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Bern oder Langnau – wer ist am Ende obenauf?

Es zeichnet sich ab: Entweder der SC Bern oder die SCL Tigers werden das Playoff erreichen – wenn es denn überhaupt einer schafft. Am Samstag treffen sich die Kantonsrivalen in Bern zum Derby.

Welches Team wird den Kampf um einen Platz in den Playoffs gewinnen? Unsere Sportredaktoren sind sich nicht einig.
Welches Team wird den Kampf um einen Platz in den Playoffs gewinnen? Unsere Sportredaktoren sind sich nicht einig.
Christian Pfander

Adrian Ruch

Ressortleiter Sport

Bern

Weil sich Mark Arcobello als Sieger verabschieden will

Mark Arcobello ist keiner, der in der Öffentlichkeit gern redet. Viel lieber lässt er seinen Handgelenkschuss sprechen. Er wird den SCB am Ende der Saison Richtung Lugano verlassen und alles daransetzen, sich nicht als Verlierer aus Bern verabschieden zu müssen. Deshalb wird der Amerikaner den SCB ins Playoff schiessen – auch auf Kosten der SCL Tigers. Dass er das kann, ist unbestritten, denn er ist der konstanteste Ausländer auf Schweizer Eis. In allen vier Saisons für den SCB hat er durchschnittlich pro Match mindestens einen Punkt gebucht, auch jetzt ist Arcobello Topskorer der Liga.

Weil sich die Klasse letztlich durchsetzen wird

In einer einzelnen Partie ist alles möglich, sogar in einer Playoff-Serie ist Glück ein nicht zu unterschätzender Faktor, doch über 50 Runden müsste sich die bessere Equipe behaupten können. Und dass der SCB über mehr individuelle Klasse verfügt, darüber lässt sich nicht ernsthaft streiten. Die Fakten sind zu klar: 1001 NHL-Partien haben die Berner total auf dem Buckel, bei den Langnauern sind es 163. Elf Berner weisen eine WM-Erfahrung von total 273 Spielen auf, bei den Tigers kommen Harri Pesonen und Ivars Punnenovs zusammen auf insgesamt 11 WM-Einsätze.

Weil der Trainerwechsel zumindest kurzfristig für einen Aufschwung sorgt

Kari Jalonen war nicht das Problem, und doch geht nach der Amtsübername durch Hans Kossmann ein Ruck durch die Mannschaft. Die Spieler sehen ein anderes Gesicht, hören eine andere Stimme, absolvieren anders gestaltete Trainings, werden mit ungewohnten Matchansprachen konfrontiert. Das alles hilft, in Gedanken den Reset-Knopf zu drücken, die negativen Emotionen aufgrund der Misserfolge in den letzten Monaten zur Seite zu schieben. Dies führt zumindest kurzfristig zu einer Leistungssteigerung, die es erlaubt, den Kantonsrivalen zu überholen.

Weil der SCB-Teamgeist trotz Krise intakt ist

Wenn ein Verletzter aufs Eis zurückkehrt, geht es in der Trainingshalle zu wie im Affenkäfig. Die Teamkollegen johlen, schlagen mit den Stöcken an die Bande, einige hängen sich sogar ans Plexiglas. Dieses Ritual ist nur ein Indiz für den intakten Teamgeist. Trotz der Krise haben sich keine Gruppen gebildet. Auch im Match zeigt sich: Die Mutzen halten zusammen; jeder ist bereit, für die Mannschaft blaue Flecken und Schmerzen zu riskieren. Keine andere Equipe hat bisher so viele Schüsse geblockt wie jene des Meisters. Im Playoff 2019 befand sich der SCB gegen Servette und vor allem gegen Biel in der Bredouille, doch die Berner fanden stets einen Ausweg, weil sie als Einheit auftraten. Auch diesmal werden sie gemeinsam das Ziel erreichen.

Weil man gegen den «kleinen Bruder» nicht verlieren darf

Die erbitterte Feindschaft aus den 70er- und 80er-Jahren ist passé. Heute verbindet den SCB und die Tigers ein freundschaftliches, ja brüderliches Verhältnis. Die Städter haben den Emmentalern schon mehrmals unter die Arme gegriffen, wenn diese Sorgen wegen der Finanzen hatten. Zweimal boten sie Hand für ein Tatzenderby im Wankdorf, einmal durften die Tigers in der Postfinance-Arena ein Heimspiel austragen, um Mehreinnahmen zu generieren. In den letzten Jahren waren die Stärkeverhältnisse eindeutig, doch nun ist das anders. Und wer will schon gegen den «kleinen Bruder» verlieren? Das würde in Bern als Blamage empfunden; entsprechend werden sich die Mutzen zusammenreissen – besonders am Samstag im Derby.

Der Teamgeist ist intakt – deshalb bringen die Mutzen die Langnauer zu Fall. Foto: Anthony Anex (Keystone)
Der Teamgeist ist intakt – deshalb bringen die Mutzen die Langnauer zu Fall. Foto: Anthony Anex (Keystone)

Philipp Rindlisbacher

Stv. Ressortleiter Sport

Langnau

Weil Harri Pesonen nicht zu bremsen ist

Langnau wird in Bern gewinnen und wegen der drei Punkte am Ende vor dem Meister liegen – natürlich dank Harri Pesonen. In neun Derbys hat der Stürmer acht Treffer erzielt und fünf vorbereitet, gegen kein anderes Team ist er derart produktiv. Pesonen sagt, gegen den SCB sei das gegnerische Tor um ein paar Zentimeter grösser als sonst. Der typisch unfinnisch temperamentvolle Flügel mag die grosse Bühne, so traf er auch letzten Mai im WM-Final gegen Kanada (3:1).

Weil Langnau viel weniger unter Druck steht

Stärker könnten die Kräfteverhältnisse kaum divergieren: Julian Schmutz ist der einzige Schweizer bei den Tigers, der im Nationalteam getroffen hat. Ein einziges Tor, in einem x-beliebigen Testspiel. Beim SCB haben acht Schweizer an einer WM teilgenommen. Sowieso: Vier Titel haben die Berner in den letzten sieben Jahren geholt, Langnau ist erst zweimal im Playoff gestanden. Für den SCB wäre ein Platz unter dem Strich eine Peinlichkeit; im Emmental soll es Leute geben, die mit der Platzierungsrunde gut leben könnten, weil drei Heimspiele garantiert wären und sich Playoff-Prämien einsparen liessen. Die Tigers können unbeschwerter auftreten als die Berner, deren Selbstvertrauen zerbrechlich zu sein scheint wie Glas.

Weil es im Emmental wieder ruhiger zu- und hergeht als in der Hauptstadt

Es gab den Zwist zwischen dem Sportchef und dem Verwaltungsrat, zwischen dem Trainer und dem Publikumsliebling. Ausgelöst wurde die interne Unruhe durch den Abgang Chris DiDomenicos nach Freiburg. Nach einigen Aussprachen ist zwar nicht alles in Minne, die Wogen aber haben sich geglättet. DiDomenico rastete für einmal nicht aus, als er am Samstag in Ambri zuschauen musste. Vielleicht hat der Tadel der Mutter gewirkt, die Anfang Jahr ein Spiel besucht und sich fürchterlich über den Sohnemann und dessen Schiedsrichterbeleidigungen aufgeregt hatte. In Bern hingegen ist es in dieser Woche drunter und drüber gegangen, mit Kari Jalonen als Bauernopfer.

Weil sich die Langnauer auskennen mit dem Strichkampf

Für die SCL Tigers läuft es immer gleich: Ab Runde 1 befinden sie sich im Kampf ums Playoff. Der Strich ist ihr steter Begleiter, auch wenn sie in den letzten beiden Saisons erstaunlicherweise fast immer in den Top 8 klassiert waren. Im Umgang mit heiklen Duellen sind die Langnauer Experten, die aktuelle Situation kennen sie aus dem Effeff. Ganz anders der SCB, der in den letzten drei Jahren durch die Qualifikationen flog. Im Emmental ist die Demut grösser, viele Spieler sind am Ort der letzten Chance angelangt. Laufen und checken, oder eben «chräblä u bissä» – diese Tugenden sind gefragt. Langnauer Tugenden!

Weil der SCB so schwach ist wie nie seit dem Aufstieg 1986

Vor sechs Jahren verpassten die Berner als erster amtierender Meister das Playoff. Die Schmach liess sich halbwegs begründen, das Verletzungspech war monumental. In dieser Saison aber präsentieren sich die Mutzen schlecht wie nie seit der Rückkehr in die NLA 1986. Das Goalieproblem ist (zu) spät behoben worden, das Powerplay funktioniert nicht, diverse Leistungsträger bleiben vieles schuldig. Für Langnau bietet sich die seltene Gelegenheit, die Qualifikation vor dem SCB zu beenden. Und wenngleich es in den Derbys nicht ansatzweise mehr knistert wie in den 70ern, als man Spieler nach einem Wechsel zum Kantonsrivalen auf den Scheiterhaufen wünschte, so dürften die Tigers zusätzlich angestachelt sein.

«Chräblä u bissä» – typische Langnauer Tugenden sind im Strichkampf gefragt. Foto: Anthony Anex (Keystone)
«Chräblä u bissä» – typische Langnauer Tugenden sind im Strichkampf gefragt. Foto: Anthony Anex (Keystone)

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