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Aufreizende Langeweile

Der internationale Vergleich lässt die SVP inzwischen fast höflich erscheinen – auch wenn sie sich tapfer anstrengte, die Mittelschichten mit Würmern aus dem Häuschen zu bringen.

Neben Donald Trump wirken Vertreter der SVP, hier «President Switzerland» Ueli Maurer, wie Klosterschüler.

Neben Donald Trump wirken Vertreter der SVP, hier «President Switzerland» Ueli Maurer, wie Klosterschüler.

(Bild: Keystone)

Markus Somm@sonntagszeitung

Hätten wir vor ein paar Wochen nicht die Wahlunterlagen erhalten und stolperten ab und zu über ein Plakat mit einem Kopf, würden wir es kaum bemerkt haben: In der Eidgenossenschaft wird am kommenden Sonntag tatsächlich das Parlament neu gewählt – und die einen nehmen teil, und die anderen bleiben zu Hause, doch vom Ernst der Lage, in dem unser Land sich befinden könnte, ist nichts zu spüren. Es herrscht eine fast aufreizende Langeweile und weiträumige Zufriedenheit. Haben wir so gute Politiker? Ist unsere Verwaltung so tüchtig, und freuen wir uns über ­jedes Gesetz, mit dem Bern unser Leben bereichert? ­Vermutlich nicht, und dennoch gehört der Wahlkampf 2019 zu den trockensten Sorten je. Besucher aus dem Ausland, denen man klarmachen will, dass Politiker sich derzeit ­speziell um uns bemühen, weil sie um die Wiederwahl ­zittern, glauben uns das nicht, und sie halten das Ganze womöglich für einen Probelauf. Als ob die perfektionistischen Schweizer die Wahlen zuerst üben müssten, damit am Ende ganz sicher keine Überraschung herauskommt. Man wählt, um vorzu­geben, man habe gewählt, dabei wurde gar nichts gewählt, sondern bloss das gewählt, was man das letzte Mal gewählt hatte. Das muss eine raffinierte Demokratie sein – von der man gar nichts merkt.

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