pandemie die Erlaubnis für einen Eifel-Besuch bekommen. Mit der Nummer 37 wollte der Formel-2-Führende Schumacher auf die Strecke gehen. Eifel-Wetter durchkreuzte aber seine Pläne.

Voraussetzung für die Austragung einer Formel-1-Einheit ist, dass im Notfall der Rettungshubschrauber starten kann. Sollte dies nicht der Fall sein, müsste ein Krankenhaus wiederum mit dem Krankenwagen in höchstens 20 Minuten zu erreichen sein. Dies war allerdings nicht gegeben.

Die nächste Chance wartet in Portugal

Schumacher muss nun etwas auf sein Debüt warten. Im portugiesischen Portimao könnte er in zwei Wochen erstmals die Ausfahrt nachholen. Die Formel 1, in der sein ikonischer Vater so viele Rekorde aufgestellt hat, ist sein Sehnsuchtsziel. «Er ist ein toller Junge. Ich mag ihn sehr», sagte der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel, der einst in Micks Vater eine Art Mentor für seinen Formel-1-Weg fand. «Ich hoffe, er kann ein Cockpit für nächstes Jahr klarmachen.»

Mick Schumacher hat die Vorarbeit geleistet. Der 21-Jährige führt die höchste Nachwuchsklasse Formel 2 an. Das ist kein Freibrief, aber eine eindringliche Empfehlung. Um sich optimal auf das am Ende abgesagte erste Freie Training einzustimmen, gab Schumacher schon mal auf der Ferrari-Hausstrecke in Fiorano Gas. In einem 2018er Ferrari.

Der «super Junge» soll so viel wie möglich mitnehmen

«Er ist ein super Junge», befand auch Kimi Räikkönen, der letzte Weltmeister in einem Ferrari 2007, und bezeichnete den Junior als «Kopie seines Vaters in vielerlei Hinsicht». Räikkönen, ein Kumpel Vettels, könnte 2021 auch der Senior-Teamkollege von Mick Schumacher bei Alfa Romeo werden. Eine spannende Kombination. Der mit 40 Jahren dienstälteste Formel-1-Fahrer hat aber noch keine abschliessende Entscheidung getroffen, ob er auch nächstes Jahr fährt.

Mick Schumacher hat bereits im April 2019 in einem Alfa Romeo und einem Ferrari Tests absolviert. In Bahrain wurden damals ausserhalb eines Grand-Prix-Wochenendes aber nur Reifen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Ein Auftakttraining ist da anders. Die Rennställe arbeiten in diesen eineinhalb Stunden an Aerodynamik, der Balance des Wagens für das Wochenende und dem Verhalten der verschiedenen Reifentypen.

Mick Schumacher sollte «so viel wie möglich» mitnehmen, «so viel wie möglich» lernen in der Zusammenarbeit mit den Ingenieuren, empfahl seine Managerin Sabine Kehm, die auch schon seinen Vater betreut hatte. Im Grunde geht es darum, eine Art Auftragsliste abzuarbeiten, die die Alfa-Romeo-Strategen aufgegeben haben. Wie testet sich ein junger Fahrer ans Limit heran? Welches Feedback kann er unter Stress an den Kommandostand geben?

Und das auf dem Nürburgring, wo Vater Michael 1995 als erster Deutscher in der Eifel gewann. «Er muss nichts beweisen, er hat alles schon in dieser Formel-2-Saison bewiesen», meinte Vettels Ferrari-Teamkollege Charles Leclerc vor der ersten Ausfahrt in spe der deutschen Formel-1-Hoffnung.

Konkurrenz aus dem Ferrari-Nachwuchs

So ganz stimmt das aber natürlich nicht, denn in der Königsklasse, wo rund 1000 PS und nicht 620 wie in der Formel 2 zu bändigen sind, steht man permanent auf dem Prüfstand. Vor allem, wenn man als Stammpilot in diesen elitären Zirkel aufgenommen werden will.

Alleine aus der Ferrari-Nachwuchsakademie hat Mick Schumacher schon einige Konkurrenz im Kampf um ein Formel-1-Cockpit für 2021. Callum Ilott sollte am Freitag für Haas testen, das wie auch Alfa Romeo von Ferrari mit Motoren ausgestattet wird, doch daraus wurde bekanntlich nichts. Und dann gilt auch Robert Schwartzman als Kandidat. «Das bereitet uns kein Kopfzerbrechen», meinte Ferrari-Sportdirektor Laurent Mekies über den Wettbewerb unter den roten Youngstern, «das gibt uns eine Menge Optionen.» Eine gute Option heisst Mick.